Kinotipps 2014

Die Sprache des Herzens

Ende des 19. Jahrhunderts nimmt sich eine kränkelnde Nonne der Montfort-Schwestern aus Poitiers einer taubblinden 14-Jährigen an, die nur tastend und riechend ihre unmittelbare Umwelt wahrnimmt. Nach langen, kräfte- wie nervenzehrenden Bemühungen versteht das Mädchen die Bedeutung von Zeichen und entwickelt sich zur wissbegierigen jungen Frau, während die Nonne ermattet aufs Sterbebett sinkt. Ein bewegendes, eindringlich gespieltes Drama, das in lichten Farben den Gang der Dinge nachzeichnet und sich dabei vor allem auf die Freundschaft zwischen Lehrerin und Schülerin fokussiert. - Sehenswert ab 12.

Frankeich 2014
Regie: Jean-Pierre Améris
Länge: 94 Min.

Verleih: Concorde

Kinotipp der katholischen Filmkritik 274/Dezember 2014


Timbuktu

Eine Gruppe islamistischer Rebellen besetzt die Oasenstadt Timbuktu in Mali und verhängt ein strenges fundamentalistisches Regelwerk. Anfangs nehmen die Einwohner die Dschihadisten nicht ernst, sondern führen ihr Leben wie gewohnt weiter. Doch schon bald sehen sie sich mit der Scharia konfrontiert. Der lakonische Film fängt meisterhaft die wachsende Erschöpfung eines vormals toleranten und weltoffenen Gemeinwesens ein. Starke Figuren tragen das bildmächtige tragische Geschehen, das die Frage nach der Rolle von Freiheit und Humanität stellt. - Sehenswert ab 16.

Frankeich/Mauretanien 2014
Regie: Abderrahmane Sissako
Länge: 96 Min.

Verleih: Arsenal

Kinotipp der katholischen Filmkritik 273/Dezember 2014


Das Verschwinden der Eleanor Rigby

Nach dem Tod ihres Kindes zieht eine junge Frau zu ihren Eltern und beginnt zu studieren. Ihr konsternierter Ehemann kämpft derweil mit beruflichen Problemen und versucht scheu und unsicher, mit seiner entfremdeten Frau wieder Kontakt aufzunehmen. Herausragend gespieltes Drama, das glaubwürdig und vielschichtig Fragen nach Verlust und Trauer, menschlichen Beziehungen und Lebenssinn stellt. Geschickt fügt der Film dabei Elemente aus zwei unabhängigen Filmen zusammen, die das Geschehen jeweils aus der Perspektive des Mannes und der Frau beleuchten.  - Sehenswert ab 14.

USA 2014
Regie: Ned Benson
Länge: 123 Min.

Verleih: Prokino

Kinotipp der katholischen Filmkritik 272/November 2014


Interstellar

In einer Zukunft, in der die Menschheit auf der maroden Erde keine Lebensgrundlage mehr hat, sendet die NASA ein Team ins All, um einen neuen bewohnbaren Planeten zu suchen. Eine komplexe, virtuos gestaltete Weltraum-Oper um Wurmlöcher, Zeitreise-Paradoxien und die Botschaft, dass es eine Symbiose aus Emotion und Kognition, Glaube und Wissenschaft geben kann. Die audiovisuelle Wucht des Films wird dabei stets durch plausible zwischenmenschliche Dramen geerdet.  - Sehenswert ab 16.

USA/Großbritannien 2014
Regie: Christopher Nolan
Länge: 169 Min.

Verleih: Warner Bros.

Kinotipp der katholischen Filmkritik 271/November 2014


Am Sonntag bist du tot

Im Beichtstuhl erfährt ein irischer Priester, dass er getötet werden soll, um für die Verfehlungen eines Amtsbruders zu büßen, der den Beichtenden als Kind sexuell missbraucht hat. Dem Pfarrer bleiben sieben Tage, um seine Angelegenheiten und die der Gemeinde zu regeln. Der Film zeichnet ein vielschichtiges Bild des Priesters, der seine Aufgaben wichtiger nimmt als die persönliche Bedrohung. Die zwischen Situationskomik und Tiefgründigkeit changierende Inszenierung bringt durch bildhafte Verdichtungen, dezente symbolische Andeutungen und ein verstörendes Ende eine christliche Auseinandersetzung um Schuld, Sühne und Vergebung ins Spiel, die das Drama zu einer Herausforderung fürs Publikum macht. - Sehenswert ab 14.

