Unforgettable - Tödliche Liebe

Julia scheint endlich über das Trauma einer von Gewalt dominierten Beziehung hinweg zu sein. Geholfen haben ihr dabei der Job als Journalistin und eine befreundete Vorgesetzte. Aber auch eine frische Liebe, die sie zum Neustart ins Leben motiviert. David blickt selbst auch auf schlechte Beziehungserfahrungen zurück. Zu seiner Ex-Frau Tess unterhält er allenfalls wegen der kleinen Lily noch ein freundschaftliches Verhältnis.

Unforgettable - Tödliche Liebe

Doch nun, da David und Julia ein Paar geworden sind, soll der Traum von einer harmonischen Dreisamkeit endlich Wirklichkeit werden.

Das sieht die abservierte Mutter allerdings ganz anders. Sie ist der Star in dem von Denise Di Novi inszenierten Psychothriller, und ein Teufel in Reinkultur. Mit ihren wundervoll strengen Gesichtszügen und ihrer aristokratisch anmutenden blonden Haarmähne wirkt sie wie eine Erscheinung aus dem Märchenschloss, allerdings aus dem Trakt der bösen Stiefmutter. Elegant umsorgt sie ihre Tochter und macht aus ihr jene Barbiepuppe, zu der sie selbst wurde, erdrückt von der liebevollen Disziplin ihrer eigenen Mutter.

„Unforgettable“ ist im Grunde eine Tragödie über die blonden Mädchen und ihre blondgefärbten Mütter in den neureichen Suburbs der US-amerikanischen Shoppingkanal-Gesellschaft. Doch da der Film in erster Linie nicht verstören, sondern unterhalten will, wird die Antagonistin als liebesbedürftiges Wesen eingeführt, das aus der Barbie-Welt verstoßen wurde und nun alles daran setzt, seinen Platz wiederzuerringen.

Das geht ganz einfach, wie es die Fernsehserie „Desparate Housewifes“ ja vorexerziert hat, die von der Drehbuchautorin Christina Hodson offensichtlich als Vorbild gewählt wurde. Man muss nur das Handy der Feindin und den Ring der Großmutter stehlen, den Julia als eine Art Liebesbeweis von David geschenkt bekommen hat. Mit dem Smartphone hält Tess quasi das Leben ihrer Gegnerin in der Hand, und mit dem Ring die Gewissheit, dass sich Julia in Lügen verstrickt, um den Verlust zu kaschieren.

Jetzt muss nur noch Michael Vargas ins Spiel kommen, jener brutale Macho, der Julias Leben einst zur Hölle machte und der inzwischen aus dem Gefängnis entlassen wurde. Mit einem gefakten Facebook-Account gibt sich Tess als Julia aus und macht ihm neuerlich Avancen. Die Lage eskaliert denkbar schnell und treibt Julia nahezu in den Wahnsinn, bis sich die Kontrahentinnen schließlich im finalen Kampf gegenüberstehen.

Schon zu Beginn sind die Fronten klar: so perfide die schöne Tess, so naiv die nette Julia. Das ist zwar eindimensional, aber immer noch überzeugender gezeichnet als die beiden Männer. David ist allenfalls der gut gebaute Bedenkenträger, und Vargas darf nur furchteinflößend in die Kamera stieren. Die „Moral“ dieses eher nervigen denn glaubwürdigen Thrillers lautet denn auch: Traue nie der Mutter der Tochter – und speichere tunlichst nicht deine Geburtsurkunde im Handy.

Jörg Gerle, FILMDIENST 10/2017