Cannes 2018/#9 – Unter Druck

Festivalblog aus Cannes 2018

Diskussion

Cannes steht unter Druck. In der US-amerikanischen Branchenpresse mehren sich kritische Stimmen, die sogar von einem Niedergang des Festivals sprechen. Der Grund: das Fehlen „echter“ (Hollywood-)Stars an der Croisette. Daran änderte auch die Aufführung „Solo: A Star Wars Story“ nichts. Das Festival kontert solche Vorwürfe mit dem, was es am besten kann: der Präsentation sperriger, vielfältiger Filme.

Wie weit die Spannweite reicht, macht ein Film wie „Under the Silver Lake“ (Trailer) von David Robert Mitchell klar, der auf den Spuren von David Lynch eine grotesk ausufernde Odyssee durch Los Angeles entwirft, die ihren Protagonisten (Andrew Garfield) durch mehr als ein Dutzend bizarrer Arrangements stolpern lässt. Obwohl die Hauptfigur wegen Zahlungsunfähigkeit aus ihrem Appartement zu fliegen droht, interessiert sich der Held ausschließlich für die verschwundene Blondine aus dem Basement. Auf der Suche nach ihr stürzt sich der Film mit tollkühner Verwegenheit in ein Meer aus filmischen Bezügen, popkulturellen Anspielungen und Genre-Elementen, in der es um einen Hundekiller, verborgene Botschaften in Liedern und Filmen, Prostitution und Drogen, Songs und Comics, Sex, Sehnsucht und eine Müsli-Box geht, die den Weg in die Sterne weist. Eine wüste, wilde, rauschhaft ungezügelte Filmfantasie, so maßlos wie somnambul, grandios fotografiert und ohne Rücksicht auf Konventionen inszeniert.

"Under the Silver Lake"
"Under the Silver Lake"

Das aktuelle Gegenstück zum halluzinogenen Kino eines David Robert Mitchell ist „En Guerre“

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