Pilot Season 2017 bei Amazon Prime

Felicitas Kleiner | 10.11.2017

Pilot Season bei Amazon Prime: Der Streamingdienst stellt seinen Kunden ab 10.11.2017 drei neue Serienprojekte vor. Mit dabei: Glenn Close als zombifiziertes Frust-Monster in einer Litaraturadaption nach einer Erzählung von George Saunders.

Der Schriftsteller George Saunders ist einer der besten amerikanischen Kurzgeschichtenautoren der Gegenwart; 2017 gewann er mit seinem Romandebüt „Lincoln in the Bardo“ den britischen „Man Booker Prize“ gewonnen. Ein weiteres, vielversprechendes Projekt lässt sich seit dem 10.11. bei Amazon Prime bewundern: Als Drehbuchautor und Executive Producer gestaltete Saunders die Pilotfolge einer Serienadaption seiner Kurzgeschichte „Sea Oak“ mit. Die makabre Tragikomödie ist das Highlight der neuen Serienprojekte, über die der Streaming-Dienst die Kunden abstimmen lässt, um zu entscheiden, welcher Pilot als "Amazon Original" in Serie gehen soll. „Sea Oak“ hat gute Chancen, die Gunst des Publikums zu finden: Unter der Regie von Hiro Murai gelingt es überzeugend, komisch-lakonisch ins prekäre Dasein von Tante Berni (gespielt von Glenn Close) einzuführen, die mit ihrem Neffen, ihren beiden Nichten und deren Babys in einer Sozialwohnung im heruntergekommenen Wohnkomplex Sea Oaks haust, wo ihnen nachts durchaus Querschläger von Feuergefechten auf der Straße um die Ohren fliegen können. Nachdem die sanfte, altjüngferliche Berni bei einem Einbruch in ihr ärmliches Domizil vor Schreck der Schlag getroffen hat, erwartet den Neffen und die Nichten eine böse Überraschung: Berni kehrt als Zombie ins Leben zurück, angetrieben von der schieren Unzufriedenheit eines langen Lebens ohne Perspektive und Glück. Ihre Duldsamkeit und Milde hat sie im Grab zurückgelassen, die neue, untote Berni nimmt kein Blatt vor den Mund und geht rabiat daran, ihre jungen Verwandten zu nötigen, endlich zu handeln und Sea Oaks hinter sich zu lassen. Glenn Close als Frust-Monster in einer absurden Komödie vom traurigen Ringen um die letzten Reste des amerikanischen Traums: Das macht unbedingt Lust auf mehr.
Auch zwei andere Comedy-Projekte, die Amazon in der „Pilot Season“ vorstellt, drehen sich um weibliche Figuren und ihren Kampf gegen Frustrationen in städtischen Milieus. „Love Me More“ fungiert als Vehikel für Comedy-Star Bridget Everett („Patti Cake$”) und porträtiert eine voluminöse Frau, die sich als Sozialarbeiterin einfühlsam um Menschen mit Down Syndrom kümmert, in ihrem Privatleben dafür als Single die Freiheit und (sexuelle) Ungebundenheit zelebriert – wobei das eine wie das andere seine Tücken birgt. Showrunner ist Michael Patrick King, der u.a. bei „Sex and the City“ und „2 Broke Girls“ mitarbeitete, was man dem freizügig-expliziten Tonfall des Piloten anmerkt.

„The Climb“ fokussiert auf eine Frau in Detroit, die sich hartnäckig gegen das Erwachsenendasein sträubt, ihren langweiligen und uneinträglichen Job in der Kundenbetreuung in einem Callcenter hinwirft und von einer Karriere als Social-Media-Star träumt. Zwar schwächer als die anderen zwei Pilot-Folgen, haben Thema und Figuren dennoch das Potenzial, sich spannend zu entwickeln. Ob weiter ausgesponnen wird, wie sich die digitalen Karriereträume der Hauptfigur vor dem Hintergrund der lädierten einstigen Autoindustrie-Metropole  entwickeln, hängt nun von den Amazon Kunden ab, die den Piloten, wie die beiden anderen, sichten und bewerten dürfen.

 

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