Within

Die Wohngegend ist solide, das Haus groß und die Miete erstaunlich erschwinglich. Da macht es nicht viel, wenn die Katze nach dem Umzug ihre Transportkiste nicht verlassen will. Auch der schmierige Nachbar auf der einen und die übertrieben freundliche ältere Dame auf der anderen Vorgartenseite könnte Hannah ignorieren; den Umzug ihrer Eltern in die Suburbs lässt sich ja ohnehin nicht mehr rückgängig machen.

Within

Doch als ihr die Kinder auf der Straße vom Mord an den Vormietern erzählen, fühlt sich die junge Frau in ihren diffusen Vorahnungen bestätigt. Irgendetwas, das nicht zur Familie gehört, beseelt das Haus, verstellt Dinge und verursacht Geräusche. Auch wenn es Mom und Dad zunächst nicht glauben wollen – da drinnen ist etwas, auch wenn die Alarmanlage Sicherheit vorgaukelt.

Einmal mehr geht es in „Within“ um ein unheimliches Haus und eine Familie, die es besser hätte wissen können. Der Vater aber ignorierte die schlechte Aura des Anwesens, weil er Geld sparen wollte; dafür bekommen nun alle drei die Quittung. Originell geht anders.

Auch Regisseur Phil Claydon will nicht allzu viel einfallen, um die Gruselgeschichte von der Stange atmosphärisch zu verdichten. Schemen in der düsteren Diele, ein Beobachter im Duschbad, die weghuschende Bettdecke im Schlafzimmer von Hannah. Immerhin sind Claydon und sein Drehbuchautor Gary Dauberman („Wolves at the Door“, (fd 44 568)) bestrebt, von den Routinen der „Paranormal Activity“-Reihe und all ihrer Found-Footage-Derivate wegzukommen. Ihnen schwebte ein klassischer Horrorfilm mit vernünftigen Einstellungen, Schwenks und Kadragen vor.

Das ist aller Ehren wert, doch weder die Geschichte noch die Darsteller lösen die Absichten der Inszenierung ein. Selbst die Mini-Rolle von JoBeth Williams, deren Auftritte als Mutter in den ersten beiden „Poltergeist“-Filmen ((fd 23 664) und (fd 25 826)) in guter Erinnerung sind, verpufft in Belanglosigkeit.

Während „Within“ sich mit zunehmender Dauer vom Geisterhorror zum wenig durchdachten „Home Invasion“-Thriller wandelt, steigt die Zahl der Toten, ohne dass der Film an Fahrt und Spannung gewinnen würde. Die Protagonisten tun einmal mehr das Falsche zur falschen Zeit, sodass sich das Mitgefühl angesichts ihres zu erwartenden Schicksals in Grenzen hält. Das phantastische Moment, das etwa Wes Cravens ähnlich gelagerten Film „Haus der Vergessenen“ (fd 29 353) Faszination, Unbehagen und Emphase versprühen ließ, wird hier von einem indifferenten „Mal Grusel, mal Realismus“-Ansatz überlagert.

Das Endresultat ist ein erstaunlich uninteressanter Thriller, der auch nicht durch den kühnen, aber gleichwohl nur behaupteten Merksatz gewinnt, dass „immer mehr Menschen seit der Wirtschaftskrise 2008 erkennen, dass sie in ihrem eigenen Haus nicht alleine leben!“

Jörg Gerle, FILMDIENST 8/2017