Lommbock

Richard Linklater hat es vorexerziert, Danny Boyle gerade erst ausprobiert, und Christian Zübert tut es jetzt auch: Er liefert eine Fortsetzung zu einem frühen Film, der Kiffer-Komödie „Lammbock“ (fd 35 010) aus dem Jahr 2001. Diese Fortsetzung hat eine klare Aufgabe. Sie muss der Fangemeinde beweisen, dass das Wesen der Protagonisten gleichgeblieben ist, aber auch, was eine zeitliche Distanz von 15 Jahren für Verwüstungen anrichtet.

Lommbock

Allen anderen muss sie eine verständliche Geschichte erzählen.

Die Hauptfiguren Kai und Stefan werden erneut von Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz gespielt, die inzwischen etwas angegriffener aussehen. Sie treffen sich in Würzburg, der Stadt ihrer Jugend, in der sie seinerzeit den etwas anderen Pizzaservice „Lammbock“ unterhielten; bei Nennung eines Codewortes erhielten die Kunden ein Tütchen Gras mitgeliefert. Damals war das ein gutes Geschäft. Jetzt betreibt Kai in denselben Räumen einen Take-out-Service für asiatische Küche, aber ohne Gras. Er sei erwachsen geworden, sagt er; seine Freundin habe ihm das Kiffen verboten. Den titelgebenden Namen des Geschäfts hat er nur minimal verändert; aus dem „a“ wurde ein „o“, alles andere wäre zu anstrengend gewesen. Stefan wiederum ist mit einer reichen Erbin verlobt. Er lebt in Dubai und eröffnet dort demnächst eine Strandbar. Der Clou dieser Strandbar ist die Anmutung illegalen Drogenkonsums; dazu trägt der Mann hinter der Theke ein Rasta-Hemd, und man kann Nelken-Zigaretten kaufen.

Die Sache mit den Graslieferungen, die den Originalfilm definierte, fällt hier also aus. Dafür untersucht „Lommbock“, was die beiden Helden in den vergangenen 15 Jahren aufgebaut haben. Kai und Stefan setzen sich für kurze Zeit in Pose, geben sich ernst, wichtig, unbedingt junggeblieben. Sobald der Film dieses Benehmen aber hinterfragt, wird deutlich, dass ihr vermeintlich seriöses Leben in etwa mit der Bar verglichen werden kann, die Stefan den Arabern anbietet: alles Fassade. Dahinter hausen die alten Kiffer. Zwar blicken sie sorgenvoller auf den ersten Joint des Tages, sind aber genauso haltlos wie früher, sobald der erst einmal angezündet wurde.

Manchmal gibt es lupenreine Verweise auf den ersten Film, weshalb „Lommbock“ in diesen Sequenzen genau das ist, was das Kiffer-Genre verlangt: ein leichtfertiger Blödsinn, der gemächlich in ziemlich albernen Blödsinn ausufert. Die Protagonisten sitzen in ihrem alten Laden, auf ihrer alten Couch, entwickeln bizarre Theorien zur Lage des Patriarchats oder lassen ferngesteuerte Spielzeughubschrauber abstürzen. Wenn Bleibtreu und Gregorowicz hier Gras rauchen, wirkt das altmodisch, aber lustig. Die Gegenwart tritt ein, wenn ihre Smartphones zur Ordnung rufen. Das gab es früher nicht.

Der Film stellt also her, was die Aufgabe verlangt: Wiedererkennen für die einen, lustiger Drogenmissbrauch für alle. Die Idee, dass die beiden Freunde sich ständig in der unpassendsten Umgebung zuballern wollen, wird dafür ziemlich zuschanden geritten. Außerdem kollidiert ihre Raucherei mit Beziehungen, einem Heiratsplan, der Erziehung von Teenagern, einer seriösen Karriere. Aber diese Dinge kollidieren immer mit irgendetwas, warum also nicht mal mit Drogen?

Für Zuschauer, denen das Genre fremd ist, liefert der Film die Gewissheit, dass Kiffer eben Deppen sind, die ihre zahlreichen Schwierigkeiten durch eigene Dummheit verschulden und mit der nächsten Dummheit wieder korrigieren. So ist das Bild, das die beiden alten Freunde hier abgeben, so kennt man es aus amerikanischen Vorlagen. Die deutsche Komödie an sich bringt das nicht unbedingt weiter.

Doris Kuhn, FILMDIENST 6/2017