Irland 2014
Regie: John Michael McDonagh
Länge: 105 Min.

Verleih: Ascot Elite

Kinotipp der katholischen Filmkritik 270/Oktober 2014


Hirngespinster

Der erwachsene Sohn eines gefeierten Architekten fühlt sich für seine Mutter und seine kleine Schwester verpflichtet, als sein Vater mit der Diagnose „Schizophrenie“ in die Psychiatrie eingewiesen wird. Doch auch nach dessen Entlassung schafft er nicht den Absprung in ein eigenes Leben, weil die Angst vor dem nächsten Ausbruch des Vaters alle lähmt. Ein glaubwürdiger, überzeugend ausbalancierter Debütfilm. Das herausragend gespielte Drama besitzt Drive, tragische Tiefe, Witz und jede Menge Energie, und die leichthändige Inszenierung ist stets der Schwere des Themas gewachsen, das weder reißerisch noch verharmlosend behandelt wird. - Sehenswert ab 14.

Deutschland 2014
Regie: Christian Bach
Länge: 96 Min.

Verleih: Movienet

Kinotipp der katholischen Filmkritik 269/Oktober 2014

 

 


Like Father, Like Son

Ein erfolgreicher Architekt und seine Frau erfahren, dass ihr kleiner Sohn vor sechs Jahren bei der Geburt vertauscht wurde; ihr leibliches Kind wuchs im Haushalt eines chaotischen, gleichwohl liebevollen Elektrohändlers auf. Beide Elternpaare zögern zunächst, die Jungen auszutauschen, sehen sich aber zusehends zu einer Entscheidung gezwungen. Anspruchsvolles, packendes Drama über Elternschaft und Familienbande, das trotz seiner erschütternden Prämisse dramatische Zuspitzungen vermeidet und die Handlung ebenso kraftvoll wie sanft vorantreibt. Die unterschiedlichen Charaktere und konträren Lebensentwürfe der Familien sorgen dabei immer wieder für leisen Humor. - Sehenswert ab 16.

Japan 2013
Regie: Hirokazu Kore-eda
Länge: 121 Min.

Verleih: Film Kino Text

Kinotipp der katholischen Filmkritik 268/September 2014


Song From the Forest

Ein US-amerikanischer Musik-Ethnologe, der fast drei Jahrzehnte bei den Bayaka-Pygmäen in Zentralafrika verbracht hat, reist mit seinem 13-jährigen indigenen Sohn in die USA, um ihm die Welt der Weißen zu zeigen. Ein kontemplativer Dokumentarfilm über eine außergewöhnliche Begegnung zwischen Dschungel und westlichem Leben, der die eigene Hemisphäre im Spiegel des Fremden betrachten lässt. Auch akustisch gewinnt der Film durch die Verschränkung der polyphonen Busch-Gesänge mit einem vierstimmigen Renaissance-Requiem eine spirituelle Offenheit, die an die Grenzen von Raum und Zeit führen. - Sehenswert ab 14.

Deutschland 2013
Regie: Michael Obert
Länge: 97 Min.

Verleih: Real Fiction

Kinotipp der katholischen Filmkritik 267/September 2014


Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Ein Angestellter des Londoner Sozialamtes widmet sich hingebungsvoll seiner Aufgabe, Angehörige und Bekannte von Menschen aufzuspüren, die einsam gestorben sind. Er schreibt einfühlsame Reden, organisiert die Beerdigung und kümmert sich um die letzten Dinge. Doch dann wird seine Abteilung aufgelöst und er verliert seinen Job. Ein letzter Fall bleibt ihm noch, in den er sich mit aller Energie stürzt. Doch je mehr er den Spuren des fremden Lebens folgt, desto mehr Distanz bekommt er zu einem eigenen. Eine liebevolle, hervorragend gespielte Komödie, die dem ernsten Thema gesellschaftlicher Vereinsamung mit britischem Humor, vor allem aber mit großer Einfühlsamkeit begegnet. - Sehenswert ab 14.

Großbritannien/Italien 2013
Regie: Uberto Pasolini
Länge: 92 Min.

