Mord in Louisiana

23.2., 22.35-00.25, 3sat

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Dave Robicheaux ist eine Figur des US-Krimiautors James Lee Burke. Seit seiner literarischen „Geburt“ im Jahr 1987 hat es der Detective aus New Iberia, Louisiana, auf bislang 17 Abenteuer gebracht. Im Kino erschien Robicheaux erstmals 1995 in „Mississippi Delta“, wo ihn Alec Baldwin als labilen Ex-Cop verkörperte, der von seiner Vergangenheit nicht loskommt. Diese spielt auch in Bertrand Taverniers eigenwilliger Adaption des Thrillers „Mord in Louisiana“ (2009) eine entscheidende Rolle, freilich auf eine tiefer schürfende, nahezu philosophische Weise.

Schon in der Eingangssequenz räsoniert die von Tommy Lee Jones bravourös gespielte Hautfigur über den antiken Brauch, schwere Steine auf die Gräber der Toten zu legen, um ihre Seelen davon abzuhalten, die Lebenden heimzusuchen. Was wie der obligatorische Off-Kommentar eines Film-noir-Charakters anmutet, der wie Nebel als melancholischer Sermon über den Ermittlungen zum Mord an einer 19-jährigen Prostituierten schwebt, deutet pointiert auf eine mysteriöse Durchlässigkeit von Vergangenheit und Gegenwart; denn entscheidende Hinweise erhält Robicheaux ausgerechnet vom Geist eines Konföderierten-Generals, insbesondere die stete Ermahnung, sich nicht korrumpieren zu lassen.

Welchen Status diese Phänomene haben, ob sie Halluzinationen sind, eine Art imaginäre Selbstverständigung oder tatsächliche Erscheinungen, lässt die mutig Inszenierung offen und gründet darauf einen zentralen Nebenstrang um einen alkoholisierten Schauspieler, der gerade einen historischen Film über die Südstaaten dreht. Richtig kompliziert wird es allerdings erst durch Taverniers Chuzpe, sich die abgeklärte Ruhe der nicht nur physiognomisch gegerbten Hautfigur als erzählerische Grundhaltung zu eigen zu machen. Erst beim gründlichen Sehen registriert man die vielen Anspielungen und Hinweise, die Robicheaux als (aus-)definierte Serienfigur kennzeichnen. Was bisweilen den Anschein einer gewagten Patchwork-Dramaturgie erweckt, entpuppt sich als feines, sehr stimmiges Gespinst, auch wenn die Vorgeschichte(n) nicht als bekannt vorausgesetzt werden können.

Die große Kunst der beherzten Inszenierung besteht dabei gerade darin, alles miteinander in Bezug zu setzen: die Psyche des Detectives, Diskriminierung und politische Missstände, Vergangenheit und Gegenwart, das organisierte Verbrechen und tiefsinnige Reflexionen über die hermeneutischen Voraussetzungen des Verstehens, was insbesondere für Robicheaux von Bedeutung ist, auch im Ungefähren nicht die Orientierung zu verlieren. Das gilt für den Film insgesamt, der wie der dezente Soundtrack auf eine Mischung aus Details und Intuition vertraut: das gelassene Alterswerk eines Routiniers, der sich die Freiheit fragmentarischen Erzählens nimmt.

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