Expedition Happiness

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen, heißt es frei nach dem deutschen Dichter Matthias Claudius. Und wenn ein Filmemacher eine Reise tut, macht er einen Film daraus. Wenn dann auch noch eine Musikerin mit an Bord ist, klappt es auch sogar mit dem Soundtrack. Im Grunde ist damit schon die Geschichte von „Expedition Happiness“ weitgehend zusammengefasst.

Expedition Happiness

Regisseur Felix Starck, der bereits in „Pedal the World“ (2015) mit der Kamera auf Weltreise ging, tauscht diesmal das Fahrrad gegen einen in North Carolina selbst ausgebauten Schulbus und nimmt seine Freundin, die Sängerin Selima Taibi alias „Mogli“, mit auf Tour.

Die Reise startet in Berlin und geht dann von North Carolina nach Alaska und zurück in den Süden bis nach Mexiko. In Argentinien, wo ihre Transamerikareise ursprünglich enden sollte, kommen sie nie an. Der Grund dafür hat einen Namen. Er heißt „Rudi“ und ist ein Berner Sennenhund. Die Hitze, die Reisestrapazen und das ungewohnte Futter bekommen dem Hund nicht. In Mexiko wird er so schwer krank, dass Starck und Taibi die Reise mit ihm nicht mehr fortsetzen können.

Ihr Filmprojekt ist deshalb aber keineswegs gescheitert. Ganz im Gegenteil. Rudis gesundheitliches Auf und Ab verleiht der Dokumentation einen erzählerischen Faden, der über episodische Begegnungen und Reiseerlebnisse hinausgeht. Es ist rührend, mit welcher Hingabe sich die beiden um den Hund kümmern.

Wie sich die Reise auf ihre eigene Beziehung auswirkt, bekommt man hingegen kaum mit. Die im Titel suggerierte Sinn- und Glückssuche wird filmisch nicht eingelöst. Die Protagonisten sind unterwegs und genießen die Freiheit. Eine Reise ist eine Reise ist eine Reise. Und ein Reisefilm ein Reisefilm, egal welches Etikett man aus Marketinggesichtspunkten auf Facebook oder anderswo daraufklebt. Glücklicherweise spielen solche pseudophilosophischen Überhöhungen im Film selbst kaum eine Rolle. Starck und Taibi vertrauen auf die Kraft ihrer Bilder, ihrer Musik und ihrer eigenen, sympathischen Ausstrahlung. Das genügt vollauf.

Die Aufnahmen mit einer Drohne sind überwältigend schön, weil die Landschaften, die sie überfliegt, überwältigend schön sind: die endlosen kanadischen Wälder, die bizarre Mondlandschaft des Grand Canyon, die ausufernden mexikanischen Metropolen. Dazwischen sieht man Bären und Elche, und immer wieder die beiden Protagonisten: freudestrahlend, erschöpft, erleichtert, besorgt.

Mehrfach steht die Reise kurz vor dem Abbruch. Auf dem Rückweg von Alaska erhalten die beiden in Vancouver wochenlang kein Touristenvisum für die USA. Als sie irgendwann doch noch in Mexiko ankommen, landen sie auf der Hazienda eines Drogenbarons, der sich Tiger in Käfigen hält. Aber auch dieser skurrile Abstecher bleibt nur eine kurze Episode.

Die Momente, in denen die Protagonisten videotagebuchartig in die Kamera sprechen, geraten meist ähnlich belanglos wie ihre angenehm zurückhaltenden, aber auch etwas ungelenken Selbstinszenierungen, wenn sie etwa vor dem frisch ausgebauten Bus tanzen oder zusammen ins Meer springen.

Was den Film außer den gestochen scharfen, schwelgerischen Panoramabildern und Rudi noch zusammenhält, ist der melancholisch-träumerische Folk-Soundtrack von Mogli, der die kühle Weite der Landschaft in Alaska atmet. „Expedition Happiness“ macht Lust auf Moglis Musik. Und noch mehr aufs Verreisen. Am liebsten würde man gleich den Rucksack packen. Falls das nicht so ohne weiteres geht, sind anderthalb Stunden im Schulbus mit Felix Starck und Selima Taibi nicht die schlechteste Alternative.

Stefan Volk, FILMDIENST 10/2017