Die weißen Nächte des Postboten

30.5., 21.40-23.20, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

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Beim Filmfestival in Venedig gewann der Russe Andrej Kontschalowski 2014 für diesen ruhigen semidokumentarischen Ausflug in den kargen, wenig bevölkerten Norden seines Landes den Wettbewerbs-Regiepreis der Internationalen Jury. Mit Laiendarstellern inszeniert, die mehr oder weniger sich selbst spielen, taucht der Film ein in die Lebenswelt einiger Dorfbewohner, die an einem weltvergessenen See im Norden Russlands ausharren. Und das obwohl sich immer mehr abzeichnet, dass die Gegend verödet: Häuser stehen leer; die Schule am Ort wurde längst geschlossen und verfällt langsam. Rund um den Postboten, der per Motorboot der einzige Kontakt der Dorfbewohner zur Außenwelt ist, entfalten sich ruhig entwickelte, kleine Geschichten und Schicksale, die Einblicke in den Alltag, die Arbeit und Mentalität der Leute geben; und schließlich verdichtet sich das Ganze zum kleinen Drama, als der Motor vom Boot des Postboten geklaut wird und plötzlich seine Existenz auf dem Spiel steht. So unspektakulär der Film ist, so unwiderstehlich ist doch die Sogwirkung, die die geduldige, zwischen Überwachungskamera-Look/RealityTV, poetischen Naturbildern und surrealen Einschüssen wechselnde Inszenierung entfaltet. – Sehenswert ab 14.

Foto: ASC Distribution

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