Widerspruch auf zwei Beinen

Sonntag, 19.08.2018

Andreas Dresen im Gespräch über seinen Film "Gundermann"

Diskussion

Den singenden Baggerfahrer Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955–1998) aus der Lausitz kennt jeder, der in der DDR groß wurde; in den alten Bundesländern ist er wenig populär. Andreas Dresen hat dem überzeugten Kommunisten, der wegen „prinzipieller Eigenwilligkeit“ aus der SED wie auch aus der Stasi flog, jetzt einen Spielfilm gewidmet: „Gundermann“  (hier geht es zur Filmkritik) startet am 23. August. Ein Gespräch über Systemrebellen in der DDR, ost- und westdeutsche Sozialisationen und den Begriff der „Werktätigen“ im deutschen Film.


Wann haben Sie zum ersten Mal ein Lied von Gerhard „Gundi“ Gundermann gehört? Und was hat das in Ihnen ausgelöst?

Andreas Dresen: Da kann ich mich noch gut daran erinnern: Das muss 1982/83 gewesen sein, als ich den schönen Dokumentarfilm „Gundi Gundermann“ gesehen hatte, der damals spät nachts im DDR-Fernsehen gesendet wurde und dem ein gewisser Ruf vorauseilte.


Sie spielen auf Richard Engels umstrittenen Dokumentarfilm an...

Dresen: Genau. Es war vorher schon durchgesickert, dass es bei der Abnahme Probleme gegeben habe. Und dass es dabei um einen etwas großmäuligen Arbeiter gehen sollte, der das Herz auf dem richtigen Fleck hatte, aber eben auch sehr kritisch in der Sache war. Kein Wunder, dass Gundermann später aus der SED rausgeflogen ist! Das hatte ich mir sofort angeguckt und dabei auch das erste Mal einige seiner Lieder gehört. Er sang mit einem sehr besonderen Ausdruck, fast ein wenig autistisch, das hat mich sehr beeindruckt.

Alexander Scheer als singender Baggerfahrer Gundi Gundermann
Alexander Scheer als singender Baggerfahrer Gundi Gundermann


Engel hatte sich Gundermann gleich zweimal vorgenommen...

Dresen: Ja, es gibt auch noch einen zweiten Film über ihn: „Ende der Eisenzeit“.


Darin sagt ein ehemaliger Tagebauleiter über Gundermann, dass er einer sei, „der uns tüchtig zu schaffen macht“. Dieser singende Arbeiter eckte scheinbar überall an: in der Partei wie am Arbeitsplatz.

Dresen: Genau dieses Störrische hat mir an ihm gefallen. Denn leicht hatte es wirklich keiner, der mit ihm zu tun hatte.


Über den realen Gerhard Gundermann existieren sehr unterschiedliche Sichtweisen: Die einen hielten ihn für einen Narren im System, der sich später selbst von der Stasi verführen ließ. Die anderen lobten ihn dagegen bis zum Schluss für sein gesellschaftspolitisches Engagement und seine Tüchtigkeit als Werktätiger, der si

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