Kinotipps 2015

Die Melodie des Meeres

Ein zehnjähriger Junge leidet wie sein Vater, ein melancholischer Leuchtturmwärter, am Verlust der Mutter, die als mythisches Wesen ihre Gestalt wandeln konnte und zur Zeit der Geburt seines Geschwisterkinds verschwand. Gemeinsam mit der kleinen Schwester soll er bei der Oma in Dublin leben, doch das fehlende Meer lässt das Mädchen erkranken. Auf dem gefahrvollen Rückweg an die Küste erkennt der Junge allmählich die wahre Natur seiner Schwester. Der bewegende, meisterhaft gestaltete, an visuellen Details überbordende Animationsfilm verknüpft Figuren aus der irischen Sagenwelt mit einer Geschichte um Verlust und Trauer, Zuneigung und Solidarität, wobei der Kraft des Erzählens und Erinnerns eine besondere Bedeutung zukommt. - Sehenswert ab 8.

Irland/Dänemark/Belgien/Luxemburg/Frankreich 2014
Regie: Tomm Moore
Länge: 93 Min.

Verleih: KSM
Kinotipp der katholischen Filmkritik 300/Dezember 2015


Unsere kleine Schwester

Auf der Beerdigung ihres Vaters, der 15 Jahre zuvor die Familie verließ, lernen drei junge Frauen ihre jüngere, ihnen bis dahin unbekannte Halbschwester kennen und laden sie ein, mit ihnen im alten Familienhaus zu wohnen. Einfühlsam beobachtet der stille, bedächtig inszenierte Familien- und Frauenfilm das Zusammenleben der Geschwister, die nach und nach zueinander und zu sich selbst finden. Dabei legt er großen Wert auf die Darstellung von Alltagsritualen, in denen sich die Schönheit und das Glück des Daseins manifestieren. Eine lyrische, in ihrer stillen Beiläufigkeit tief berührende Meditation über den Kreislauf des Lebens. - Sehenswert ab 14.

Japan 2015
Regie: Hirokazu Kore-eda
Länge: 127 Min.

Verleih: Pandora
Kinotipp der katholischen Filmkritik 299/Dezember 2015


Das brandneue Testament

Sanft-groteske Komödie, die die biblische Schöpfungsgeschichte dahingehend „korrigiert“, dass sie Gottes Tochter Ea gegen ihren misanthropisch-despotischen Vater ins Feld schickt. Das zehnjährige Mädchen wirbelt dessen sadistische Weltordnung durcheinander, als es den Menschen ihr genaues Todesdatum enthüllt. Die fein ziselierte Fabel steckt voller aberwitziger Ideen und inszenatorischer Einfälle, wobei sich hinter ihrem mitunter schwarzen Humor großzügige Menschlichkeit sowie die fast kindliche Sehnsucht nach einer besseren Welt offenbaren. Die Inszenierung greift tabuisierte Themen wie Armut, Krankheit, Gewalt, Sex und Suchtverhalten auf und hinterfragt nicht zuletzt die Rolle von Frauen in Bibel und Gesellschaft. - Sehenswert ab 16.

Belgien/Frankreich/Luxemburg 2015
Regie: Jaco Van Dormael
Länge: 115 Min.

Verleih: NFP
Kinotipp der katholischen Filmkritik 298/November 2015


Mia Madre

Während anstrengender Dreharbeiten erfährt eine italienische Regisseurin, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Ihre Überforderung stellt sich in realen Szenen, Träumen, Gedanken und Erinnerungen dar, wobei bedrückende Szenen im Krankenhaus mit absurd-witzige Momenten auf dem Set wechseln. Nanni Morettis warmherziges, zutiefst menschliches Drama verharrt nicht in der persönlichen Aufarbeitung, sondern weitet sich zu einer Meditation über Liebe und Trauer. Vorzüglich gespielt und inszeniert, nimmt der Film auch durch die sorgfältig ausbalancierte Mischung aus dramatischen und komödiantischen Momenten für sich ein. - Sehenswert ab 14.

Italien/Frankreich 2015
Regie: Nanni Moretti
Länge: 106 Min.

