Zum Tode von R. Lee Ermey

Ein Nachruf auf den amerikanischen Schauspieler (24.3.1944-15.4.2018)

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Kaum jemand konnte auf der Leinwand allein durch den furchteinflößenden Kasernenton seiner Stimme so viel Unbehagen erzeugen wie der US-amerikanische Schauspieler R. Lee Ermey. Sein Auftritt als Schleifer Sergeant Hartman, der junge Soldaten in der Vorbereitung für den Vietnamkrieg erbarmungslos malträtiert, beleidigt und erniedrigt, um sie zu Kampfmaschinen zu formen, machte 1987 die erste Hälfte von Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ zu einem unvergesslichen Einblick in die entmenschlichte Hölle des Krieges – packender als der zweite Teil im tatsächlichen Kriegsgeschehen, wo Ermeys Figur nicht mehr vorkommt. Dabei war der Auftritt, der Ermey unter anderem eine Nominierung für den „Golden Globe“ einbrachte, so gar nicht vorgesehen. Ermey war als Soldat und Ausbilder selbst im Vietnamkrieg gewesen und nach seiner Militärlaufbahn Berater bei Kriegsfilmen (etwa schon bei „Apocalypse Now“). Auch Stanley Kubrick hatte ihn nur in dieser Funktion angeheuert, war dann aber so von Ermeys Begabung für ausladende Tiraden beeindruckt, dass er ihm die Schlüsselrolle des Ausbilders anvertraute und den schauspielerischen Laien – gegen alle Prinzipien des Regie-Perfektionisten – ungehindert improvisieren ließ.

Der fulminante Eindruck dieses Filmeinstiegs verschaffte R. Lee Ermey eine zweite Karriere als Darsteller mit über 100 Film- und Fernsehauftritten, in denen er fast ausschließlich weitere knallharte Autoritätspersonen verkörperte: Sheriffs (in Marcus Nispels „Texas Chainsaw Massacre“-Remake), Richter („Murder in the First“), Bürgermeister („Mississippi Burning“) und immer wieder Angehörige des Militärs. Gebrochen wurde diese einseitige Festlegung durch Parodien seiner ersten Rolle, eindeutig erkennbar etwa als dienstbeflissener Spielzeugsoldat in den „Toy Story“-Filmen, in karikierter Form bei den „Simpsons“ oder auch als Vater von ähnlich menschenfeindlichen Fernsehcharakteren wie „Dr. House“ oder dem ewig missgestimmten Hausmeister in der Sitcom „Scrubs“. Im Kino war er zuletzt als unleidiger Nachbar in der Science-Fiction-Komödie „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ (2012) zu sehen.


Fotos aus "Full Metal Jacket", "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre": Warner, Paramount

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