Neues vom Comic-Künstler und Drehbuchautor Daniel Clowes

Felicitas Kleiner | 02.05.2017

Im Sommer startet "Wilson" in den Kinos, in dem Woody Harrelson in die Rolle von Daniel Clowes' misanthropischem Comichelden schlüpft. Passend dazu gibt es schon jetzt die Vorlage als Neuauflage und einen fantastischen neuen Comicband des Künstlers, die Zeitreise-Fabel "Patience".

Comic und Film erzählen „Geschichten in Bildern, mit Dialogen, Kameraeinstellungen und Schnitt – man denke nur an Storyboards“, meint Regisseur Craig Johnson („The Skeleton Twins“). Deshalb seien Comic-Künstler auch gute Drehbuchautoren. Johnson bezieht dies auf Daniel Clowes, der für seinen jüngsten Film „Wilson“ (Kinostart: 17. August) nicht nur die Comic-Vorlage lieferte, sondern auch das Drehbuch verfasste – wie schon für andere Adaptionen seiner Comics, etwa „Ghost World“ (2000) und „Art School Confidential“ (2005).

 Der von Clowes kreierte Charakter eines kauzigen Mittvierzigers, der vom Leben und den Menschen grundsätzlich das Schlechteste erwartet, seine Umwelt mit unangebrachter Ehrlichkeit brüskiert, sich tief drinnen aber nach Anschluss und Liebe sehnt, wird in der Adaption sehr passend von Woody Harrelson verkörpert. Im Vorlauf zum Kinostart spendiert der Verlag Reprodukt dem erstmals 2010 erschienenen Comic „Wilson“ im Mai eine deutsche Neuauflage.

 Ebenfalls bei Reprodukt ist Clowes' jüngster Streich als Comic-Künstler erschienen. „Patience“ ist ein fulminantes Zeitreise-Epos rund um einen Charakter, der Wilson gar nicht so unähnlich ist. Jack Barlow ist es gewohnt, dass die Dinge schief laufen, und alles andere als ein Menschenfreund. Einzige Ausnahme ist seine Freundin Patience, die ein Baby von ihm erwartet, ein „schwacher Lichtblick“ in seiner düsteren Existenz, wie er einmal als Ich-Erzähler bekennt. Als er Patience eines Tages im Jahr 2012 ermordet in der gemeinsamen Wohnung findet, bricht seine Welt zusammen – und bleibt in Trümmern, bis er Jahre später an eine Zeitmaschine kommt. Aus dem Jahr 2029 reist er zurück in die Vergangenheit, um das Geschehene zu verändern – mit ungeahnten Folgen und Verwicklungen. Clowes fasst seine SciFi-Krimi-Liebesgeschichte in bunte, bisweilen psychedelische Bilder, die die düstere Welt- und Selbstsicht des Protagonisten unterschwellig konterkarieren. Wie sehr der Künstler die Ausdrucksmöglichkeiten des Comics schätzt, wird ihm durch seine Beschäftigung als Drehbuchautor deutlich: „Einen Film zu drehen, ist eine sehr kollaborative Angelegenheit. Ich schreibe im Prinzip nur eine Mustervorlage für einen Film, die andere dann ausfüllen. Jeder Regisseur würde einen komplett anderen Film daraus machen. Wenn ich aber Comics zeichne, bin ich ein absoluter Gott.“

 

 

 

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