Below Her Mouth

Zwei Frauen verlieben sich ineinander. Die androgyne Dachdeckerin Dallas, die es bislang noch in keiner Beziehung länger aushielt, und die adrette Mode-Journalistin Jasmine, die mit ihrem Verlobten Rile in einer schicken Villa in einem Nobelviertel von Toronto wohnt. Als Rile ein paar Tage geschäftlich verreist, begegnen sie sich in einem Frauenclub. Es entspinnt sich eine leidenschaftliche Affäre, bis Rile früher als geplant nach Hause zurückkehrt.

Below Her Mouth

Zwei Frauen verlieben sich ineinander. Die androgyne Dachdeckerin Dallas, die es bislang noch in keiner Beziehung länger aushielt, und die adrette Mode-Journalistin Jasmine, die mit ihrem Verlobten Rile in einer schicken Villa in einem Nobelviertel von Toronto wohnt. Als Rile ein paar Tage geschäftlich verreist, begegnen sie sich in einem Frauenclub. Es entspinnt sich eine leidenschaftliche Affäre, bis Rile früher als geplant nach Hause zurückkehrt.

Was danach kommt, soll hier nicht verraten werden. Allerdings: Wirklich überraschend ist es nicht. Im Grunde gilt das für den ganzen Plot der Drehbuchdebütantin Stephanie Fabrizi. Erfrischend an der Liebesgeschichte ist eigentlich nur das, was ausgelassen wird. So erübrigt sich beispielsweise der erwartbare Konflikt zwischen Dallas und ihren männlichen Arbeitskollegen. Tatsächlich kommen sie prima miteinander klar.

Überhaupt geht es Fabrizi und der Regisseurin April Mullen offenbar nicht um ein „wir gegen die“, sondern einzig um das „Wir“. In der Mitte des Films unterhalten sich die beiden Frauen zwar auch über ihr Coming out, aber sie tun das mit gelassener Selbstverständlichkeit. Ganz ohne Tränendrama. Es gibt auch kein kathartisches Schlüsselerlebnis, das gleichsam wie auf Knopfdruck alles verändert. Oder wenn doch, dann ist das die Begegnung der beiden Frauen. Mit einer Liebe auf den ersten Blick, auch wenn Jasmine sich anfangs noch ein wenig ziert. Doch genau hier, nach dem ersten Blick, stößt die vorhersehbare Handlung an ihre Grenzen.

Warum gerade diese beiden Frauen sich derart unsterblich ineinander verlieben, bleibt rätselhaft. Man lernt sie nie richtig kennen. Das schwedische Model Erika Linder verleiht Dallas in ihrer ersten Filmrolle mit enormer Leinwandpräsenz eine melancholische James-Dean-Aura, die Natalie Krill als Jasmine im Vergleich dazu blass aussehen lässt. Die Gesichtsausdrücke der kanadischen Schauspielerin changieren zwischen Schmollmund und verliebtem Lächeln. Die Inszenierung gibt ihr freilich auch kaum etwas mit auf den Weg, was sie sonst umsetzen könnte. Viel zu reden hat sie nicht; dafür kommt sie aus dem lustvollen Stöhnen kaum noch heraus.

Womit der Kern des Films offengelegt ist: „Below Her Mouth“ ist ein exzellent fotografiertes Erotikdrama. Die karge Reißbretthandlung dient vor allem dazu, die mitunter sehr freizügigen Sexszenen miteinander zu verknüpfen. Doch obwohl sich der von einer (fast) ausschließlich weiblichen Filmcrew produzierte Film von einem Liebesakt zum nächsten hangelt und das Liebesspiel der beiden Frauen ausgiebig-schwelgerisch inszeniert wird, verbietet sich der Ausdruck „Softporno“. Das liegt nicht nur daran, dass die Kamerafrau Maya Bankovic die Liebesszenen viel zu ästhetisch und elegant fotografiert, sondern an der zärtlich-zurückhaltenden, respektvollen, nie voyeuristischen Art, mit der die Protagonistinnen ins Licht gesetzt werden. Nicht der Blick auf die Körper steht im Vordergrund, sondern der sinnliche Akt an sich. Sex als kommunikativer Austausch.

Viel mehr haben sich Dallas und Jasmine allerdings auch nicht zu sagen. Die Szenen, in denen sie wie im Rausch übereinander herfallen, sind mit Abstand die glaubwürdigsten. Die große Leidenschaft nimmt man ihnen ab. Die große Liebe eher nicht.

Stefan Volk, FILMDIENST 8/2017