The Wilde Wedding

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Eve Wilde (Glenn Close) hat den Höhepunkt ihrer langen und erfolgreichen Schauspielerkarriere längst überschritten. In den Medien sind die Filmdiva und ihr Privatleben allerdings immer noch präsent. Dort ist auch ihre vierte Eheschließung mit dem gefeierten britischen Schriftsteller Harold Alcott (Patrick Stewart) Thema. An einem schönen Sommerwochenende treffen Kinder und Kindeskinder auf Eves Landsitz ein, ihre eigenen drei Söhne mit Anhang und eigenen Nachkommen, ehemalige Schwiegertöchter und neue Lebensgefährtinnen; Harolds drei Töchter und zahlreiche weitere Verwandte und Freunde. Mit dabei ist Laurence Darling (John Malkovich), ein berühmter Theaterdarsteller und zugleich Eves erster Ehemann und Vater ihrer Söhne.

Die lauschige Atmosphäre ist dazu angetan, neue Liebschaften entstehen und alte Beziehungen wieder aufblühen zu lassen. Das hat zur Folge, dass sich Eve, je näher der Zeitpunkt der neuerlichen Eheschließung rückt, umso mehr fragt, was sie eigentlich hier tut.

Als Chronistin des Wochenendes wie der Familiengeschichte setzt sich Eves Enkelin Mackenzie (Grace Van Patten) ins Bild, die mit einer kleinen HD-Kamera nicht nur die Charaktere und Biografien der Protagonisten nahebringt, sondern gleichzeitig auch der Frage nachgeht: „Was ist Liebe?“. Neben der Feldforschung zum Thema Liebe interessiert sich Mackenzie sehr für ihren Vetter zweiten Grades. Sie filmt den Beginn zahlreicher Romanzen, lauscht tiefsinnigen Gespräche im Licht der untergehenden Sonne – und postet schöne und böse Bilder blitzschnell in den sozialen Netzen.

„The Wilde Wedding“ besitzt alle Zutaten einer unterhaltsamen Familienkomödie: hervorragende Schauspieler und eine beeindruckende Location. Er erzählt die bekannte Geschichte von der geplatzten Hochzeit und der Wiederverheiratung der Ex-Eheleute, die seit dem Broadway-Bühnenstück „The Philadelphia Story“ (1939) von Philip Barry immer wieder mit viel Erfolg im Kino inszeniert worden ist, etwa als Musical „Die oberen Zehntausend“ (fd 5848) mit Bing Crosby und Grace Kelly; Ensemblefilme, die das Publikum leicht in den Bann schlagen.

Doch in „The Wilde Wedding“ gelingt Regisseur Damian Harris weder die Balance zwischen den Handlungssträngen noch die zwischen ernsten und komischen Momenten, die für das Genre so wichtig ist. Er inszeniert das Hochzeitswochenende als belangloses Potpourri für alle, ein „All-Age-Film“ als bemühtes Family-Entertainment, mit Video-Wackelbildern und Handychats für die Jungen sowie solider konventioneller Kamerakunst für die Älteren. Während am Strand unterm Sonnenschirm teurer französischer Rotwein getrunken wird, spielen die Enkel Beachvolleyball.

Enkel, Eltern und Großeltern, drei Generationen, gefangen in Kabale und Liebe. Mit wunderbaren Schauspielern wie Glenn Close, John Malkovich und Patrick Stewart werden Sommergewitter angedeutet, die sich aber nie wirklich entladen, weil die Vielzahl der Haupt- und Nebenfiguren im gefällig polyphonen Gezwitscher untergeht und holzschnittartige Klischees aneinandergereiht werden. So bringt der spanischsprachige Gast natürlich eine Gitarre mit, und die alleinerziehende Mutter schaut auch bei der Meditation immer mal wieder aufs Smartphone. So bleibt diese Wiederverheiratungskomödie von Anfang an vorhersehbar und ermüdet im Laufe langer 92 Minuten.


Anbieter: Universum

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