Französische Fantasmagorien

Donnerstag, 21.06.2018

Ein essayistischer Überblick über die florierende Trickfilmwelt in Frankreich

Diskussion

In Europa macht den Franzosen beim Animationsfilm so schnell keiner was vor. Doch auch der mächtigen US-Konkurrenz hat die „Ich –Einfach unverbesserlich“-Reihe das Fürchten gelehrt. Ein Rundblick von Georges Méliès’ „Die Reise zum Mond“ (1902) bis zu „Zombillenium“ (2017) von Arthur de Pins über einen quicklebendigen Kontinent.


Das innige Verhältnis Frankreichs zum Trickfilm, zur Animation und zu visuellen Effekten ist so alt wie das Kino selbst. Émile Reynaud schuf um 1892 den ersten Trickfilm, knapp eine Dekade bevor Walt Disney geboren wurde. Georges Méliès, ein Vaudeville-Zauberkünstler, begann um dieselbe Zeit mit der Produktion von Visual-Effects-Filmen, deren bekanntester, „Die Reise zum Mond“ (1902), noch heute oft zitiert wird. Emile Cohls „Fantasmagorie“ (1908) setzte dann endgültig Maßstäbe und definierte das Medium. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlor Frankreich zwar seine führende Rolle im Trickfilm an die USA, doch die Liebe des französischen Publikums zur Animation und ihren visuellen Effekten war dauerhaft geweckt.

Diese Hinneigung zu emotionalen Bildergeschichten spiegelt sich auch in der Erfolgsgeschichte der so genannten Franco-Belgischen Comic-Schule um René Goscinny und Hergé, deren Helden Asterix, Obelix, Tim und Struppi weltweit Berühmtheit erlangten. Ihre Ästhetik und Bildsprache hat das visuelle Verständnis des Geschichtenerzählens für Generationen geprägt. Ende der 1950er-Jahre führte das ausgeprägte Selbstbewusstsein der französischen Animationsszene sogar zur Abspaltung des Animationssegments von den Filmfestspielen in Cannes; ab 1960 fand dies im Trickfilmfestival von Annecy seine endgültige Heimat.


Trickfilmschulen und Studios schießen aus dem Boden

Und heute? Die technischen Revolutionen und die tricktechnischen Erfolgsfilme aus den USA, die seit „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) und „Toy Story“ (1995) die künstlerischen Möglichkeiten geradezu explodieren ließen, lösten auch in Frankreich einen riesigen Animationsboom aus. Der französische Staat wie auch die einzelnen Regionen begannen das

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