Ökumenische Jury zeichnet „Sibel“ in Locarno aus

Die Preise der Ökumenischen Jury beim 71. Locarno Festival (1.-11.8.2018)

Diskussion

Beim 71. Locarno Festival (1.-11.8.2018) hat die Ökumenische Jury das Drama „Sibel“ ausgezeichnet, zudem sprach die vom Katholischen Weltverband für Kommunikation SIGNIS und der protestantischen Internationalen innerlichkirchlichen Organisation INTERFILM berufene Jury zwei lobende Erwähnungen für Filme aus dem Wettbewerb aus. „Sibel“, eine Co-Produktion der Türkei mit Frankreich, Deutschland und Luxemburg, inszeniert vom Regie-Duo Çağla Zencirci und Guillaume Giovanetti, hatte auch als einer Favoriten für den „Goldenen Leoparden“ gegolten und gewann auch den Preis der Kritikervereinigung FIPRESCI. Der Ökumenischen Jury gehörten 2018 neben der Präsidentin Alina Birzache (Rumänien/Großbritannien) die Mitglieder Dietmar Adler (Deutschland), Anna Piazza (Italien/Spanien) und Baldassare Scolari (Schweiz) an.


Preis der Ökumenischen Jury

SIBEL

Regie: Guillaume Giovanetti, Çağla Zencirci

Türkei/Frankreich/Deutschland/Luxemburg

Begründung: Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die in einem Dorf in der türkischen Schwarzmeerregion lebt. Dort werden eine überlieferte Pfeif-Sprache und alte Rituale gepflegt. Weil sie stumm ist, wird Sibel von der Gesellschaft marginalisiert. Sie verbringt die meiste Zeit im Wald, auf der Suche nach einer Freiheit, die sie im Dorf nicht findet. Die Liebesbegegnung mit einem mysteriösen Flüchtigen ist der Ausgangspunkt eines Emanzipationsprozesses, durch den sie sich als Frau entdeckt. Der Film zeigt ein kraftvolles Bild einer Figur, die patriarchalische Strukturen und Identitäten in Frage stellt und so zu einem Beispiel für die Würde der anderen Frauen in der Gemeinschaft wird.


Lobende Erwähnungen

DIANE

Regie: Kent Jones

USA

Begründung: Vor dem Hintergrund einer winterlichen Landschaft führt der Film zu den letzten Etappen der kurvenreichen Straße von Dianes spiritueller Reise. Von ihrer vorbildlichen Selbstaufopferung im Dienste für andere wird unsere Aufmerksamkeit nach innen auf die Versöhnung mit ihrer Vergangenheit gerichtet. Der Film zeigt die Spannung von Schuld und Vergebung; er visualisiert Momente der Transzendenz, die durch die Routine von Dianes täglichem Leben scheinen.

und

A LAND IMAGINED

Regie: Yeo Siew Hua

Singapur/Frankreich/Niederlande

Begründung: Der Film setzt sich kritisch mit zeitgenössischer Sklaverei auseinander und zeigt die Notlage ausländischer Arbeiter in Singapur. Der Film, der Realität, Virtualität und Träume geschickt miteinander verknüpft, konzentriert sich auf die Untersuchung des Verschwindens von Arbeitern. Daraus entwickelt sich eine Reflexion über die Bedeutung von Grenzen, nationaler Souveränität und wirtschaftlicher Ausbeutung in einer globalisierten Welt sowie über die reale Möglichkeit der Solidarität zwischen Menschen aus verschiedenen Orten und Kulturen.


Foto aus „Sibel“: 71. Locarno Festival

Kommentar verfassen

Kommentieren