Verleih: Koch
Kinotipp der katholischen Filmkritik 297/November 2015


Body

Ein verschlossener Untersuchungsrichter ist mit seiner magersüchtigen Tochter überfordert, die ihm die Schuld am Tod der Mutter gibt. Als eine an den Spiritismus glaubende Psychologin vorschlägt, Kontakt mit der Verstorbenen aufzunehmen, lehnt der abgeklärte Beamte das zuerst als Humbug ab, bis unerklärliche Vorkommnisse ihm die Gegenwart von Übersinnlichem zu bestätigen scheinen. Außergewöhnlich dicht inszeniertes Drama, das eindrückliche Bilder von Trauer und Einsamkeit mit einem Einschlag ins Phantastische verbindet. Einfühlsam, warmherzig und detailgenau, begeistert der Film mit einer schwebenden Erzählweise, die von tiefem Respekt für die Gefühle der Figuren zeugt. - Sehenswert ab 14.

Polen 2015
Regie: Jonas Carpignano
Länge: 92 Min.

Verleih: Peripher
Kinotipp der katholischen Filmkritik 296/Oktober 2015


Mediterranea

Im Januar 2010 kam es im süditalienischen Rosarno zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Einheimischen und afrikanischen Migranten. Der semi-dokumentarische Film erzählt eine fiktive Vorgeschichte des Geschehens von der Flucht übers Mittelmeer bis zur Schwarzarbeit auf den italienischen Orangenfeldern, wobei er eindringlich das perspektiv- und rechtlose Dasein der Flüchtlinge aufzeigt. Das von Laiendarstellern beeindruckend gespielte Drama verzichtet auf jegliche Schwarz-weiß-Zeichnungen und findet bei aller Trostlosigkeit Raum für Momente von Freundschaft, Hoffnung und Großzügigkeit. - Sehenswert ab 16.

Italien/Frankreich/USA/Deutschland/Katar 2015
Regie: Jonas Carpignano
Länge: 111 Min.

Verleih: DCM
Kinotipp der katholischen Filmkritik 295/Oktober 2015


The Look of Silence

Der amerikanische Dokumentarist Joshua Oppenheimer setzt nach „The Act of Killing“ (2012) seine Recherchen zum indonesischen Genozid mit einem nicht minder eindringlichen Film fort, der sich den Opfern und ihrem seit 50 Jahren erzwungenen Schweigen widmet. Der jüngere Bruder eines 1965 Ermordeten forscht in unmittelbarer Nachbarschaft nach den Spuren des Massakers und konfrontiert die Täter sowie ihre Nachfahren mit den Ereignissen, wobei er wiederholt vor einem Fernseher den Interviews mit den Mördern folgt. Diese verdoppelte mediale Ebene ermöglicht die notwendige Distanz, aber auch die Reflexion in einem Film, der von gewaltsamen Erzählungen ebenso bestimmt ist wie von Stille und Schweigen. - Sehenswert ab 16.

Dänemark/Finnland/Norwegen/Großbritannien/Indonesien 2014
Regie: Joshua Oppenheimer
Länge: 103 Min.

Verleih: Koch
Kinotipp der katholischen Filmkritik 294/Oktober 2015


Wir können nicht den hellen Himmel träumen

Seit mehr als 50 Jahren leben die Dominikanerinnen Schwester Angelika und Schwester Benvenuta im Kloster Steinach in Südtirol. Sie wollen ihr Zuhause auch dann nicht aufgeben, als sie nur noch zu zweit sind. Gemeinsam schultern sie alle Aufgaben des Klosters, wobei sie die strengen Regeln ihren schwindenden Kräften anpassen. Das Porträt zweier eigensinniger, eher handfester denn vergeistigter Nonnen zeichnet mit schlichten, zu einer fließenden Collage montierten Bildern ein von handwerklichen Tätigkeiten bestimmtes Leben, dessen Spiritualität fest im realen Leben verankert ist. Ein beschwingter, fast heiterer Film, der mit erstaunlicher Beiläufigkeit vom alltäglichen Glück im Kloster erzählt. - Sehenswert ab 14.

Deutschland 2014
Regie: Carmen Tartarotti
Länge: 91
Min.
Verleih: Eigenverleih
Kinotipp der katholischen Filmkritik 293/September 2015


45 Years

Kurz vor ihrem 45. Hochzeitstag wird das harmonische Leben eines englischen Ehepaars gestört, als nach vielen Jahrzehnten in den Alpen der Leichnam der ersten Freundin des Mannes entdeckt wird. Während der Ehegatte sich in seine Erinnerungen zurückzieht, beginnt sich die Frau schmerzliche Fragen nach der tatsächlichen Stabilität ihre Ehe zu stellen. Ein in ruhigen Bildern entwickeltes Seelendrama, das sich ohne laute Töne auf die sorgfältige Darstellung einer schweren Beziehungserschütterung konzentriert. Durch die sensible Regie und zwei brillante Schauspieler vermitteln sich Schmerz und Unsicherheit der Figuren ebenso glaubhaft wie anrührend. - Sehenswert ab 16.

