Deli Ask

Mit der Eifersucht ist es schon zum Verrücktwerden. Ekrem, ein Eisverkäufer aus dem südtürkischen Adana, versucht in „Deli Așk“ (zu Deutsch: verrückte Liebe) mit allen Mitteln, seine Freundin zurückzugewinnen. Die skurrilen Erlebnisse auf seinem Weg zum Ziel sind Mittel zum Zweck einer wenig ergiebigen Komödie, die als Ein-Mann-Show des Regisseurs, Drehbuchautors und Hauptdarstellers Murat Emre Kaman daherkommt.

Deli Ask

Mit der Eifersucht ist es schon zum Verrücktwerden. Ekrem, ein Eisverkäufer aus dem südtürkischen Adana, versucht in „Deli Așk“ (zu Deutsch: verrückte Liebe) mit allen Mitteln, seine Freundin zurückzugewinnen. Die skurrilen Erlebnisse auf seinem Weg zum Ziel sind Mittel zum Zweck einer wenig ergiebigen Komödie, die als Ein-Mann-Show des Regisseurs, Drehbuchautors und Hauptdarstellers Murat Emre Kaman daherkommt.

Gerade ist Ekrem mit dem „größten Eis der Welt“ ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen worden. Seine langjährige Freundin Nese aber findet, dass er „zu faul, zu egoistisch und zu rücksichtslos“ sei, weshalb sie seinen mit großem musikalischem Tamtam unterlegten Heiratsantrag mit einem entschiedenen „Nein“ quittiert.

In der Folge will Ekrem deshalb beweisen, dass er besser ist als sein Klischee, was ein umständliches „Trial and Error“-Verfahren in Gang setzt, in dessen Verlauf viele eingeschliffene Rollenbilder unter die Räder kommen.

Dramaturgisch läuft das auf eine filmische Stand-up-Comedy hinaus, eine redselige Possenreißerei, in der in jeder Sequenz Ekrem alias Kaman zu sehen ist. Ähnlich wie in den „Recep Ivedik“-Filmen steht das zwischen Verzweiflung und eitlem Selbstbewusstsein verpeilte Blödeln des Protagonisten im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu den burlesken Ivedikinaden läuft das bei Kaman aber immerhin auf eine gewisse Art von Katharsis hinaus.

Denn Ekrem will sich und seiner Geliebten beweisen, dass er eben nicht „faul, egoistisch und rücksichtslos“ ist, sondern einzigartig und liebenswert. Das Drehbuch hat dafür reihenweise skurrile Situationen an der Strecke zum besseren Menschen platziert, von der aphoristischen Selbsterkenntnis des betreuenden Psychologen („Ich habe selbst mal Trost im Alkohol gesucht – ich trinke noch immer“) über das Erscheinen von Neses neuem Freund Jeremy, einem US-amerikanischen F-16-Piloten auf der Nato-Basis Inçirlik, bis hin zu Nonsense-Dialogen bei der Bestattung des Großvaters Bahattin („War der schon immer so? – Nein, früher war er lebendig.“). Neben gepflegten Albernheiten setzt die Inszenierung hier vor allem auf Klamauk von der Stange, an dem auch Cameos von Comedy-Stars wie Zafer Algöz oder Cem Yilmaz nur wenig ändern.

Kaman hat bereits mit „Hadi Inșallah“ (fd 42 857) an den türkischen Rollenbildern von Mann und Frau herumgedoktert. Insbesondere stichelt er gegen das Schönheitsideal vom schlanken Sexsymbol mit ausgeprägter Neigung zum Divenhaften. Das sind Anspielungen mit Hintersinn, die auch der filmischen Nullnummer „Deli Așk“ ein Stück emanzipatorischer Würde vermitteln. Hier wird ausnahmsweise einmal einem Mann der Hintern geliftet. Oder es nimmt die Ex-Freundin Nese beim Einbruch in Ekrems Wohnung das Heft so kraftvoll in die Hand, dass sie gleich mit Tür und Zarge in den Korridor stürzt; eine verführerische Ausländerin darf überdies 100 Kilo schwer und um die 50 Jahre alt sein.

Am Ende findet Ekrem dann natürlich eine andere Frau: Zeynep, die Besitzerin eines Nachtclubs, kommt völlig ohne Schminke aus, besitzt dafür aber umso mehr Selbstbewusstsein. Der Weg zum neuen Mann führt manchmal über heillosen, streckenweise schwer zu ertragenden Unsinn.

Bernd Buder, FILMDIENST 7/2017