Verleih: Piffl

Kinotipp der katholischen Filmkritik 266/August 2014


Die langen hellen Tage

Zwei 14-jährige Freundinnen aus Tiflis erleben 1992, wie Georgien ein Jahr nach seiner Unabhängigkeit unter dem wirtschaftlichen Zusammenbruch leidet. Sie werden von der um sich greifenden Gewalt sowie der Wiedererstarkung patriarchalischer Vorstellungen bedroht, gegen die sie sich mit Lebenslust und viel Energie zur Wehr setzen. Der bewegende Film fängt in ausdrucksstarken Bildern wichtige Momente im Alltag der beiden Teenager ein und zeichnet ein ein­­drück­­liches Bild von der Revolte einer jungen Generation gegen eine Gesellschaft, die Frauen kein Recht auf freie Entscheidungen zubilligt. - Sehenswert ab 14.

Georgien/Deutschland/Frankreich 2013
Regie: Nana Ekvtimishvili, Simon Groß
Länge: 102 Min.

Verleih: BeMovie

Kinotipp der katholischen Filmkritik 265/August 2014


Die geliebten Schwestern

Im Jahr 1787 lernt Friedrich Schiller im Thüringer Exil die Schwestern Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld kennen und verliebt sich in die intelligenten und lebensfrohen jungen Frauen. Über Jahre besteht zwischen den dreien eine komplizierte Dreierbeziehung, ohne dass das enge Verhältnis zwischen den Schwestern darunter leidet, bis Carolines Verzicht und Schillers Heirat mit Charlotte doch einen Keil zwischen sie treiben. Mit stilistischer Brillanz und grandiosen Darstellern gelingt es dem Film über die historisch verbürgte »Menage à trois«, die Weimarer Klassik auf mitreißende Art fürs Kino zu beleben. Dabei begeistert das epische Gefühlsdrama ebenso durch die spannende Inszenierung und die ausgefeilten Dialoge wie auch durch die scheinbar mühelose Einbeziehung zeitgeschichtlicher Hintergründe. - Sehenswert ab 14.

Deutschland/Österreich 2013
Regie: Dominik Graf
Länge: 139/171 Min.

Verleih: Senator

Kinotipp der katholischen Filmkritik 264/Juli 2014


Feuerwerk am helllichten Tage

In einem brutalen Mordfall in den Kohlerevier-Regionen in Nordchina scheinen die Ermittler schnell auf die Täter zu stoßen, doch die Festnahme gerät zum blutigen Fiasko. Daraufhin quittiert der verantwortliche Polizist den Dienst, bis der Fall einige Jahre später eine Fortsetzung findet. Mit bewundernswerter Stilsicherheit gelingt es dem kunstvoll inszenierten und fotografierten Thriller, die Charakteristika amerikanischer Noirs kongenial auf aktuelle chinesische Verhältnisse zu übertragen. Über die spannende Handlung hinaus entfaltet sich das gesellschaftliche Panorama einer Atmosphäre allgegenwärtiger Angst, in der dennoch Raum für poetische Ausbrüche bleibt. - Sehenswert ab 16.

VR China/Hongkong 2014
Regie: Diao Yinan
Länge: 106 Min.

Verleih:
Weltkino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 263/Juli 2014


Der wundersame Katzenfisch

Eine vereinsamte 22-jährige Mexikanerin lernt bei einem Krankenhausaufenthalt eine an AIDS erkrankte Mutter mit drei Töchtern und ihrem Sohn kennen. Flugs wird sie in die Familie aufgenommen, was ihre unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Fürsorge etwas stillt. Als die junge Frau die Aufgaben der Mutter übernimmt, gewinnt sie zudem das Vertrauen der zunächst misstrauischen Kinder. Ein optimistisches Filmdebüt, das sehr präzise und mit meisterhaften Bildkompositionen die Auswirkungen einer Krankheit auf einen Familienverband registriert. Ganz am Ende kippt der ernste und trotzdem leichtfüßige Ton allerdings ins Sentimentale.

Mexiko/Frankreich 2013
Regie: Claudia Sainte-Luce
Länge: 89 Min.

