Über Kindheit & Tod

Mittwoch, 25.07.2018

Ein Interview mit der katalanischen Filmemacherin Carla Simón zu „Fridas Sommer“

Diskussion

Carla Simóns Spielfilmdebüt „Fridas Sommer“ erhielt auf der Berlinale 2017 den Preis für den besten Nachwuchsfilm und erntete international zahlreiche weitere Auszeichnungen. Die 1986 in Barcelona geborene Filmemacherin erzählt darin eine Geschichte mit autobiografischen Zügen über ein sechsjähriges Mädchen, das in den 1990er Jahren seine Eltern durch die Krankheit AIDS verliert.


Welche Vorteile und welche Nachteile hat es für sie gehabt, ihr Spielfilmdebüt über die eigene Kindheit zu machen?

Carla Simón: Das hat mir das Drehbuchschreiben sehr erleichtert, weil ich mit allen Figuren so vertraut war und so viele Bilder in meiner Erinnerung hatte. Trotzdem musste ich eine Struktur entwickeln, die auch für andere verständlich ist. Bei der Regie wurde es dann noch komplizierter: da musste ich oft emotional auf Distanz zur eigenen Geschichte gehen. Beim Drehen entwickelt sich eine eigene Dynamik, da ordnen sich die persönlichen Erinnerungen und Gefühle der Geschichte unter. Es gibt Sachen, die mir am Anfang ganz wichtig vorkamen, aber für die Geschichte gar nicht so wichtig waren. Im Kino ist es wichtig, Prioritäten zu setzen.

Inwieweit identifizieren sie sich mit ihrer Hauptdarstellerin, der kleinen Laia Artigas, die Frida verkörpert?

Carla Simón: Das ist sehr interessant, weil ich mich in dem Kind Laia eigentlich nicht wiedererkenne. Aber wenn ich dann den fertigen Film und Laia in ihrer Rolle sehe, die wir zusammen erarbeitet haben, dann erkenne ich mich in dieser Frida schon wieder. Aber Laia fasziniert mich auch einfach wegen ihrer vielen Gesichtsausdrücke. Vor der Kamera entwickelt sie eine unglaubliche Intuition. Es scheint so, als hätte sie etwas in sich drin, aber man weiß nicht genau, was sie empfindet. Ihre Blicke gehen sehr tief.

Die Kinder im Film überzeugen durch ihre Natürlichkeit. Das hat mich an Traditionen im spanischen Film erinnert, ich denke etwa an Ana Torrent in „Cria Cuervos“ (1975) von Carlos Saura, „El espiritu de la Colmena“ (1973) von Victor Erice oder auch Manuel Lozano in „La lengua de mariposa

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