Serie: Lost in Space

Eine Neuverfilmung des SciFi-Serienhits aus den 1960ern

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In den 1960er-Jahren waren sie ein echtes Space-Age-Produkt, die Familie Robinson, die in drei zwischen 1965 und 1968 ausgestrahlten Serienstaffeln beim Versuch, das Weltall zu kolonisieren, verschollen ging und auf einem fremden Planeten Abenteuer erlebte. In der Netflix-Serienneuverfilmung „Lost in Space – Verschollen zwischen fremden Welten“ wirkt das Ausgangsszenario immer noch aktuell, aber eher mit düsterer Dringlichkeit als mit Aufbruchsstimmung aufgeladen: Die Erde droht unbewohnbar zu werden; und der Menschheit bleibt nur die Hoffnung, irgendwo eine neue Heimat zu finden. Die Menschen werden zahlreichen Tests unterzogen, und die Ausgewählten erhalten das Privileg, unter dem Projekt „Ein neuer Anfang“, den Planeten Alpha Zentauri zu kolonisieren. Die „Resolute“, das riesige Besiedlungsschiff, das sich auf den Weg dorthin macht, beherbergt zahlreiche kluge Menschen, die für eine Neuzusammensetzung der Gesellschaft außerdem die wichtigsten Bereiche abdecken: Ärzte, Physiker, Biologen usw.

Unter den Auserwählten befindet sich die Familie Robinson. Nicht nur ist Maureen (Molly Parker) Luftfahrt-Ingenieurin und Familienoberhaupt, sondern auch Mutter von drei Kindern und praktisch alleinerziehend. Ehemann John (Toby Stephens) ist US Navy SEAL und beinahe ständig auf geheimer Mission unterwegs. Die sehr unterschiedlichen Kinder setzen sich zusammen aus Judy (Taylor Russell), Tochter aus erster Ehe, ausgebildete Ärztin und hochintelligent, Penny (Mina Sundwall) und dem jüngeren Will (Maxwell Jenkins), der, wie der Zuschauer bald erfährt, gar nicht unter den Auserwählten hätte sein sollen und selbst fortwährend an sich zweifelt. Als die „Resolute“ von außerirdischen Robotern angegriffen wird, kann sich die Familie auf ihr Schiff „Jupiter 2“ flüchten und sich auch retten – gerät jedoch in ein Wurmloch und gilt vorerst als verschollen beziehungsweise „lost in space“.

Die Familie landet auf einem unbekannten Planeten, der der Erde ähnlich und also bewohnbar erscheint, und versucht von hier aus, zur „Resolute“ zurückzufinden. Hier begegnen sie nicht nur fremden Wesen und alten Bekannten, sondern werden konfrontiert mit zahlreichen persönlichen Herausforderungen. Alter Ballast wird von der Erde mitgenommen (und in Rückblenden in die Serie eingebunden), was bedeutet, dass die Eheprobleme der Robinsons, geschwisterliche Rivalität, brüderliche Selbstzweifel weiterhin zu den täglichen Kämpfen gehören. Gleichzeitig bringt das Neue aber auch durchaus feministische Kraft und Neugier, eine starke Emanzipation von den großen Schwestern und gefährliche Abenteuer, die zusammenschweißen, mit sich. Soziologisch-philosophisch begründete Fragen, die sich mit Gut und Böse beschäftigen oder mit dem Fremden und Eigenen, stehen plötzlich nicht nur an der Tagesordnung, sondern entscheiden ganz grundsätzlich über Leben oder Tod. Dabei spielen eine neu hinzugekommene Passagierin, Dr. Smith (Parker Posey in einem Part, der in den 1960er-Jahren mit einem Mann besetzt und der heimliche Star der Serie war), und ein außerirdischer Roboter (Brian Steele) Rollen, die starker Motor sind für verschiedenste dramaturgische Wendungen.

Was die Serie stark macht, ist ihre Realitätsnähe: Aus der einstigen traditionellen Familienstruktur der 1960er-Jahre, in der ein jeder – und vor allem jede! – seine und ihre feste Rolle hatte, wirkt die Familie Robinson offener. Die 18-jährige Judy ist nicht nur die Tochter aus einer früheren Beziehung Maureens, sondern auch afroamerikanisch, hochintelligent und bereits Ärztin. Maureen ist hier an erster Stelle Wissenschaftlerin und Mutter von drei Kindern; ihr Part als Ehefrau definiert sie weniger: Die Scheidungsabsichten werden offen ausgesprochen, es findet keine Vorspiegelung falscher idyllischer Tatsachen statt. Dafür ist die Situation viel zu ernst.

Zwar zielt die Serie darauf ab, die Einheit „Familie“ wieder herzustellen; in welcher Konstellation ist jedoch ungewiss. Alle Beteiligten lernen durch die außergewöhnlichen – weil interstellar, extraterrestrisch oder unvorhersehbar – und lebensgefährlichen Abenteuer, mehr zu sich selbst und zu ihren Nächsten zu finden. Letzten Endes ist jedoch die hoffnungsfrohe Neugier auf ein Leben außerhalb der Erdatmosphäre, die die Serie in den 1960ern prägte, einer wissenschaftlich fundierten Notwendigkeit gewichen, sich wegen des durch die Menschen verschuldeten maroden Zustandes der Erde auf Neues einzustellen und damit umzugehen.

Das macht die zehn Teile der ersten Staffel der Serie zu einer kurzweiligen und spannenden Entdeckung. Die Science-Fiction-Serie passt ihre Charaktere und die inhaltliche Dramaturgie des Originals heutigen Gegebenheiten an und hat es dadurch geschafft, ein Remake zu kreieren, das nicht einfach als eine Wiederholung des Alten daherkommt, sondern die Geschichte weiterentwickelt, ihr gleichzeitig aber treu bleibt.

Anbieter/Fotos: Netflix

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