CHiPs

Endlich mal ein spannender Job! Und dann auch noch „undercover“, Marke „Internal Affairs“. Der FBI-Mann Castilla ist gut darin, die Bösen zu fangen. Auch wenn seine ruppige Art bei seinen Chefs nicht immer auf Gegenliebe stößt. Doch nun wurde er unter dem Decknamen Ponch der Motorradstaffel der California Highway Patrol (CHIP) zugeteilt. Er soll Vorkommnisse aufklären, die mit Überfällen auf Geldtransportern zu tun haben.

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Innerhalb des Teams um Officer Kurtz könnte es Polizisten geben, die sich an diesen Coups bereichern. Für Ponch eine großartige Bewährungsmöglichkeit, wäre da nicht sein neuer Partner. Jon Baker hat es wie durch ein Wunder als ältester „Rookie“ in der Geschichte der Polizei ins Team der CHIPs geschafft. Der kernige Enddreißiger, ein Motorrad-Stuntman und Rennfahrer, muss nach mehreren Knochenbrüchen gesundheitlich kürzer treten und hofft bei der Polizei auf einen coolen Job als Verkehrspolizist. Doch mit Ponch hat der Neuling den unpassendsten Kollegen an seiner Seite und ist überdies in der falschen Abteilung gelandet. Was mit permanenten Wortgefechten und handfestem Mobbing beginnt, entwickelt sich jedoch zur echten Freundschaft, nachdem Jon von Ponchs Undercover-Auftrag erfährt. Zusammen mischen sie die Highway-Patrouille auf, was allerdings nicht gerade zu Jons Wohlbefinden beiträgt und beide öfters in Lebensgefahr bringt.

Schon mit „21 Jump Street“ (fd 41 054) hat Hollywood versucht, ein Stück der guten alten Fernsehzeit ins Kino zurückzuholen. Im Fall von „CHIPs“ ist das gründlich schiefgegangen. Das liegt weniger am Stoff der Vorlage, der zwischen 1977 und 1983 produzierten (und in Deutschland erst ein Jahrzehnt später versendeten) Serie um die Motorradstaffel, die es trotz des amüsanten, in erster Linie aber actionreichen Grundgedankens und ihres kalifornisch-sonnigen Lebensgefühls nie zum Fernsehklassiker gebracht hat. Weit schwerer wiegt der Missgriff, die Neuauflage vom 1980er-Jahre-Flair zu befreien und als „überwitzigen“ Ableger der ultracoolen „Fast & Furious“-Reihe zu inszenieren. Die vornehmlich auf Zweirädern vollführte Action ist dafür jedoch weder spektakulär noch zirzensisch genug. Zudem treffen die Pointen, die in erster Linie aus pausenlosem Aufeinandereinreden resultieren und überdies häufig mit homophoben Klischees einer toughen Buddy-Welt hantieren, zu selten den Punkt. Der von Michael Peña als Ponch und Dax Shepard als Jon Baker mühevoll mit verkrampfter Leichtigkeit getragene Film hat zu wenig zu bieten, um als Kinofilm im Heer der Actionkomödien zu bestehen. Da nützt es auch nichts, dass Erik Estrada, der Ponch-Darsteller aus der Fernsehserie, einen Cameo-Auftritt erhält. Wer ihn wiedererkennt, versinkt in Wehmut angesichts all der verschenkten Chancen einer mediokren Kinoadaption.

Jörg Gerle, FILMDIENST 10/2017