Der Aufmischer

Mittwoch, 22.08.2018

Ein Porträt des US-amerikanischen Regisseurs Spike Lee anlässlich des Kinostarts von "BlacKkKlansman"

Diskussion

Seit gut vier Jahrzehnten arbeitet sich der 1957 in Atlanta, Georgia geborene Filmemacher Spike Lee an der „color line“ ab, am historischen und aktuellen Rassismus in den USA – auch in seinem aktuellen Film „BlacKkKlansman“. Ein Werkporträt über den Filmemacher, dessen Blick auf schwarze Identität und ihr Verhältnis zu US-Mehrheitsgesellschaft immer wieder für Diskussionen sorgt.


Zwischen Spike Lees Anfängen als Filmemacher und seinem aktuellen Film „BlacKkKlansman“ liegen fast 40 Jahre – und die Regierungszeiten fünf verschiedener US-Präsidenten. Wer glaubte, in diesen vier Dekaden hätte Lees dringlichstes Thema – die „color line“ oder konkreter: der historische wie aktuelle Rassismus in den USA – an Relevanz verloren, wurde allerspätestens mit Trumps Politik der weißen Vorherrschaft eines Besseren belehrt. Bezeichnenderweise schließt Lee mit „BlacKkKlansman“ an seinen ersten, 1979 noch an der New YorkerTisch School of the Arts gedrehten Kurzfilm „The Answer“ an, der mitten in der von offenem Rassismus geprägten Reagan-Ära entstand (der Film ist öffentlich nicht zugänglich, ein kurzer Ausschnitt findet sich aber auf Youtube). Darin wird ein afroamerikanischer Drehbuchautor beauftragt, ein 40 Millionen teures Remake von „Birth of a Nation“ zu drehen. Als er den Auftrag ablehnt, bekommt er Drohungen von Ku-Klux-Klan-Leuten, die vor dem Fenster seines Hauses ein Kreuz anzünden.

Im agitatorischen Tonfall weist Lee in „The Answer“ auf ein dunkles Kapitel der US-amerikanischen Filmgeschichte hin: den Zusammenhang zwischen D. W. Griffith rassistischem Historienfilm „The Birth of a Nation“ (1915) und der Renaissance des Ku Klux Klans. In „BlacKkKlansman“ widmet er dem gefährlichen Nachwirken des Films eine ausgedehnte Szene. Und er bedient sich dabei einer simplen Montagetechnik, deren Etablierung als Erzählmittel Griffith zugeschrieben wird: der Parallelmontage. Bilder einer von wüsten Anfeuerungen begleiteten Vorführung von „Birth of a Nation“ anlässlich einer Initiationszeremonie neuer Klan-Mitglieder wechseln sich ab mit der Erzählung eines schwarzen Zeitzeugen bei einer Veranstaltung der Black Student Union. Der alte Mann erzählt, wie er 1916 den bestialischen Lynchmord seines Freundes Jesse Washington mitansehen musste (ein realer Fall). Dabei spricht er explizit über die Mitwirkung von „Birth of a Nation“ an der Mobilisierung des weißen Mobs wie auch über den Missbrauch des Verbrechens als Unterhaltungsspektakel.

"Birth of a Nation"
"Birth of a Nation"

Der thematischen Verbindung zum Trotz stehen „The Answer“ und „BlacKkKlansman“ aber für zwei gegensätzliche Pole in Lees Filmschaffen: zum einen die Nähe zum anti-illusionistischen Agit-Prop-„Theater“ und zur schrillen Satire (etwa „Do the Right Thing“, „Girl 6“, „Chi-Raq“), zum anderen die Aneignung von Hollywood-Konventionen (der epische Historienfilm „Malcolm X“ oder

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