Der deutsche Horrorfilm "Laurin"

Neu auf DVD/BD: "Laurin", eine düster-märchenhafte deutsche Genre-Perle aus den 1980ern von Regisseur Robert Sigl.

Regisseur Robert Sigl, 1987 Absolvent der Münchner Filmhochschule, hat sich als TV-Regisseur diverser "Tatorte" und "SOKO Donau"- und "Aktenzeichen XY"-Fälle verdient gemacht, vor allem aber auch einige interessante Horrorfilme inszeniert. Sein Debüt-Langfilm "Laurin" aus dem Jahr 1989 erscheint am 1.12.2017  beim Label Bildstörung auf DVD und BD. Eine sehenswerte Wiederentdeckung. Hier die Kritik, die FILMDIENST-Autor Rolf-Rüdiger Hamacher zum Kinostart in den 1980ern schrieb:

Ein idyllisches Hafendorf, irgendwo in Norddeutschland um die Jahrhundertwende. Hier lebt die neunjährige Laurin mit ihren Eltern und der Großmutter in einer am Waldrand gelegenen Landvilla. Laurins Vater, ein Seemann, ist selten zu Hause, und die Mutter kommt eines Nachts auf mysteriöse Weise um. In derselben Nacht klopft ein Zigeunerjunge mit angstverzerrtem Gesicht an Laurins Fenster und verschwindet dann spurlos. Immer wieder tauchen die Bilder dieser Unglücksnacht vor Laurins innerem Auge auf. Als zwei Jahre später der Sohn des Pastors vom Militär zurückkehrt, die Stelle des Dorfschullehrers übernimmt und sich auffallend um ihren Klassenkameraden Stefan kümmert, verdichten sich ihre Visionen immer mehr. Als dann auch Stefan spurlos verschwindet, macht sich das mutige Mädchen mit Hilfe ihrer Träume daran herauszufinden, was mit den Jungen passiert ist.

Wenn man sich erst einmal auf dieses albtraumhafte Märchen vom "Schwarzen Mann" eingelassen hat, erkennt man sehr schnell, daß Laurins Visionen viel mit eigenen Kindheitsträumen zu tun haben: der Angst vor dem Verlust der Eltern, ersten Berührungen mit der Sexualität. So bekommt diese mystische Geschichte etwas Vertrautes, und die Regie kann sich auf Andeutungen beschränken. Genauso sparsam geht Robert Sigl mit den Versatzstücken des gotischen Horrorfilms um: der verfallenen Burgruine, dem schwarzen Hund, Nebelschwaden und knarrenden Türen. Sie illustrieren fast beiläufig die Geschichte des kleinen Mädchens mit dem "Zweiten Gesicht", die Sigl in ästhetisch durchkomponierten Bildern erzählt - in Bildern, wie man sie so ausdrucksstark schon lange nicht mehr in einem bundesdeutschen Erstlingswerk sah. Endlich einmal hat ein Regisseur eine Geschichte zu erzählen, versteht es, sie mit Bildern statt mit Worten voranzutreiben. Da verzeiht man ihm gerne den ab und an leicht stockenden Rhythmus und kleine Unsicherheiten in der Schauspielerführung; denn die Sorgfalt, mit der er sich auf diese Produktion vorbereitet hat, und die Liebe zum Medium Film spürt man in jeder Einstellung. Auf Robert Sigls nächsten Film kann man gespannt sein.

 

 

 

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