Kinotipps 2017

The Salesman

Ein Ehepaar in Teheran, das an einer Inszenierung von Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ mitwirkt, muss Hals über Kopf seine Wohnung verlassen und findet Unterschlupf in Räumen, die zuvor einer als Prostituierte diskreditierten Mieterin gehörten. Als die Ehefrau abends die Wohnungstür offen lässt und von den Nachbarn bewusstlos vorgefunden wird, gerät die Ehe in eine schwere Krise. Das von subtilen Metaphern durchwebte Beziehungsdrama reflektiert die Probleme eines gebildeten Paars aus dem iranischen Mittelstand, das mit Fragen um Scham, Bloßstellung und Ehrgefühlen konfrontiert wird. Der fantastisch gespielte und elegant inszenierte Film spiegelt kunstvoll das Scheitern an den Geschlechterrollen; die packende Tätersuche entlarvt er als zweiten Akt einer Entmachtung im Ringen um Wahrheit, Rache und Vergebung. - Sehenswert ab 14.

Iran/Frankreich 2016
Regie: Asghar Farhadi

Länge: 123 Min.
Verleih: Prokino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 329/Februar 2017


Manchester by the Sea

Ein schweigsamer Einzelgänger, der als Hausmeister in Boston arbeitet, kehrt anlässlich des Todes seines Bruders in seine kleine Heimatstadt an der US-amerikanischen Ostküste zurück. Als er die Vormundschaft für seinen 16-jährigen Neffen übernehmen muss und es zum Wiedersehen mit seiner Ex-Frau kommt, brechen tiefe seelische Wunden wieder auf. Packendes, komplex konstruiertes Drama um Schuld und Erlösung, das in intensiven Rückblenden die ganze Tragik, Verletztheit und Schuld der Hauptfigur enthüllt. Die emotional und psychologisch genau gezeichneten, grandios gespielten Figuren halten stets die innere Spannung aufrecht. - Sehenswert ab 16.

USA 2016
Regie: Kenneth Lonergan

Länge: 138 Min.
Verleih: UPI
Kinotipp der katholischen Filmkritik 328/Januar 2017


Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki

Ein talentierter finnischer Boxer soll 1962 zum nationalen Shooting-Star aufgebaut werden und gegen den amtierenden Weltmeister antreten. Dazu verordnet ihm sein Manager eine Rosskur, bestehend aus intensivem Training, Gewichtsverlust und PR-Auftritten, doch der gelernte Bäcker ist frisch verliebt und in Gedanken meist bei seiner Freundin. Ein in wunderschönem Schwarz-Weiß fotografiertes, umwerfend lebensnah gespieltes Boxerdrama, das die üblichen maskulinen Gewaltexzesse der Sportart zugunsten seines wortkargen Anti-Helden vernachlässigt. Zugleich entwirft die märchenhafte filmische Kostbarkeit mit viel Jazz und lakonischem Humor ein optimistisches Stimmungsbild der Epoche. - Sehenswert ab 14.

Finnnland/Schweden/Deutschland 2016
Regie: Juho Kuosmanen

Länge: 93 Min.
Verleih: Camino
Kinotipp der katholischen Filmkritik 327/Januar 2017