Cannes 2018/#5: AußenseiterInnen

Neue Filme von Jean-Luc Godard, Jia Zhang-Ke, Joe Penna und Ali Abbasi

Diskussion

Ein solides Festival, aber bislang wenig Spektakuläres. So präsentiert sich Cannes vor dem ersten Wochenende. Jean-Luc Godard monologisiert über Krieg, Gewalt und die arabische Welt, Jia Zhang-Ke porträtiert eine starke Frau („Ash is Purest White“) und Mads Mikkelsen quält sich durch die „Arctic“. Eine Entdeckung: „Gräns“ von Ali Abbasi.


Hier geht es zu den Trailer der Filme "Gräns", "Le Livre d'Image", "Ash is purest White" und "Arctic"


Wie ein Gebirge steht die Zollbeamtin am Gangway der Fähre von Schweden nach Dänemark: still, massiv, nahezu unbeweglich. Nur manchmal geht ein Zucken über ihre Züge, wenn sie Verdächtiges riecht. Ihre Kollegen finden dann Alkohol und Drogen, Schmuggelgut aller Art, aber auch andere Dinge, die mit schrecklichen Verbrechen zu tun haben.

Über diese Fähigkeit der freudelosen, äußerlich geradezu entstellten Frau erfährt man lange nichts Genaueres, nur dass sie die Empfindungen von Menschen „sehen“ kann, insbesondere jene, die mit Verbotenem zu tun haben. Abends, zuhause in einem abgelegenen Haus im Wald, streift sie die Schuhe ab und läuft barfuß übers nasse Moos, lauscht dem Klopfen der Spechte, spricht mit einem Fuchs, der sie neugierig mustert, oder tätschelt den Kopf eines Elches, der plötzlich vertraulich neben ihr steht.

"Gräns"
"Gräns"

Das alles filmt der im Iran geborene Filmemacher Ali Abbasi mit stiller, unaufdringlicher Kamera, was in seiner Wortlosigkeit eine wachsende Spannung erzeugt. Der inhaltliche Nebenstrang um Ermittlungen gegen einen der Kinderpornografie verdächtigen Mann wäre für die Intensität dieser Annäherung an eine scheinbar wenig sympathische Außenseiterin gar nicht nötig – und dient inhaltlich auch anderen Zwecken, wie sich später zeigt. Die Wendung, die dem

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