Großbritannien 2015
Regie: Andrew Haigh
Länge: 95
Min.
Verleih: Piffl Medien
Kinotipp der katholischen Filmkritik 292/September 2015


Der Sommer mit Mamã

Obwohl eine ältere Haushälterin seit Ewigkeiten bei ihren reichen Arbeitsgebern wohnt und sie den Sohn des Hauses groß gezogen hat, sind die Sphären in der weitläufigen Villa in São Paulo streng getrennt. Die eingefahrenen Routinen und Hierarchien werden erst in Frage gestellt, als die Tochter der Angestellten sich zu Besuch anmeldet, um sich an der Universität für ein Architekturstudium einzuschreiben. Das warmherzige Drama inszeniert jedoch keinen schlichten Clash der Klassen, sondern wahrt mit viel Witz und überraschenden Wendungen eine bemerkenswerte Balance, wobei Humor und ein subtiler sozialkritischer Blick die überholten Verhaltensmuster der kolonialen Vergangenheit Brasiliens ad absurdum führen. - Sehenswert ab 14.

Brasilien 2015
Regie: Anna Muylaert
Länge: 111 Min.

Verleih: Pandora
Kinotipp der katholischen Filmkritik 291/August 2015


Coconut Hero

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch erfährt ein melancholischer Jugendlicher, dass in seinem Kopf ein Tumor wächst. Der 16-Jährige behält dies für sich, lässt sich aber auf die Therapie des Jugendamts ein. Während er ein attraktives Mädchen kennen lernt, sucht sein unbekannter Vater den Kontakt zu ihm. Das eindrucksvolle Jugenddrama aus der kanadischen Provinz verbindet existenzielle Tiefe mit Heiterkeit, gewürzt mit einer Prise Absurdität und schwarzem Humor. Hervorragende Dialoge und überzeugende Schauspieler vermitteln glaubwürdig, dass man das Leben nur wertschätzen kann, wenn man das Sterben akzeptiert. - Sehenswert ab 14.

Deutschland/Kanada 2015
Regie: Florian Cossen
Länge: 101 Min.

Verleih: Majestic
Kinotipp der katholischen Filmkritik 290/August 2015


Taxi Teheran

Ein Taxi fährt durch die Straßen Teherans, auf dem Armaturenbrett ist eine Kamera installiert. Am Steuer sitzt der mit einem Berufsverbot belegte iranische Regisseur Jafar Panahi. Während unterschiedliche Fahrgäste ein- und aussteigen, kommt es zu Gesprächen und kleinen dramatischen Szenen, die die politische und gesellschaftliche Realität im Iran beschreiben: Themen wie Zensur, Geschlechterungleichheit, Armut, Aberglaube und die Scharia. Trotz der begrenzten Mittel erweitert Panahi beständig den Raum seines mobilen Filmstudios. Ein beeindruckendes Dokument einer politischen Zwangslage, aber auch eine Feier des Kinos als Möglichkeitsraum.  - Sehenswert ab 14.

Iran 2015
Regie: Jafar Panahi
Länge: 86 Min.

Verleih: Weltkino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 289/Juli 2015


Den Menschen so fern

Ein französischer Lehrer im Atlas-Gebirge gerät bei Ausbruch des Algerien-Kriegs 1954 zwischen die Fronten. Widerwillig übernimmt er den Auftrag, einen Algerier, der einen Verwandten getötet hat, in die nächste Stadt zu bringen. Der gefährliche Weg bringt die Männer einander jedoch näher und lässt sie allmählich Verständnis füreinander entwickeln. Das ruhig erzählte, eindrucksvoll gespielte Drama entwickelt eine Erzählung von Albert Camus schlüssig zur exemplarischen Geschichte einer Verständigung über nationale und religiöse Grenzen hinweg. Die versöhnliche Botschaft wird konsequent aus den Charakteren entwickelt und in visuell teilweise überwältigende Bilder eingebunden.   - Sehenswert ab 14.

