Conni & Co. 2 - Das Geheimnis des T-Rex

Sie jagen einer „rätselhaften Mind-Machine“ hinterher, begeben sich in „das verfluchte Schloss“ oder entdecken „das Geheimnis der Geisterinsel“. Gemeint sind junge Abenteurer, die auf Kampfnamen wie „TKKG“, „Fünf Freunde“ oder „Die drei ???“ hören. Gemeinsam ist ihnen das Gemeinschaftliche. Dezidierte Einzelkämpfer wie „Die Rote Zora“ scheinen in den Verfilmungen von Kinderabenteuerreihen gerade Mangelware zu sein.

Conni & Co. 2 - Das Geheimnis des T-Rex



„Conni & Co“ tanzt da auch konzeptionell aus der Reihe: Zunächst als Pixi-Bilderheftchen für kleine Leserinnen konzipiert, wuchs die Figur über die Jahre hinweg ins Jugendalter hinein. Connis Alltagsabenteuer von „Conni schläft im Kindergarten“ bis zuletzt „ Conni 15: Meine beste Freundin, der Catwalk und ich“ könnten also unterschiedlicher, aber auch handzahmer kaum sein.

Warum sich also nicht gleich von der literarischen Vorlage lösen und eine Konstellation bemühen, nach dem die meisten Abenteuerfilme für Kinder mittlerweile funktionieren? Mit einer bestärkenden Familie in der Hinterhand werden Bösewichte aufs Korn genommen und der Zusammenhalt der Kinderbande beschworen. Das „& Co“ sind Connis Freunde. Und „Conni“ ist, zumindest im Kino, Emma Schweiger – die Tochter von Til Schweiger, der den ersten „Conni & Co“-Kinofilm (fd 44 100) unter der Regie von Franziska Buch co-produzierte und nun selbst die Regie übernommen hat. Vielleicht auch, um seine Tochter, deren schauspielerische Kunst noch zu wünschen übrig lässt, mit genug Nebenfiguren und Nebensträngen zu flankieren, damit sie nicht allzuviel alleine tragen muss. Kleine Kinder dürfte die aufflammende Liebesaffäre von Connis fescher Oma (Iris Berben in Biker-Montur) mit dem örtlichen Paläontologen allerdings weniger interessieren.

Das „& Co(mpagnie)“ hat im Fall der „Conni“-Filme also nicht von ungefähr den Anklang des Geschäftsmäßigen. Und auch auf narrativer Ebene agiert der Bösewicht unter dem Stern des Kommerz. Der Bürgermeister von Neustadt, im ersten Teil noch Schuldirektor, plant ein riesige Hotel auf Connis Kanincheninsel. Die Zerstörung des Kinder- und Naturparadieses wird durch den Bau eines „Gigantotels“ gerechtfertigt, dessen kaufkräftige Kundschaft die Einzelhändler des Örtchens schon sehnsüchtig erwarten.

Zu den Profiteuren gehören auch Connis (Architekten-)Vater und die (Buchhändler-)Eltern von Connis bestem Freund Paul, die wegen der wirtschaftlichen Flaute schon aus Neustadt wegziehen wollten. Ihnen passt es schlecht in den Kram, dass Conni und ihre Freunde einen riesigen Dinosaurierknochen auf der Insel finden, den der Bürgermeister als Kuhknochen abtun will. „Ein Kuhzilla, oder was?“, fragt da Connis kleiner Bruder, und führt den korrupten Stadtpolitiker auf diese Weise so derart ad absurdum, dass einen die Machtlosigkeit der Kontrollinstanzen gegenüber dem offenkundigen Betrug sogar im Kinderfilm-Gefilde in arge Ratlosigkeit stürzt.

Die auch für Erwachsene höchst komplexen Themen Naturschutz versus Kommerz, Existenzsicherung versus Status Quo werden allerdings nur angeschnitten und lösen sich am Ende in Wohlgefallen auf. Zweimal baut Regisseur Til Schweiger, der mit der Journalisten ansonsten auf Kriegsfuß steht, die naiv-kindliche Kritik eines Nachwuchsautors an den Medien ein. Die werden diese durch eine vollbusige, knapp bekleidete Reporterin verkörpert, die dem Bürgermeister alles glaubt, und der man zu Recht Manipulation durch Auslassung vorwirft – weshalb dieser pseudo-kritische Kniff hier nicht verschwiegen werden soll.

Neben den für jüngere Zuschauer unverständlichen ethischen Komplexitäten soll ein Fettnäpfchen-Parcours der schadenfreudig-slapstickhaften Art, auf den die Erwachsenen geschickt werden, für Komik sorgen. Ein flügge gewordenes Skateboard hinterlässt so auf dem Weg Richtung Unterleib des Bürgermeisters einen dicken Kratzer in dessen Auto; die Reporterin landet in einer Matschgrube, das Toupet des Bürgermeisters im Wasser und der Ohrschmalz eines Security-Mannes in dessen Mund.

Dass turbulente Kinderabenteuer-Formate auch ganz anders ausfallen können, haben vor Einfällen und Sprachwitz nur so sprühende Filme wie beispielsweise „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ (fd 42 450) zur Genüge bewiesen. Vielleicht lässt sich aus Pixi-Büchern mit einer Heldin, die als angepasste Tochter eine Art Gegenentwurf zu Pippi Langstrumpf darstellt, auch nicht mehr herausholen. So wird permanent dick aufgetragen, auch auditiv, wenn die schöne Vertonung von Martin Todsharow über die Handlung geklatscht wird, die durch ihre Atemlosigkeit selbst den aufgeschlossensten Kinonachwuchs zu verlieren droht – bis die Action aus Inselinvasion und Explosion die aufgeschreckten Kinderaugen wieder auf die Leinwand lenkt.

Manchmal wünschte man sich, dass nicht nur vom sich groß aufblasenden T-Rex lediglich Fossilien übrig wären.

Kathrin Häger, FILMDIENST 10/2017