Aufs Maul schauen

Mittwoch, 05.09.2018

Ein Gespräch mit dem Regisseur zu seinem neuen Film „Das schönste Mädchen der Welt“

Diskussion

Mit „Das schönste Mädchen der Welt“ (hier geht es zur Filmkritik) ist Regisseur Aron Lehmann (Jahrgang 1981) ein Glücksgriff gelungen. Seine moderne Adaption von Edmond Rostands Klassiker „Cyrano de Bergerac“ aus dem Jahr 1897 macht aus dem Drama eine Komödie im Teenagermilieu. Mit WhatsApp und Battle-Rap geht es um die Kraft der Worte, aber auch um Mobbing, Schönheitsideale und die immer aktuellen Themen Romantik und erste Liebe. Die Angebetete ist hier kein Objekt, sondern ein selbstbewusstes Mädchen.


Was war der Auslöser, das mehr als 120 Jahre alte Theaterstück von Cyrano de Bergerac ins Milieu des Battle-Rap zu versetzen?

Lehmann: „Cyrano de Bergerac“ mit Gérard Depardieu gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Der Pitch des Produzenten hieß „Cyrano de Bergerac meets Fack ju Göhte“. Das hat mich so erschreckt, dass ich zunächst das Buch gar nicht anzufassen traute. Aber mein Agent hat es mir ans Herz gelegt, und Lars Kraume, der die erste Fassung geschrieben hat, ist ein toller Autor und Handwerker. Als ich das Originalstück las, kam mir plötzlich eine Vision, wie ich es umsetzen könnte. Im Unterschied zum Drama wollte ich vor allem die weibliche Hauptfigur überarbeiten. Eine Frau, die nur als Objekt der Begierde dient, langweilt mich; das kann man heute nicht mehr erzählen.Da habe ich dann Hand angelegt. Auf dem Set hat die damals erst 17-jährige Luna Wedler als Roxanne daraus dann eine große Rolle gemacht. So ein Talent wie Wedler gibt es vielleicht nur alle zehn Jahre. Auch Aaron Hilmer und Damian Hardung sind zwei Wahnsinnstalente, von denen man noch viel hören wird.


Könnte man Ihren Film als eine Art „intelligentes“ Pendant zu „Fack ju Göhte“ beschreiben? Wie unterscheiden sich die beiden Filme?

Lehmann: „Fack ju Göhte“ ist eine Satire über das Bildungssystem und macht sich über die Dummheit der Menschen lustig, feiert das richtig. Unser Film sagt hingegen, dass Dummheit nicht sexy ist. Was die Jugendsprache betrifft, ist Bora Dagtekin allerdings unser absolutes Vorbil

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