Verleih:
Arsenal
Kinotipp der katholischen Filmkritik 262/Juni 2014


No Turning Back

Unmittelbar vor Beginn eines gigantischen Bauvorhabens, das seine ganzen logistischen Fähigkeiten verlangt, erfährt ein verheirateter Ingenieur aus Birmingham, dass das Kind, das er bei einem Seitensprung gezeugt hat, in den nächsten Stunden in London zur Welt kommen wird. Er stellt sich der Herausforderung und fährt im Auto durch die Nacht, um bei der Entbindung dabei zu sein. In einer langen Folge von Telefonaten und Selbstgesprächen versucht er, die beruflichen und familiären Konsequenzen seines Handelns unter Kontrolle zu halten. Ein virtuos komponiertes, nahezu in Echtzeit gedrehtes Ein-Personen-Drama um einen Mann, der sein Leben binnen einer Filmlänge im Fond seines Autos neu regeln will. Der intensive, durch packende Dialoge strukturierte Film lebt von der Glaubwürdigkeit seines Hauptdarstellers, der in einer sensationellen Parforce-Tour einen Mann spielt, der stets nur das Richtige tun will und dabei ebenso an Grenzen wie auf neue Chancen stößt. - Sehenswert ab 14.

Großbritannien/USA 2013
Regie: Steven Knight
Länge: 85 Min.

Verleih:
StudioCanal
Kinotipp der katholischen Filmkritik 261/Juni 2014


Oktober November

Der bevorstehende Tod ihres alten Vaters führt zwei Schwestern wieder zusammen, die sich im Lauf der Jahre fremd geworden sind, weil sie völlig unterschiedliche Wege im Leben eingeschlagen haben: Die ältere hat den väterlichen Gasthof in den österreichischen Alpen übernommen, die jüngere ist erfolgreiche Schauspielerin in Berlin. Am Krankenbett des Patriarchen müssen sie sich mit den Lügen und Illusionen ihres Daseins auseinandersetzen, finden aber auch überraschende Anstöße zur Neuordnung ihres Lebens. Ein mit meisterlicher Ruhe und Detailgenauigkeit inszeniertes Familiendrama mit eindrücklich charakterisierten, hervorragend gespielten Hauptfiguren. Die formale Strenge der Innenaufnahmen und der Verzicht auf Musik kontrastieren reizvoll mit der Naturkulisse und der im Kern optimistischen Stimmung des Films, die unaufdringlich auch eine spirituelle Ebene miteinbezieht. - Sehenswert ab 14.

Österreich 2013
Regie: Götz Spielmann
Länge: 114 Min.

Verleih:
MFA
Kinotipp der katholischen Filmkritik 260/Juni 2014

 

 


Im Namen des...

Ein polnischer Jesuit wird in die Provinz versetzt, wo er mit verwahrlosten Jugendlichen in einem Erziehungscamp arbeitet. Seine gewinnende Art kommt bei den Heranwachsenden gut an, aber auch bei der Frau des Heimleiters. Doch der Priester ist homosexuell und fühlt sich zu einem stillen Bauernjungen hingezogen, der mit im Camp lebt. Ein mit flirrenden Bildern und einer kunstsinnigen Montage kraftvoll inszeniertes Drama über das Spannungsfeld von Homosexualität, Zölibat und Kirche. Die holzschnittartige Erzählung um verbotene Lust und das Ringen um Identität hintertreibt allerdings die Tragik einer Existenz, deren Koordinaten sich nicht zur Deckung bringen lassen. - Ab 16.

Polen 2013
Regie: Malgorzata Szumowska
Länge: 102 Min.

Verleih:
Edition Salzgeber
Kinotipp der katholischen Filmkritik 259/Mai 2014


Rosie

Ein homosexueller Schriftsteller, der in Berlin lebt und seine Familie in der Schweiz längst hinter sich gelassen hat, sieht sich nach einem Sturz seiner alten Mutter gezwungen, sich um sie zu kümmern. Die Wiederbegegnung mit ihr und seiner Schwester setzt einen langsamen Prozess der Selbsterkenntnis in Gang. Ein betörend einfacher, dabei doch vielschichtiger filmischer „Familienroman“, der das Allgemeingültige im Persönlichen findet und elegant zwischen Drama, Komödie und Romanze balanciert. (teils O.m.d.U.) - Sehenswert ab 14.

Schweiz 2013
Regie: Marcel Gisler
Länge: 106 Min.