Frankreich 2014
Regie: David Oelhoffen
Länge: 102 Min.

Verleih: Arsenal
Kinotipp der katholischen Filmkritik 288/Juli 2015


Freistatt

Ein aufmüpfiger 14-Jähriger wird 1968 in ein diakonisches Fürsorgeheim südlich von Bremen gesteckt, in dem arbeitslagerähnliche Zustände herrschen. Als er gegen die physische wie psychische Misshandlung aufbegehrt, verschlimmert sich seine Lage. Das wuchtige, mitunter recht drastische Drama macht die Erziehungsmethoden der Schwarzen Pädagogik intensiv spürbar und verdeutlicht, wie Schläge und Demütigungen neue Gewalt erzeugen und autoritäre Strukturen den Sinn und die Befähigung für Freundschaft und Loyalität zersetzen. Der wichtige Zeitbezug vor dem Hintergrund der Studentenunruhen tritt dabei etwas zu sehr in den Hintergrund.  - Sehenswert ab 14.

Deutschland 2014
Regie: Marc Brummund
Länge: 108 Min.

Verleih: Edition Salzgeber
Kinotipp der katholischen Filmkritik 287/Juni 2015


City of McFarland

Einen frustrierten Sportlehrer hat es mit seiner Familie ins heiße kalifornische Central Valley verschlagen. Als er erkennt, dass seine halbwüchsigen Latino-Schüler gute Läufer sind, spornt er sie an, eine Cross-Country-Mannschaft zu gründen. Familiendrama, das bei aller Gefühlsbetontheit nicht den komplizierten sozialen Hintergrund der Jugendlichen unter den Tisch fallen lässt. Der mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen inszenierte Film wirbt vielmehr für die Annäherung von weißer und mexikanisch-südamerikanischer Kultur innerhalb eines rauen gesellschaftlichen Klimas.  - Sehenswert ab 12.

USA 2015
Regie: Niki Caro
Länge: 129 Min.

Verleih: Walt Disney
Kinotipp der katholischen Filmkritik 286/Juni 2015


Die Maisinsel

In ruhigen, traumhaft schönen Einstellungen eingefangene Parabel auf das menschliche Leben im Kreislauf der Natur: Ein Mann lässt sich auf einer kleinen Flussinsel nieder, beginnt den Boden zu bestellen, erntet, wacht über seine heranwachsende Enkelin und stirbt schließlich. Jenseits konkreter gesellschaftlicher und politischer Verortungen konzentriert sich das kunstvoll inszenierte, wortkarge Drama auf Bilder eines einfachen Insellebens. Seine ästhetische Meisterschaft geht einher mit einer konsequenten, mitunter fast mystischen Überhöhung alltäglicher Verrichtungen. - Sehenswert ab 16.

Georgien/Deutschland/Frankreich/Tschechien/Kasachstan 2014
Regie: George Ovashvili
Länge: 101 Min.

Verleih: Neue Visionen
Kinotipp der katholischen Filmkritik 285/Mai 2015


Mein Herz tanzt

Ein israelischer Palästinenser wird als erster Araber an einer Eliteschule in Jerusalem akzeptiert, wo er sich gegen Vorurteile und Schikanen behaupten muss. Als er sich in eine jüdische Mitschülerin verliebt, nimmt seine hoffnungsvolle Schulkarriere eine entscheidende Wende. Die berührende, mitunter auch humorvolle Parabel nutzt das Erzählmuster der Selbstfindung eines jugendlichen Helden, um mit großem Engagement, viel Feingefühl und einer kritischen Perspektive von der vertrackten Koexistenz der verfeindeten Völker zu erzählen. Die virtuose Inszenierung bedient ein großes Register von leichtfüßig dahinperlenden Tönen bis zu düster-wehmütigen Klängen, wobei vor allem der meisterliche Umgang mit Ellipsen hervorsticht, die mit zeichenhaften Verweisen die gängigen Stereotype überbrücken. - Sehenswert ab 12.

Israel/Deutschland/Frankreich 2014
Regie: Eran Riklis
Länge: 104 Min.

