King Arthur: Legend of the Sword

Gewaltige Elefantenfüße lassen die Erde vor Camelot erzittern. Wie biegsame Rammböcke schwingen die riesigen Rüssel der Tiere quer durchs 3D-Bild und wischen Stein- und Menschenmauern hinweg, als wären sie aus Pappmaché. Dabei stammen die düster in den Himmel ragenden Türme und die sie attackierenden Kriegselefanten doch ganz offensichtlich aus der Pixelschmiede.

King Arthur: Legend of the Sword

Als echter Sohn des handwerklich orientierten Mittelalters erweist sich hingegen König Uther, als er vorsichtshalber die Krone abnimmt und sich mit seinem Schwert Excalibur in die Schlacht wirft. Es gilt, den Magier der Angreifer zu töten, um der blutigen Schimäre ein Ende zu bereiten.

Für kurze Zeit kehrt daraufhin Frieden ein, bis Uther mitsamt seiner Frau dem Putsch seines Bruder Vortigern zum Opfer fällt, niedergemetzelt vor den Augen seines kleinen Sohnes Arthur, der gerade noch in einem Kahn entkommt.

„King Arthur: Legend of the Sword“ beginnt so, wie die „Herr der Ringe“-Filme für gewöhnlich enden: mit einer Schlacht, die ihren 3D-Pomp mit viel Getöse und allerlei Getier auszuspielen weiß. Elliptisch geschnitten, mutet diese Exposition wie die Zwischensequenz eines Videospiels an. Hier kann sich der Spieler zurücklehnen, da er am Spielverlauf kurzzeitig nicht mehr beteiligt ist. Das gilt in gewisser Weise auch fürs kulturelle Gedächtnis, denn der erste Teil eines offenkundig als Mehrteiler angelegten Heldenepos hat mit der Artus-Mythologie nicht mehr viel gemein. Regisseur Guy Ritchie holt stattdessen zu einer Robin Hood-Geschichte aus.

Jude Law verleiht dem intriganten Usurpator Vortigern ein versteinertes Gesicht, das er nur dann verzieht, wenn er seine Liebsten opfern muss. Ein tief in den Grotten unter Camelot nach Frauenblut gierendes Schlangenwesen hat Vortigern zum Thron verholfen. Der rechtmäßige Erbe Arthur wird unterdessen irgendwo in Londinium aus dem Wasser gefischt und als Findelkind in einem Bordell großgezogen. Vom kleinen Gauner mausert sich Arthur zu einer Art gutherziger Zuhälter, als er sich mit einer Horde zahlungsunwilliger Wikinger anlegt, die unter dem Schutz des Königs stehen. Als es ihm dann auch noch gelingt, Excalibur aus dem Stein zu ziehen, spürt er eine Verantwortung auf seinen Schultern, die er gar nicht tragen will. Doch als er in der Folge seinen Kopf und das geknechtete Volk die Hoffnung zu verlieren droht, schreitet eine Gruppe Widerstandskämpfer mitsamt Zauberin ein, der sich der vogelfreie Mann notgedrungen anschließt. Bevor er und Excalibur schließlich in einer mächtigen Symbiose verschmelzen, muss Arthur zunächst allerdings das Trauma der Ermordung seiner Eltern überwinden.

Ob die Artus-Sage auf eine historische Figur zurückgeht, ist ungewiss. Auch gibt es im Unterschied zur „Odyssee“ oder dem „Rolandslied“ keinen literarischen Referenzpunkt für die Sagengestalt, die im 5. Jahrhundert nach Christus zahlreiche Heldentaten gegen die Sachsen vollbracht haben soll. Umso leichter lässt sich daher der Jugend und der sozialen Prägung der Figur ein illustres Gewand überwerfen. Drehbuch und Inszenierung psychologisieren und proletarisieren die Artusfigur und verwandelt sie in einen kleinkriminellen Outlaw, mit Nullbockstimmung, aber dem Herz am rechten Fleck.

In seinen einfallsreichen Gangster-Komödien „Bube, Dame, König, grAS“ (fd 33 433) und „Snatch“ (fd 34 750) etablierte Guy Ritchie solche Figuren noch mit viel Verve. Und auch in „King Arthur“ verleihen rasante Schnittsequenzen, die zu coolen Trommeltönen mal eben Arthurs Kindheit oder clever geplante Coups zusammenfassen, deren Ablauf von der Kamera frech vorweggenommen wird, dem Film durchaus partielle Schauwerte. Allerdings hapert es gewaltig an der Konsistenz. Popkulturell verankerte Inszenierungseinfälle brechen immer wieder unvermittelt in den Film ein, der im Grunde ganz konservativ den immer gleichen Fantasy-Brei aufkocht und darin schlicht austauschbar bleibt. Schlagfertige Wortgefechte oder unterhaltsam an Tiefe gewinnende Nebenfiguren, die Ritchies Männerbünde sonst kennzeichnen, haben ausgedient. In „Legend of the Sword“ bleibt selbst das immer mal wieder aufleuchtende Schwert Excalibur erstaunlich blass, während der von Charlie Hunnam dargestellte Protagonist statt der Mimik lieber die Muskeln spielen lässt, durch die immerhin noch keine Pixelströme pulsieren.

Kathrin Häger, FILMDIENST 11/2017