Biopic | USA 2015 | 125 Minuten

Regie: Jay Roach

Das Leben des US-amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors Dalton Trumbo (1905-1976) als Thema eines komödiantisch akzentuierten Films, der die standhafte politische Haltung seines Protagonisten zur Zeit der Kommunistenjagd in den Mittelpunkt rückt. Mit Bryan Cranston in der Hauptrolle und lustvollen Imitationen zahlreicher Berühmtheiten unternimmt er eine Gratwanderung zwischen Hollywood-Karikatur und den Verirrungen des herrschenden Scharfmacherklimas zum Ende der 1940er-Jahre. Ein Flickenteppich aus Fakt und Fiktion, der unterhält, ohne den Ernst der Situation zu verstecken. - Ab 14.
Zur Filmkritik

Filmdaten

Originaltitel
TRUMBO
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2015
Produktionsfirma
ShivHans Pic./Groundswell Prod./Everyman Pic.
Regie
Jay Roach
Buch
John McNamara
Kamera
Jim Denault
Musik
Theodore Shapiro
Schnitt
Alan Baumgarten
Darsteller
Bryan Cranston (Dalton Trumbo) · Diane Lane (Cleo Fincher Trumbo) · Helen Mirren (Hedda Hopper) · Louis C.K. (Arlen Hird) · Elle Fanning (Nikola Trumbo)
Länge
125 Minuten
Kinostart
10.03.2016
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Biopic
Externe Links
IMDb | TMDB | JustWatch

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. längere Interviews mit Elle Fanning (11 Min.), Diane Lane (10 Min.) und Regisseur Jay Roach (11 Min.).

Verleih DVD
Paramount (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Paramount (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl./dt.)
DVD kaufen

Biografischer Film über den »Hollywood Ten«-Autor Dalton Trumbo

Diskussion
Dalton Trumbo (1905-1976) war ein eigenwillig begabter Schriftsteller und Drehbuchautor. Er war auch das, was man damals in Amerika einen „Kommunisten“ nannte. Er hielt mit seiner Meinung über die offizielle amerikanische Politik nicht hinter dem Berg. Und er hatte eine scharfe Zunge. Dafür geriet er ins Visier des House Un-American Activities Committee, besser bekannt als die Spielwiese von Scharfmachern wie des Senators Joseph McCarthy. Er kam für eine Zeitlang hinter Gitter und auf die berüchtigte „Blacklist“. Das bedeutete: keine Arbeit in Hollywood und Ächtung im ganzen Land. Wenn jemand nun einen Film über Dalton Trumbo macht, so wäre zu vermuten, dass es sich dabei um eine bitterernste Abrechnung mit dem politischen System und dessen Verirrungen in den späten 1940er- und 1950er-Jahren handelt. Weit gefehlt. Der Regisseur von „Trumbo“ ist Jay Roach, der durch die „Austin Powers“- und „Meet the Parents“-Filme bekannt wurde. Kein Filmemacher also, an den man gleich gedacht hätte, wenn es um Trumbo und die „Blacklist“ geht. Doch Roach hat dem Projekt nicht geschadet. Ebenfalls nicht geschadet hat die Besetzung der Hauptrolle mit dem „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston. Beide haben sich zu einer Komödie über Trumbo und die Blacklist zusammengetan – und, nicht zu vergessen, über die Hollywood-Studios. Daraus resultiert ein Film, der gut unterhält, ohne die Realität unter den Teppich zu kehren. „Trumbo“ ist keine Biografie im herkömmlichen Sinne. Eher könnte man den Film einen Flickenteppich aus Fakt und Fiktion nennen. Er berichtet ziemlich unbekümmert von einem Mann, der durch seine Romane und Drehbücher als Autor berühmt wurde, der brillant zu erzählen verstand, als Familienvater, der sich ins Badezimmer einsperrte, um dem Lärm der Kinder zu entgehen, und als Patriot, der mit seiner kompromisslosen politischen Haltung vielen ein Vorbild war. Der Film handelt von den Feinden, die sich Trumbo in der Öffentlichkeit und unter den Kollegen in Hollywood gemacht hat, aber auch von unverbrüchlichen Freundschaften und (oft versteckter) Hochachtung. Historische Ereignisse und Figuren kommen und gehen, so die einflussreiche Klatschjournalistin Hedda Hopper (eine bunt aufgetakelte Helen Mirren) und der B-Movie-Produzent Frank King (John Goodman), der geächtete Autoren nicht deshalb beschäftigte, weil er ein Unrecht wiedergutmachen wollte, sondern weil er deren Arbeit besonders billig kaufen konnte. Man muss sich bei Roachs Film daran gewöhnen, die historische Wahrheit aus einer Fülle kurioser Episoden herauszufiltern. Offensichtlich hatte Roach schon bei der Besetzung der Nebenrollen eine Menge Spaß. Hollywood-Stars wie John Wayne, Kirk Douglas und Edward G. Robinson paradieren da vorbei und dürfen zeigen, wessen Geistes Kind sie sind. Oder der MGM-Gründer Louis B. Mayer und der hochbegabte österreichische Glatzkopf Otto Preminger. Die mehr oder weniger bekannten Darsteller von heute, die sie verkörpern, bekommen alle einen Festtag voller Karikatur-Laune dafür. Dass hinter dem Aufmarsch der Furchtsamen und der Standhaften die harte Realität nicht verlorengeht, ist dem Regisseur und seinem Team hoch anzurechnen. Es wird unübersehbar deutlich, wie Trumbo darunter gelitten hat, sich jahrelang hinter Pseudonymen verstecken zu müssen, dass sogar eine dieser fiktiven Personen mit einem „Oscar“ ausgezeichnet wurde, der eigentlich ihm, dem zum Schweigen Verurteilten, zugestanden hätte, und wie viel es für ihn bedeutete, als Douglas und Preminger schließlich Manns genug waren, um Trumbos Namen in den Vorspann von „Spartacus“ (fd 24 628) und „Exodus“ (fd 10 610) zu setzen. Für den Stil des Films ist es allerdings bezeichnend, dass kein Raum bleibt für die mit Trumbos Herzblut geschriebene Antikriegsgeschichte „Johnny zieht in den Krieg“ (fd 18 211). Man kann es den Beteiligten mit einem lachenden und einem weinenden Auge verzeihen.
Kommentar verfassen

Kommentieren