Verleih:
Kool Filmdistribution
Kinotipp der katholischen Filmkritik 258/Mai 2014


Tao Jie

Eine junge chinesische Waise wird von ihrer Adoptivmutter in das Haus einer wohlhabenden Familie in Hongkong gegeben, wo sie als Hausmädchen eine Anstellung findet. Sechs Jahrzehnte lang kümmerte sie sich aufopfernd um drei Generationen der Familie, bis sie einen Schlaganfall erleidet. Der einzig noch in Hongkong verbliebene Sprößling der Familie, ein Filmproduzent, hilft ihr, ein Altenheim zu finden und dort über die schwierige Eingewöhnung hinwegzukommen. Ein stiller, irritierend unspektakulärer Film, der dramaturgische Zuspitzungen meidet, sondern mit großer Ruhe und Geduld einem anstrengenden, aber erfüllten Leben folgt. Die dem Realismus verpflichtete Darstellung erzählt auch vom Altwerden im modernen, urbanen Umfeld, wo traditionelle Familienzusammenhänge aufgeweicht sind, und von der Notwendigkeit, trotzdem Formen der Solidarität zwischen den Generationen zu pflegen. - Sehenswert ab 14.

Hongkong 2011
Regie: Ann Hui
Länge: 118 Min.

Verleih: fugu films

Kinotipp der katholischen Filmkritik 257/April 2014


Circles

Während des Jugoslawien-Kriegs wird ein serbischer Soldat von seinen Kameraden ermordet, weil er seinen bosnischen Nachbarn beschützte. Während Angehörige und Freunde des Toten mit der Frage nach Gerechtigkeit hadern und sich fragen, ob die Tat hätte verhindert werden können, wird einer der Täter von Gewissensbissen geplagt. Ein auf wahren Begebenheiten beruhendes Drama über die individuellen wie gesellschaftlichen Folgen des Bürgerkriegs, das mit eindrucksvollen Bildern und psychologischer Genauigkeit überzeugt. Stilistische Anleihen beim Genrekino verbinden sich stimmig mit der Auseinandersetzung mit Schuld und Vergebung. (O.m.d.U.) - Sehenswert ab 16.

Serbien/Deutschland/Kroatien/Frankreich/Slowenien 2013
Regie: Srdan Golubović
Länge: 112 Min.

Verleih: Barnsteiner

Kinotipp der katholischen Filmkritik 256/April 2014


Stories We Tell

Die Schauspielerin und Regisseurin Sarah Polley sucht nach den Spuren ihrer früh verstorbenen Mutter. Im Austausch mit Geschwistern, dem Vater und Verwandten erfährt sie Familiengeschichte(n) als mehrstimmige, teils widersprüchliche Erzählungen, in denen Erinnerungen, persönliche Erlebnisse, Gerüchte und die Lust an Mythenbildung miteinander verschmelzen. Der unterhaltsame Dokumentarfilm legt seine formalen Mittel wiederholt offen und hinterfragt selbstkritisch die eigene Position. Das verleiht ihm ein hohes Maß an Selbstreflexivität. - Sehenswert ab 14.

Kanada 2012
Regie: Sarah Polley

Länge: 108 Min.
Verleih: fufu films
Kinotipp der katholischen Filmkritik 255/März 2014


Kreuzweg

Eine 14-jährige Gymnasiastin wächst in einer katholisch-fundamentalistischen Gemeinschaft auf und bereitet sich auf die Firmung vor. Sie will ihr Dasein ganz Gott weihen und bietet ihm ihr Leben an, wenn er im Gegenzug ihren kranken Bruder heilt. Ein in14 an die Kreuzwegstationen angelehnten Tableaus entfaltetes Drama, das formal konsequent fast ohne Kamerabewegung oder Musik die destruktiven Aspekte des religiösen Fundamentalismus herausarbeitet und zugleich zur Reflexion über angemessene Formen des Glaubens nötigt. (Preis der Ökumenischen Jury, Berlin 2014)

Deutschland 2014
Regie: Dietrich Brüggemann

Länge: 110 Min.
Verleih: Camino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 254/März 2014


Philomena

Eine alte Frau sucht ein halbes Jahrhundert, nachdem ihr in einem irischen Kloster ihr uneheliches Baby weggenommen wurde, gemeinsam mit einem zynischen Journalisten ihren Sohn. Das nach einer historischen Begebenheit inszenierte Drama ist eine ergreifende Mischung aus komischem Road Movie, detektivischer Recherche und wütender Anklage. Geschickt balanciert die Inszenierung die unterschiedlichen Töne aus, wobei die Komik des Films aus der Gegensätzlichkeit der Hauptfiguren resultiert, die sich mit lakonischen Dialogen bekämpfen und so das gelegentliche Pathos auffangen. - Sehenswert ab 14.

