The 12th Man - Kampf ums Überleben

Ein norwegisches Survival-Drama aus dem Zweiten Weltkrieg nach realen Ereignissen

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Den zwölften Mann, den der Filmtitel meint, hat es wirklich gegeben: Jan Baalsrud war im Zweiten Weltkrieg einer von einem Dutzend norwegischen Widerstandskämpfern, die in England ausgebildet wurden, um dann in ihrem Heimatland einen deutschen Flughafen zu zerstören. Allerdings war die Aktion schon vorbei, bevor sie begann: Die Nazis brachten das Boot auf und verhafteten die Saboteure, nur einer konnte entkommen, eben Baalsrud. Nun erzählt der niederländische Regisseur Harald Zwart, den man durch Filme ganz anderer Art kennt, nämlich „Agent Cody Banks“ sowie die Remakes von „Der rosarote Panther 2“ und „Karate Kid“, die Geschichte seiner Flucht nach Schweden, die in erster Linie eine Leidensgeschichte ist.

Das beginnt schon mit der Bucht, die Baalsrud mit geringem Vorsprung vor den Nazis bei Minus-Temperaturen mitten im Winter Nordnorwegens durchschwimmen muss. Eigentlich ist die Gestapo davon überzeugt, dass er diese Aktion nicht überlebt hat, zumal er angeschossen wurde. Doch ohne Leiche kein Beweis. Und Kommandant Kurt Stage, dargestellt von Jonathan Rhys Meyers, ist berüchtigt dafür, dass ihm noch niemand entkommen ist. Für ihn wird die Jagd auf Baalsrud darum zur persönlichen Angelegenheit. Baalsrud hingegen avanciert rasch zum Hoffnungsträger der norwegischen Bevölkerung. Wenn er es schafft, schafft es das Land auch. Seine Landsleute helfen ihm darum überall, wo er überraschend auftaucht, und werden so zu den eigentlichen Helden des Films. Baalsrud findet Unterschlupf auf einem Bauernhof, in einer einsam gelegenen Hütte, unter einem riesigen Stein, wo er mehrere Tage ausharren muss, weil ihn die Fluchthelfer eines Missverständnisses wegen nicht finden. Unterwegs ist er zu Fuß, per Boot und auf Skiern. Einmal gerät Baalsrud sogar in eine Lawine – die wohl spannendste und visuell spektakulärste Szene des Films.

Ein Kampf gegen die Natur und die Elemente, gegen Kälte, Wasser und Schnee

Baalsruds Kampf ist vor allem ein Kampf gegen die Natur und die Elemente, gegen Kälte, Wasser und Schnee. Das erinnert an Filme wie „The Revenant – Der Rückkehrer“ von Alejandro González Iñárritu und „In the Deep“ von Baltasar Kormákur, der die Hauptfigur ebenfalls der Unbarmherzigkeit des Meeres auslieferte. Baalsrud wird so zum überlebensgroßen Helden, dessen Leid durch Kälte, Schussverletzungen und Wundbrand ins Extrem gesteigert wird. Wenn er am Ende der Rahmenhandlung, die sich drei Monate später zuträgt, aus dem Bild humpelt, ist er noch immer körperlich gezeichnet. Über seinen Charakter, seine Motive, erfahren wir allerdings wenig. Seine Figur ist auf den nackten Überlebenskampf reduziert, in dem sich die Dialoge mit anderen auf das Praktische beschränken. Auch Baalsruds Albträume, in denen er seine Gefangennahme fürchtet, tragen nicht zur Abrundung des Charakters bei.

Die Nazis hingegen begnügen sich, wie so oft im Kino, mit Schreien, Befehlen, Schießen und Foltern. Wenn Kurt Stage aus Mangel an geeigneten Männern selbst ins eiskalte Wasser geht, um mit der Uhr zu stoppen, wie lange man es darin aushalten könnte, ist dies vor allem ein lächerliches Bild. Solche Schwächen des Films werden durch die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen wieder wettgemacht. Nordnorwegen ist mit seinen Fjorden, den schneebedeckten Bergen und dem grünen Polarlicht (das die Deutschen, einem Running Gag zufolge, nicht stehlen können) eine beeindruckende Schönheit, in der der Tod aber nie weit entfernt ist. Michael Ranze


Anbieter/Fotos: Constantin

Die DVD enthält den Film auf Deutsch und Norwegisch mit optionalen Untertiteln für Hörgeschädigte. Ein siebenminütiges, in mehrere Teile zerstückeltes „Making Of“, in dem die wichtigsten Beteiligten kurz Auskunft über die Dreharbeiten und den authentischen Jan Baalsrud geben, sowie zwei Trailer machen das etwas dürftige Bonusmaterial aus.

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