Cannes 2018/#8: Spike Lee vs. Lars von Trier

Cannes 2018/#8

Diskussion

Man ist mit Lars von Trier ja schon viele dunkle Wege gegangen, von „Europa“ (1990) bis zu „Antichrist“ (2009) oder den beiden „Nymphomaniac“-Teilen (2013). In „The House That Jack Built“ aber verliert man sich im Wald seiner Provokationen und findet nicht mehr heraus. Von Triers Regie-Statement, dass er viele Jahre lang Filme über gute Frauen gemacht habe und nun eben einen über einen bösen Mann, negiert den Abgrund, in dem am Ende nicht nur der Serienkiller (Matt Dillon), sondern auch der Film und mit ihm sein Regisseur versinkt. Denn es fällt schwer, die unerträglichen Schilderungen eines hochreflektierten Psychopathen nicht als zynisch und amoralisch abzutun.

Die einschmeichelnde Stimme von Bruno Ganz begleitet Jacks brutales Treiben von Anfang an und windet fragende Rationalisierungen um das mörderische Tun. In fünf Kapiteln folgt man zweieinhalb Stunden lang aus der Sicht eines gefühlskalten Killers einer Performance, die das Töten von Menschen zur Kunst adeln will. Dabei werden mit der schon in „Nymphomaniac“ erprobten Technik wahnwitziger enzyklopädisch-assoziativer Exkurse immer wieder durchtriebene Analogien von Glenn Gould bis zu Hitler und Stalin in die Handlung gestreut, die mit wachsender Grausamkeit einen Mord an den anderen reiht.


Die Inszenierung spart nicht mit galliger Ironie. Das erste Opfer (Uma Thurman) „provoziert“ seinen Tod durch unerträgliches Gequatsche über Serienkiller. Die Zweite ist eine Witwe, aus deren Herzen das Blut in roten Bogen schießt, was Raum für eine absurde Demonstration von Jacks wahnhafter Zwanghaftigkeit gibt. Eine Mutter und ihre zwei Kinder werden nach Jagdprinzipien erlegt, einer Geliebten beide Brüste abgeschnitten. Damit nicht genu

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