Verleih: nfp
Kinotipp der katholischen Filmkritik 284/Mai 2015


Hedi Schneider steckt fest

Eine Frau, die mit Lebensgefährten und Sohn ein äußerlich glückliches, von vielen bürgerlichen Zwängen freies Leben führt, wird völlig unerwartet von Angst- und Panikattacken gequält. Als ihr Familie, Freunde und Therapeuten nicht weiterhelfen können, beginnt sie, ihr Leben eigenständig zu hinterfragen, und entdeckt, dass immer etwas fehlt, worauf sie mit Leistungsverweigerung reagiert. Im Gewand eines bisweilen selbstironisch gefärbten Beziehungsfilms entfaltet sich ein komisch-absurdes Drama, das wie beiläufig von den seelischen Abgründen der Gegenwart handelt und mit viel Sinn für intime Momente lebensnahe Dialoge und tragikomische Kapriolen aufsammelt.  - Sehenswert ab 16.

Deutschland/Norwegen 2015
Regie: Sonja Heiss
Länge: 92 Min.

Verleih: Pandora
Kinotipp der katholischen Filmkritik 283/Mai 2015


Neuland

Ambitionierter Dokumentarfilm über den Lehrer einer Integrationsklasse in Basel, der sich mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert sieht, jugendliche Flüchtlinge, die überwiegend aus Kriegsgebieten stammen und ihre Heimat verlassen mussten, auf ihrem Weg zur Integration zu begleiten. Er konzentriert sich gänzlich auf die Arbeit innerhalb der Schule, sodass die tragischen Schicksale der Jugendlichen eher indirekt und ausschnitthaft eingefangen werden können. Gleichwohl entsteht ein bemerkenswertes Dokument, das dem Lehrer wie seinen Schülern eindrucksvoll nahekommt, zugleich ein beredtes Schlaglicht auf die Schweizer Gesellschaft wirft und sich zum auch unterhaltsamen Plädoyer für mehr Toleranz verdichtet.  - Sehenswert ab 14.

Schweiz 2013
Regie: Anna Thommen
Länge: 96 Min.

Verleih: Rise and Shine
Kinotipp der katholischen Filmkritik 282/April 2015


Elser

Nach seinem missglückten Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939 im Münchner Bürgerbräukeller wird der junge Georg Elser an der Schweizer Grenze verhaftet, von der Gestapo gefoltert, um etwaige Mittäter preiszugeben, und schließlich ins KZ Dachau eingeliefert. Das detailreich recherchierte, brillant gespielte Drama blendet immer wieder in die Lebensgeschichte des sinnes- und lebensfrohen, dann immer stärker zweifelnden Handwerkers von der Schwäbischen Alb zurück, der durch seine Tat den begonnenen Weltkrieg beenden will. In die exemplarische Biografie des Widerstandskämpfers fließen eindrucksvoll Fragen nach der Verantwortlichkeit des Einzelnen gegenüber politischem Unrecht, aber auch nach Schuld und der Bedeutung des Glaubens ein.  - Sehenswert ab 14.

Deutschland 2014
Regie: Oliver Hirschbiegel
Länge: 114 Min.

Verleih: nfp
Kinotipp der katholischen Filmkritik 281/April 2015


Verfehlung

Die Freundschaft dreier katholischer Priester gerät unter extremen Druck, als einer von ihnen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch inhaftiert wird. Als sich die Vorwürfe erhärten, will der eine Freund die Angelegenheit unter den Tisch kehren, während der andere mit einer Strafanzeige ringt. Das visuell und inszenatorisch sehr ambitionierte Drama fokussiert auf den Zwiespalt zwischen Freundschaft, Loyalität und moralischer Integrität, lässt aber auch die Opfer und ihre Angehörigen nicht außen vor. Hervorragend gespielt und recherchiert, überzeugt der Film durch seinen differenzierten Blick auf den kirchlichen Umgang mit dem Missbrauchsskandal.  - Sehenswert ab 14.

Deutschland 2014
Regie: Gerd Schneider
Länge: 95 Min.

Verleih: Camino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 280/März 2015


Leviathan

Der korrupte Bürgermeister einer kleinen russischen Stadt setzt alle Mittel politischer Repression ein, um einem sturköpfigen Mechaniker dessen markant an der Barentsee gelegenes Landstück abzujagen. Dessen Auflehnen gegen die Autorität scheint angesichts der umfassenden Verflechtung der staatlichen Organe und ihrer Sanktionierung durch die orthodoxe Kirche von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Das in überwältigenden Bildern fotografierte Drama gibt sich durch erzählerische und visuelle Details als moderne Variation der biblischen Hiobsgeschichte zu erkennen, wobei es das wieder erstarkende Bündnis aus Klerus und Nomenklatura als ein alles verschlingendes Ungeheuer kritisiert. - Sehenswert ab 16.

