The Lego Batman Movie

Alles ist bunt und eckig und rast nur so vorbei, ein Rausch aus zusammengeklickten Flug- und Fahrgeräten, Bomben und grell bemalten Zylindergesichtern wie dem des Jokers, der sich in Gotham City gerade daran macht, einen Riesenanschlag auszuführen. Doch einer kann es noch schneller: Batman natürlich, dem Raum und Schwerkraft so wenige Grenzen setzen, dass ihm die paar Sekunden genügen, um das Schurkenteam umzuhauen.

The Lego Batman Movie

Alles ist bunt und eckig und rast nur so vorbei, ein Rausch aus zusammengeklickten Flug- und Fahrgeräten, Bomben und grell bemalten Zylindergesichtern wie dem des Jokers, der sich in Gotham City gerade daran macht, einen Riesenanschlag auszuführen. Doch einer kann es noch schneller: Batman natürlich, dem Raum und Schwerkraft so wenige Grenzen setzen, dass ihm die paar Sekunden genügen, um das Schurkenteam umzuhauen.

„The Lego Movie“ (fd 42 328) von Phil Lord und Christopher Miller war eine farbenpralle Geschichte um Individualität und Konformismus, die die schillernde Dialektik des Hollywood-Kinos eindrucksvoll auf den Punkt brachte. Denn ihr Plot steckte nicht nur im Korsett einer zum ökonomischen Erfolg verdammten Studioproduktion, sondern war darüber hinaus auch noch in selten dreister Weise der Behandlung des titelgebenden, markenrechtsgeschützten Produktes verpflichtet.

Das Spin-Off „The Lego Batman Movie“, das strenggenommen als Serie mittellanger Animationsfilme sogar der ältere Stoff ist, schiebt den Diskurs um bauliche Kreativität und bösen Klebstoff zur Seite und sucht sich seine Themen nicht mehr im Spielzeugland, sondern nahezu ausschließlich in der Popkultur.

Wenngleich hier manches recht albern gerät, ist „The Lego Batman Movie“ im Vergleich zum Vorgänger der erwachsenere, aber nicht unbedingt bessere Film. In der Abfolge von Gags und visuellen Gimmicks ist er deutlich zu schnell und im Anspielungsreichtum zu vielfältig für ein sehr junges Publikum. Dennoch: In kontemplativen Passagen sehnt sich der einsame Batman, verloren in den riesigen Kinos und Speisesälen auf dem inselhaft gelegenen Anwesen von Bruce Wayne, nach einer Familie – so wie sich der Joker hier nach einem Feind sehnt, einem Gegenüber, das ihn wenigstens mit Verachtung straft: „Sag mir doch einmal: Ich hasse dich!“

Doch Batman gefällt sich zumeist in seiner Star-Pose und in einer zugespitzten Großkotzigkeit: Er lässt den Joker abblitzen, und dem Waisenjungen Dick Grayson, der Bruce Wayne beim Empfang der neuen Polizeichefin Barbara Gordon umschmeichelt, widmet er so wenig Aufmerksamkeit, dass er ihn mit einem Nebensatz versehentlich adoptiert. Nun hat er seinen Robin – und einen stinksauren Joker, der nun einen noch viel größeren, wahnsinnigeren Plan ausheckt, damit sein Erzfeind ihm endlich die Erzfeindschaft gewährt.

Es ist schon bemerkenswert, dass in der Atemlosigkeit der hysterisch blockhaften Action überhaupt noch eine, wenngleich klischeehafte Form von Figurenpsychologie möglich ist. Vor allem aber positioniert sich diese Batman-Variante als Meta-Kommentar zum Blockbuster-Universum generell und den Superhelden des DC-Universums im Besonderen. Die Überbietungslogik aktueller Blockbuster, die schon in der Exposition einen Aufwand betreiben, wie er vor Jahren noch den Showdown geadelt hätte, persifliert Regisseur Chris McKay in Szenen, die so beschleunigt sind, dass außer einem Flirren an Farben und Formen und ein paar eher geahnten One-Linern kaum etwas wahrnehmbar bleibt – geschweige denn eine sequenz-immanente Handlungsentwicklung. Die brütenden Einzelkämpfer Batman und Superman benötigen überdies einen Zerrspiegel in Gestalt eines anderen Films, damit eine gehörige Portion Selbstironie, welche die Kollegen von Marvel wie selbstverständlich an den Tag legen, auch in ihrem Kosmos umherschwirren kann.

Tim Slagman, FILMDIENST 4/2017