Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Die Ausweglosigkeit der Liebe und die Gefahren von entfesseltem Sex sind die Themen, die die Schundroman-Trilogie „50 Shades of Grey“ verspricht. Bei ihrer Adaption fürs Kino wurde alles Bedrohliche in den ersten Teil „Fifty Shades of Grey“ (fd 42 936) gepackt, in dem man von den sexuellen Vorlieben des Millionärs Christian Grey erfuhr, die viel mit Kontrolle und Unterwerfung zu tun haben. Seine Geliebte Anastasia Steele hat ihn genau deshalb verlassen.

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Als Selbstbestrafung charakterisierte er sich mit den düsteren Worten „50 shades of fucked-up“.

Gegen die Schrecken der sexuellen Begierde tritt jetzt der zweite Teil an, der im Original „Fifty Shades Darker“ heißt. Dabei hilft natürlich die Macht der Liebe. Grey unterwirft sich einer Umerziehung des Herzens und vor allem der Triebe, um Anastasia an seine Seite zurückzugewinnen. Nachdem er gelernt hat, ihr nicht mehr übergriffig das Leben zu diktieren, und nachdem sie ihm ihr Interesse an Selbstbestimmung gleich mehrfach nahegebracht hat, wird die Verbindung wieder aufgenommen. Fortan diktiert Anastasia die Regeln, und Grey folgt.

Ein Rollenwechsel ist damit etabliert: Die Fortsetzung zielt auf Anastasias Befreiung, auch wenn dies noch ein langer Weg ist. Was den Sex anbelangt oder gar dessen Gefahren, hält sich der Protagonist größtenteils an die Wünsche der Heldin. Das hat ungünstige Auswirkungen auf den Unterhaltungswert des Films. Wo der erste Teil jederzeit ins Groteske abrutschen konnte, egal, ob absichtlich oder aus Versehen, herrscht in der Fortsetzung wohltemperierte Langeweile. Zwar werden einige Momente der Eifersucht beschworen, herbeigeführt durch Fremde, doch die werden schnell wieder aus der Handlung entfernt.

Grundsätzlich praktizieren die Protagonisten rücksichtsvolle Kommunikation, ihre Leidenschaft ist so gezähmt wie der Mann in Christian Grey. Es bleibt ein Hauch von Erotik im öffentlichen Raum oder eine Runde Wohlfühl-Bondage, alles milde und dezent, denn die Inszenierung von Regisseur James Foley sucht keinesfalls Aufregung, sondern zielt auf sentimentalen Ernst. Die Bilder sind schick, glatt, nicht zu dunkel, am Rand des Blickfelds steht häufig eine Vase mit Tulpen. Der Schund des Schundromans kräuselt hier nur noch an der Oberfläche.

Doris Kuhn, FILMDIENST 4/2017