Alles bündelt sich

Montag, 04.06.2018

Ein Interview mit Andreas Pichler zum Kinostart von „Der sechste Kontinent“

Diskussion

Die Dokumentarfilmarbeiten von Andreas Pichler (unter anderem „Das Venedig Prinzip“, „Das System Milch“) fungieren nicht selten als Mahnungen: Sie wollen gesellschaftspolitische Diskussionen anstoßen. Für „Der sechste Kontinent“ (Kinostart am 7. Juni, hier die Filmkritik) hat der Südtiroler Filmemacher das „Haus der Solidarität“ in Brixen besucht: Dort leben in einem außergewöhnlichen Ehrenamtsprojekt etwa 50 Menschen aus 20 Nationen auf engstem Raum zusammen und hoffen auf einen Neustart für ihr Leben. Ein Gespräch über gestrandete Existenzen, seine Haltung als Filmemacher und die soziale Kraft des Kinodokumentarfilms.


Die Geschichte der Menschheit steckt voller Abenteurer wie Christoph Kolumbus und auch der Dokumentarfilm lebt seit jeher von persönlichen Entdeckungen. Für Ihren neuen Film „Der sechste Kontinent“ haben Sie viel Zeit im so genannten „Haus der Solidarität“ im italienischen Brixen verbracht. Wie sind Sie auf diesen titelgebenden „sechsten Kontinent“ gestoßen, mit dem einer Ihrer Protagonisten jenen Ort anfangs bezeichnet?

Andreas Pichler: Das ist, wie so oft bei mir, eine spezielle Geschichte: Dieses „Haus der Solidarität“ besteht schon länger und liegt nur 30 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Und so hatte ich natürlich schon öfters von diesem besonderen Haus gehört, obwohl ich es mir nie richtig angeschaut hatte. Es war dann erst eine deutsche Kollegin, Tanja Georgieva, die mich durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung noch genauer darauf gebracht hat. Danach bin ich erst einmal alleine drei Tage lang dorthin gefahren, um mir das genau anzusehen, bis die Idee immer weiter in mir gereift ist: Über diese Menschen und dieses Haus muss ich unbedingt einen Dokumentarfilm drehen! Wir haben danach ungefähr ein halbes Jahr mit der Finanzierung verbracht und dann auch schon relativ schnell losgedreht: Insgesamt gut ein Dreivierteljahr mit kurzem Vor- und Nachklapp.


„Es ist wie eine Art Brücke“ sagt Sumi, eine Ihrer vier Hauptfiguren, gleich zu Beginn über jenes „Haus der Solidarität“. Zusammen mit Erwin, Ousman und Hatem lebt sie dort mit etwa 50 Menschen. All diesen Bewohnern auf Zeit ist eines gemeinsam: Sie sind gesellschaftlich gestrandet. Einige mussten aus ihrer Heimat flüchten oder wurden jahrelang geschlagen, andere wurden systematisch gestalkt oder kämpfen bis heute mit ihrer Alkoholsucht. Warum haben Sie sich gerade auf diese vier Geschichten konzentriert? Und weiter gefasst: Welche Brücke schlagen Sie mit „Der sechste Kontinent“ zu Ihrem bisherigen Oeuvre?

Pichler: Viele dieser Geschichten gingen mir einfach so nah: Die mussten einfach erzählt werden! Denn in diesem gre

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