75. Geburtstag Hermann Beyer

31.5., 23.45-02.25, rbb Fernsehen

Diskussion

Mit seinem zurückhaltenden, realitätsnahen Spiel gehörte der 1943 geborene jüngere Bruder des Regisseurs Frank Beyer zu den geschätzten Darstellern der DDR und fand auch im wiedervereinigten Deutschland rege Beschäftigung. Zu seinem 75. Geburtstag am 30. Mai ehrt in rbb Fernsehen mit zwei seiner prägnantesten Filme: In „Treffen in Travers“ (23.45-01.25, Sehenswert ab 16) verkörpert Beyer den deutschen Dichter Georg Forster, der 1793 in einem Schweizer Städtchen mit seiner Frau (Corinna Harfouch) und ihrem Liebhaber (Uwe Kockisch) zusammentrifft, um die Scheidung auszuhandeln. Doch sind noch längst nicht alle Bindungen und Beziehungen erloschen, sodass ein klassischer Dreieckskonflikt vor dem Hintergrund der Französischen Revolution entsteht. Unter der Regie von Michael Gwisdek entfaltet sich ein eindrucksvolles Kammerspiel von atmosphärischer Dichte.

Das 1994 entstandene Regiedebüt „Der Kontrolleur“ (01.25-02.25, ab 14) zeigt Hermann Beyer danach als ehemaligen Kontrolleur an der deutsch-deutschen Grenze, der seinen sinnlos gewordenen Dienst auch nach der Wiedervereinigung weiter versieht. Auf Annäherungen von außen reagiert er zunächst aggressiv und verstört, bevor er sich radikal zurückzieht. Ein lakonisch und präzise beobachtender Erstlingsfilm, verdichtet zu einer intensiven Studie, die ebenso beklemmend wie in der Grundsätzlichkeit der Situation erhellend das Leben eines Mannes beschreibt, das aus den Fugen gerät und Angst, Panik, Orientierungs- und Haltlosigkeit zu erkennen gibt.

Foto aus „Treffen in Travers“: rbb/DEFA-Stiftung/Klaus Goldmann

Kommentar verfassen

Kommentieren