Die Jones - Spione von nebenan

„Keeping up with the Joneses“, heißt der Film im Original. Eine sprachliche Metapher, die mit „Die Jones – Spione von nebenan“ nur unzureichend übersetzt ist, geht es im Englischen doch um mehr: um Neid und Konkurrenz, um Status und Ansehen, Erfolg und gesellschaftlichen Aufstieg. „Keepin’ up with the Joneses is killing me“, heißt es in einem Song von „Little Feat“: Das Mithalten mit den strebsamen Nachbarn kann ganz schön an den Nerven zerren.

Die Jones - Spione von nebenan

Diese Erfahrung machen auch der Personalberater Jeff Gaffney und seine Frau Karen, ein langweilig-biederes Paar, dessen Leidenschaften im Alltagsleben verebbt sind. Die Gaffneys wohnen in einer blitzsauberen Vorstadt. Da ihre Söhne im Ferienlager übernachten, haben sie endlich mal sturmfreie Bude. Ausgerechnet jetzt ziehen nebenan Tim Jones und seine Frau Natalie ein, die von Jon Hamm, dem charismatischen Don Draper aus „Mad Men“, und Gal Gadot dargestellt werden, weshalb der äußerliche Kontrast zu Zach Galifianakis und Isla Fisher gar nicht größer sein könnte. Tim stellt sich als Reiseautor vor und schenkt Jeff und Karen als Willkommensgruß eine selbstgeblasene Glasskulptur; Natalie arbeitet als Social-Media-Beraterin, kümmert sich um Waisenkinder in Sri Lanka und findet noch die Zeit, Rezepte für einen Kochblog zu schreiben. Kurzum: ein nettes, freundliches, zuvorkommendes, attraktives und erfolgreiches Paar.

Irgendwie ist das aber alles zu schön, um wahr zu sein. Karen wird misstrauisch und spioniert den neuen Nachbarn hinterher. Das hätte sie besser sein lassen, denn prompt geraten die Gaffneys in eine Schießerei. Nun müssen die Joneses mit der Sprache herausrücken: Sie sind CIA-Agenten, die in der Nachbarschaft einem Ingenieur mit illegalen Kontakten zu Waffenhändlern auf der Spur sind.

Satiren, die humorvoll die Genremuster des Agentenfilms auf die Schippe nehmen, gibt es zuhauf; das parodistische Potenzial ist längst ausbuchstabiert. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass den Machern von „Die Jones – Spione von nebenan“ nichts Neues, geschweige denn Originelles eingefallen ist. Der eigentliche Spionagefall ist weder spannend noch interessant, und die Actionszenen mit Autoverfolgungsjagd, Schießereien oder Einbrüchen sind viel zu großspurig und aufgeblasen inszeniert. Die Charakterisierung der vier Hauptdarsteller zielt hingegen auf oberflächliche Kontraste: bieder gegen cool, langweilig gegen aufregend, amateurhaft gegen professionell. Bei Jon Hamm, der mit seiner Aura der Unbesiegbarkeit durchaus als amerikanischer James Bond durchgehen könnte, funktioniert das noch ganz gut, auch Gal Gadot strahlt im hautengen Einteiler Erotik und Unerschrockenheit aus. Doch Zach Galifianakis wärmt nur sein bewährtes Rollenprofil als Dummkopf mit Bart und Bauch auf und seine ungewohnte Empathie wird mit absurden Versuchen, seine Angestellten zu therapieren, ins Lächerliche gezogen. Dass es hier um mehr gehen könnte, um Selbstzweifel, Versagensangst und Anpassungsdruck in der Vorstadt, wird vom Drehbuch nur leise angedeutet.

Regisseur Greg Mottola hat mit Filmen wie „Superbad“ (fd 38 337) und „Adventureland“ (fd 39 407) auf sich aufmerksam gemacht, die bei aller aufgedrehten, mitunter auch vulgären Komik zugleich sehr sensibel und nachdenklich waren. Seinem neuen Film fehlt hingegen die Raffinesse, die Attraktion, der Anspruch. Für 105 Minuten Unterhaltung ist das zu wenig.

Michael Ranze, FILMDIENST 6/2017