„Styx“ für LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments nominiert

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Der Film „Styx“ von Wolfgang Fischer, der dieses Frühjahr auf der Berlinale seine Premiere feierte und am 13. September in die deutschen Kinos kommt, ist einer von drei Finalisten in der Auswahl für den LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments.

Das Gremium honoriert mit dieser Auszeichnung jährlich „die Vielfalt der europäischen Film- und Kinokultur“ und will dazu beitragen, „europäische Filme einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und eine gesellschaftliche Debatte über Werte und soziale Themen in Europa anzuregen“, wie es in einer Presseerklärung des Europäischen Parlaments heißt. „Styx“ ist dafür ein würdiger Kandidat: Das Hochsee-Drama greift die Flüchtlingskrise auf und verdichtet sie zu einer fesselnden Gewissens-Tragödie. Eine Notfallärztin (Susanne Wolff), die mit ihrem Hochseesegler bei einem Törn tief in den Süden Erholung vom Dauerstress im Beruf sucht, trifft auf ein Flüchtlingsboot, das in Seenot geraten ist. Außer dem Schiff der Ärztin ist keine Hilfe in Sicht. Für sie stellt sich die Frage, ob und wie sie nun handeln soll, wo sie von Amts wegen nicht helfen darf.

"Styx"
"Styx"

Jörg Gerle schrieb anlässlich der Premiere im „Panorama“ der Berlinale“: „Regisseur Wolfgang Fischer lässt die Zuschauer über weite Strecken mit seiner Protagonistin alleine im Boot. Er zwingt sie teilzuhaben an der Schönheit, an der Naturgewalt, an der Einsamkeit und an dem Albtraum auf See. Ganz großartig: die Kamera von Benedikt Neuenfels! Ganz glaubhaft: Susanne Wolff als Hauptdarstellerin! Fischer zwingt uns, mit seiner Protagonistin zu schweigen, zu leiden und dann Partei zu ergreifen – für oder gegen sie; für oder gegen die in Gefahr geratenen Menschenleben. ‚Styx‘ ist damit natürlich ein hochpolitischer Film, der still und umso radikaler Stellung bezieht – spätestens, wenn sich die Tragödie zuspitzt und die Ärztin einen jungen Afrikaner an Bord zieht, der auf dem Schiff der Todgeweihten noch Verwandtschaft hat. Selten wurde eine aktuelle, zum Himmel schreiende Unmenschlichkeit auf weltpolitischer Ebene so beiläufig und so eindrücklich auf den Punkt gebracht, anhand eines Einzelschicksals ausgelotet.“

Neben dieser deutsch-österreichischen Co-Produktion konkurrieren noch zwei Filme um den LUX-Filmpreis: der serbische Film „Die andere Seite von allem“ („Druga strana svega“) (Kinostart: 15.11.) von Mila Turajlić, der, festgemacht an einer Wohnung in Belgrad, die konfliktreiche Geschichte des Landes aufrollt, sowie „Woman at War“des IsländersBenedikt Erlingsson, ein Öko-Thriller, in dem sich eine Frau mit der Aluminium-Industrie Islands anlegt (Kinostart: 13.12.).

An den EU-Abgeordneten ist es nun zu entscheiden, welcher der drei Filme mit dem LUX-Filmpreis geehrt wird. Der Gewinner wird am 14. November 2018 in Anwesenheit der Regisseure im EU-Parlament in Straßburg verkündet. Etwas gewonnen haben aber auch schon alle drei Finalisten – und die europäischen Kinozuschauer: Das Europäische Parlament wird sie in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union untertiteln lassen und in vielen Städten und auf Festivals in ganz Europa zeigen. Zusätzlich werden die Filme im Rahmen der LUX-Filmtage im Herbst in den 28 EU-Ländern präsentiert.

Zur Webseite des LUX-Filmpreises

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