In deutscher Gesellschaft: Filmreihe

Eine Filmreihe mit Werken ausländischer Regisseure, die zwischen 1962 und 1992 für eine Weile in Deutschland-Ost oder -West lebten

Diskussion

Lange vor der Herausbildung eines „migrantischen“ Kinos in Deutschland, das sich erst in den 1980er-Jahren zu etablieren begann, hat es immer wieder Filmschaffende gegeben, die für eine gewisse Zeit in der Bundesrepublik oder der DDR gelebt haben und deren Filme, die in dieser Zeit entstanden sind, nicht primär der Selbstdarstellung einer „Minderheit“ verpflichtet waren. Das Zeughauskino in Berlin präsentiert ab Ende August unter dem Titel „In deutscher Gesellschaft. Passagen-Werke ausländischer Filmemacher*innen 1962-1992“ eine Filmreihe mit Arbeiten, die unter dieser Rücksicht bislang kaum in den Blick genommen wurden. In ihnen spiegeln sich vielfältige Erfahrungen im Umgang mit den Deutschen in Ost und West. Die Wahrnehmungen und Erlebnisse der „fremden“ Künstler eröffnen einen erfrischend anderen Blick auf die Gesellschaft, der die Deutschtümelei der neuen Rechten wohltuend konterkariert.

Die Reihe erhebt keinerlei Anspruch auf repräsentative Aussagen oder gar auf ein erschöpfendes Bild. Der Umstand, dass die Filme Lücken in der allgemeinen Wahrnehmung aufzeigen, indem sie Dinge in ein anderes Licht setzen oder aus einer anderen Perspektive betrachten, könnte dazu beitragen, sensibler oder zurückhaltender zu werden, wenn es um Urteile, Zuschreibungen oder Abgrenzungen geht.

Die Filmreihe interessiert sich dabei vorrangig für Werke von Regisseuren, die bislang kaum mit dem deutschen Filmschaffen assoziiert wurden, weil ihre Filmografien andernorts weitergingen oder generell unbekannt blieben. Der Zeitraum, den die Reihe umfasst, die Jahre zwischen 1962 und 1992, wurde in Anlehnung an die jüngere Geschichtsschreibung gewählt, als einer Phase der institutionellen Abgrenzung innerhalb der beiden Deutschlands, in der sich aller weltanschaulichen Feindschaft zum Trotz aber viele gesellschaftliche Entwicklungen in beiden Teilen des Landes gleichermaßen vollzogen.

Die Filmreihe „Passagen-Werke ausländischer Filmemacher*innen 1962-1992“ läuft vom 31. August bis 20. September im Zeughauskino Berlin. Das Programm und weiterführende Hinweise finden sich hier.


Foto: aus dem Film "Otobüs" (1975) von Tunç Okan, in dem es um einen Schleuser geht, der seine türkischen Landsleute in den Westen lockt und dann sich selbst überlässt. Quelle: Zeughauskino.


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