Der Himmel über Berlin

Wim Wenders poetische Großstadtmärchen, das im Oktober 1987 erstmals die Zuschauer verzauberte, kommt in einer restaurierten Fassung ab 12. April wieder ins Kino

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Jeder neue Film wird einmal 30, selten aber ist ein Film so glücklich gealtert wie „Der Himmel über Berlin“. Zu den Engeln über Berlin hat sich noch der Engel der Geschichte gesellt und seinen Segen gegeben. Zwei Jahren nach seinem Erscheinen – deutscher Kinostart war der 29.10.1987 – fällt die Berliner Mauer, was angesichts dieses Films fast schon wie Metaphysik wirkt. Selbst die Brücke, an der ein Sterbender liegt, ist die spätere Mauerfallbrücke, die Bösebrücke. Als der Film seinerzeit in die Kinos kam, war die Geschichte schon etwas gewöhnungsbedürftig, so haarscharf am Berliner-Mauer-Kunstgewerbe gebaut. Bis dahin war Wim Wenders ein Erzähler deutscher Bilder- und Lebenswelten, ein Chronist vom „Stand der Dinge“ (1982) und vom „Lauf der Zeit“ (1975). Und er war auch in der weiten Welt unterwegs, vor allem in den USA, deren populärer Kultur er so viel verdankt („Alice in den Städten“, 1973, „Paris, Texas“, 1984), auch wenn er 1991 bekannte, dass er seinen Kindertraum von dem ›Gelobten Land‹ ausgelebt habe. Als er uns 1987 Otto Sander und Bruno Ganz als „Flattermänner“ präsentierte, war das sein erster Ausflug ins Metaphysische.

Das Geschichtenerzählen, das Schreiben und Lesen

Aber dann fügt sich doch alles wunderlich in Wenders’ Werk ein. Ein zentraler Ausgangspunkt in seinem Schaffen ist das Misstrauen gegenüber falschen Bildern und Mythen. „Ich glaube nicht, dass es irgendwo sonst einen solchen Verlust an Zutrauen in eigene Bilder, eigene Geschichten und Mythen gibt wie bei uns.“ Wenders setzt dem die Bedeutung des Worts entgegen: „Wenn die Welt der Bilder auch aus allen Fugen gerät, und wenn sich über den Fortschritt und die Technik die Bilder immer mehr verselbstständigt haben, sodass sie jetzt schon aus der Kontrolle geraten sind und demnächst noch so viel mehr geraten werden, so gibt es doch auch eine andere Kultur, die Gegenkultur, in der sich nichts geändert hat und in der sich nichts ändern wird: das Geschichtenerzählen, das Schreiben und Lesen, das Wort.“ Und mit dem Wort geht alles los.



Otto Sander folgt als Cassiel in seinem berühmten Flug von der

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