Russland 2014
Regie: Andrey Zvyagintsev
Länge: 141 Min.

Verleih:
Wild Bunch
Kinotipp der katholischen Filmkritik 279/März 2015


Selma

Im Januar 1965 eskalieren die US-amerikanischen Rassenunruhen. Der Anführer der Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King, konzentriert seine Bemühungen auf die Stadt Selma, wo die Segregation in vollem Umfang betrieben wird. Ein packendes Historiendrama, das die Bürgerrechtler als ausdifferenzierte Gruppe würdigt, insbesondere aber von der subtilen Interpretation des Hauptdarstellers getragen wird. Die christliche Motivation der Aktivisten vermittelt sich dabei ebenso unaufdringlich wie Kings außergewöhnliche Persönlichkeit sowie sein Blick für realpolitische Notwendigkeiten. - Sehenswert ab 14.

USA/Großbritannien 2014
Regie: Ava DuVernay
Länge: 128 Min.

Verleih: StudioCanal
Kinotipp der katholischen Filmkritik 278/Februar 2015


Foxcatcher

Der US-Ringer Mark Schultz lässt sich Mitte der 1980er-Jahre von einem der reichsten Männer der USA einladen, auf dessen Anwesen für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul zu trainieren. Die räumliche, mitunter auch körperliche Nähe zum Mentor und dessen Psychospiele und Intrigen treiben den jungen Mann immer mehr in die Isolation, die in eine Katastrophe mündet. In den Hauptrollen außergewöhnlich gespieltes Psychodrama, das dem Sport des Ringens eine metaphorische Bedeutung – das Ringen um Liebe und Respekt – zuerkennt. Mindestens ebenso wichtig ist die Beziehung von Mark Schultz zu seinem Bruder Dave, die von Neid und Konkurrenz, aber auch Loyalität geprägt ist. - Sehenswert ab 14.

USA 2014
Regie: Bennett Miller
Länge: 135 Min.

Verleih:
StudioCanal
Kinotipp der katholischen Filmkritik 277/Februar 2015


Birdman - oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Ein ehemaliger Superhelden-Darsteller will als Theaterregisseur am Broadway eine neue Karriere starten, doch kurz vor der Premiere einer Raymond-Carver-Adaption scheinen sich Kollegen, Kritiker, seine rebellische Tochter sowie sein eigenes „Superhero“-Alter Ego gegen ihn verschworen zu haben. Das virtuos inszenierte Drama entfacht einen schwarzhumorigen „Kultur“-Krieg zwischen alten und neuen Medien, Kunst und Entertainment, Hoch- und Popkultur, bei dem sich die Kamera ohne sichtbare Schnitte an die Fersen der Figuren heftet. Die glänzend besetzte Showbiz-Satire brennt ein Feuerwerk an scharfzüngigen Dialogen ab, wobei stets existenzielle Konflikte um die Angst vor dem Scheitern, dem Altwerden oder der Marginalisierung aufscheinen. - Sehenswert ab 16.

USA 2014
Regie: Alejandro González Iñannitu
Länge: 120 Min.

Verleih:
Twentieth Century Fox
Kinotipp der katholischen Filmkritik 276/Januar 2015


St. Vincent

Ein mürrischer alter Mann aus Brooklyn lässt sich von seiner neuen Nachbarin dazu überreden, in ihrer Abwesenheit auf ihren zwölfjährigen Sohn aufzupassen. Der Rentner schleppt den Jungen in einen Nachtclub, auf die Rennbahn und in eine Bar, wobei sich eine Art Vater-Sohn-Beziehung ergibt, in der beide voneinander lernen: Während sich der Junge gegen Mobbing zu wehren beginnt, wählt er den Rentner für eine Schulpräsentation als Beispiel eines realen Heiligen. Eine durchweg gut, in Nebenrollen vorzüglich gegen den Strich besetzte Komödie, die ihren Humor und Schwung aus dem authentisch gezeichneten Kosmos bezieht. Gegen Ende rutscht der Film etwas zu sehr ins Sentimentale ab. - Ab 14.

USA 2014
Regie: Theodore Melfi
Länge: 103 Min.

Verleih: Polyband

Kinotipp der katholischen Filmkritik 275/Januar 2015


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