Der Kurier (2018)

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Eine enge räumliche Begrenzung ist für das Medium Film, das die Bewegung liebt, immer eine dramaturgische und visuelle Herausforderung – schwierig, aber mitunter sehr produktiv. Vor allem in so genannten „Kammerspielen“, die davon leben, Figuren wie in dramaturgischen Druckkammern aufeinander loszulassen, um in verdichteter Form Konflikte auszufechten. Aber auch in Suspense-Stoffen aus dem Thriller-, Horror- oder Survival-Genre kann ein begrenzter Aktionsradius Wunder wirken, man denke etwa an Alfred Hitchcocks Klassiker „Das Rettungsboot“ oder aus jüngerer Zeit an J.C. Chandors „All Is Lost“ oder Rodrigo Cortés’ „Buried – Lebendig begraben“, in denen Protagonisten auf einem Boot oder in einem Sarg um ihr Überleben kämpfen.

„Der Kurier – In den Fängen des Kartells“ von Jesper Genslandt folgt demselben Prinzip und sperrt seine Hauptfigur, abgesehen von Rückblenden und dem Showdown ganz am Ende, während des ganzen Films im Cockpit einer kleinen Cessna ein, die des Nachts von den USA Richtung Mexiko fliegt. Der Film hat in Daniel Radcliffe einen Hauptdarsteller, der die Herausforderungen einer solchen Erzählung, in der die Kamera notgedrungen fast ausschließlich auf den Protagonisten fokussiert ist, durchaus tragen kann. Allerdings muss Radcliffe als junger Pilot, der Drogen im Auftrag dubioser Bosse schmuggeln soll, nicht nur weitgehend ohne Mitakteure auskommen, sondern auch ohne ein gutes Drehbuch, das ihm spannendes Futter für seine One-Man-Show liefern würde.

Das fängt bei dem Motiv an, das dem Ex-Soldaten Sean für seine kriminellen Aktivitäten mitgegeben wird: eine krebskranke Verlobte, für deren Behandlung Geld herangeschafft werden muss, ist zwar ein redlicher, zugleich aber auch arg klischeehaft-langweiliger Grund für den Flirt mit dem organisierten Verbrechen. Aus den Funkkontakten, die Sean während des Fluges mit seiner Jen hat, ergibt sich allenfalls etwas Rührseligkeit, aber kein überzeugender moralischer Konflikt, geschweige denn viel Potenzial für innere Entwicklungen. Ähnlich lauwarm bleiben Seans Auseinandersetzungen mit seinen diversen Kontaktleuten und die Schwierigkeiten, denen er auf seinem Flug begegnet. Was u.a. damit zusammenhängen mag, dass den Machern das Geld für dramatische Luft-Aktion fehlte.

Einen fesselnden Kampf mit den Elementen, wie ihn etwa Robert Redford in „All Is Lost“ erlebte, kann der Film ebenso wenig stemmen wie handfeste Auseinandersetzungen mit Seans Kontaktleuten; diese jagen ihm zwar zwischendurch eine Drohne hinterher, ohne dass die Inszenierung es jedoch schaffen würde, daraus eine packende Gefahrensituation aufzubauen. Und um zumindest den psychologischen Druck zu vermitteln, der auf Sean lastet und durch Drohungen, Planänderungen und Ultimaten seitens seiner Auftraggeber immer weiter erhöht werden soll, bräuchte es schlicht bessere Dialoge und ein glaubwürdigeres Szenario. So kämpft Daniel Radcliffe dabei, Seans Dilemma mit Leben zu füllen, von Anfang an auf verlorenem Posten: Inszenatorisch ist der Film schon abgestürzt, lange bevor die Cessna zum Showdown in Mexiko landet.

Anbieter/Fotos: Ascot Elite

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