Großbritannien/Frankreich/USA 2013
Regie: Stephen Frears
Länge: 98 Min.
Verleih: Universum
Kinotipp der katholischen Filmkritik 253/Februar 2014


Charlie Mariano - Last Visits

2009 erlag der Jazzmusiker Charlie Mariano 85-jährig einem Krebsleiden. Die intime Dokumentation begleitet den Künstler in seinen letzten beiden Lebensjahren. Dabei spielt der Alltag des von seiner schweren Krankheit Gezeichneten ebenso eine Rolle wie seine letzten Auftritte, zudem kommen zahlreiche Musikerkollegen zu Wort. Insbesondere durch Marianos Ausstrahlung entsteht so ein wertvolles Dokument über einen außergewöhnlichen Musiker, das auch negative Aspekte wie die ungesicherte Altersversorgung für Künstler nicht ausspart. - Sehenswert ab 12.

Deutschland 2013
Regie: Axel Engstfeld
Länge: 99 Min.
Verleih: Real Fiction
Kinotipp der katholischen Filmkritik 252/Februar 2014


Le Passé

Ein Iraner kehrt nach Paris zurück, um vor Gericht seine Ehe mit einer Französin offiziell aufzulösen. Während seine Noch-Ehefrau etwas überstürzt die Zukunft mit einer neuen Familie vorantreibt, wirft die Vergangenheit noch manchen Schatten. Ein facettenreiches Familien-, Ehe, Beziehungs- und Migrationsdrama, das von Übergangsphasen und -räumen sowie den Schwierigkeiten der Ablösung handelt. Ein sorgfältig inszenierter, kunstvoll austarierter Film, der gegen Ende zwar dramaturgisch ausfranst, aber mit großer Meisterschaft ein Netz von Beziehungen zwischen den Figuren spannt, in dem sich die Verhältnisse von Anziehung, Verwerfung, Vertrautheit und Befremden ständig neu sortieren. - Sehenswert ab 14.

Frankreich/Italien 2013
Regie: Asghar Farhadi
Länge: 130 Min.
Verleih: Camino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 251/Januar 2014


A Touch of Sin

Vier Geschichten aus der chinesischen Gegenwart. Ein Minenarbeiter begehrt erst friedlich, dann gewaltsam gegen die Korruption in seinem Dorf auf, ein Wanderarbeiter führt ein Leben als Raubmörder, die Rezeptionistin eines Bordells tötet einen zudringlichen Freier, ein junger Mann begeht angesichts fehlender Perspektiven Selbstmord. Das auf realen Begebenheiten beruhendes Drama entfaltet in den lose zusammenhängenden Episoden eine überaus pessimistische Bestandsaufnahme des Landes. Die meisterhafte, im Kern zutiefst humane Studie über eine von Gewalt und Gefühlskälte beherrschte Gesellschaft scheut auch krasse und blutige Szenen nicht. Diese geraten jedoch nie zum Selbstzweck, sondern werden als Reaktion auf Demütigung und die Missachtung menschlicher Würde dargestellt.

China/Japan 2013
Regie: Jia Zhangke
Länge: 130 Min.
Verleih: REM
Kinotipp der katholischen Filmkritik 250/Januar 2014


All Is Lost

Ein alter Mann segelt mit seiner Yacht im Indischen Ozean. Wer er ist und wohin er will, erfährt man nicht. Stattdessen setzt der in seinen sparsamen Mitteln ganz auf Mann und Boot konzentrierte Film auf die wachsende Identifikation des Publikums mit dem von Naturgewalten heimgesuchten Segler. Ein minimalistischer Film, dessen Freude am dramatischen Detail mehr und mehr existenzieller Kontemplation weicht und allegorische Bezüge durchaus zulässt.

USA 2013
Regie: J.C. Chandor
Länge: 106 Min.
Verleih: Squareone
Kinotipp der katholischen Filmkritik 249/Januar 2014

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