Venedig #75: Kino & Umsturz

Sonntag, 09.09.2018

Eine Rückschau zum Abschluss der Filmfestspiele in Venedig

Diskussion

Historische Umbrüche und der Wille zu gesellschaftlicher Reform und Revolution waren ein thematischer Schwerpunkt des diesjährigen Festivals. Formal zeigte sich das eher weniger: da dominierte das klassische Genre.


Am letzten Festivaltag der 75. „Mostra internazionale dell'arte cinematografica“ feierte mit „Un peuple et son roi“ von Pierre Schoeller ein Film Premiere, der sich der französischen Revolution widmet. Schoeller skizziert darin die politischen Entwicklungen in Paris von der Erstürmung der Bastille im Juli 1789 bis zur Hinrichtung Ludwigs XVI. im Januar 1793, festgemacht an historischen Figuren wie Marat (Denis Lavant) oder Robespierre (Louis Garrel) sowie an fiktiven Gestalten aus dem Volk wie einer französischen Wäscherin (Adèle Haenel), die als eine Art „Marianne“ zur zentralen Identifikationsfigur wird. Den Terror, in den der Kampf um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit abdriftet, spart der Film aus. Oder deutet ihn nur an, da er mit großer Genauigkeit die Dynamik zwischen gewaltsamer Revolution und politischen Ringen in der Nationalversammlung beobachtet, die nach dem Umsturz zuerst die Hoffnung auf bürgerliche Freiheitsrechte und eine neue Ordnung entfacht, anfangs als konstitutionelle Monarchie, schließlich als Republik, dann aber, befeuert durch die Angst vor der aus dem Ausland gestützten Konterrevolution, das Potenzial zur Diktatur entfaltet. Ein eindrucksvolles Requiem für eine Utopie, in der aus dem Traum von einer gerechteren Gesellschaft ein Albtraum erwächst.

"Un peuple et son roi"
"Un peuple et son roi"

Fürs Finale des 75.  Festivals war „Un peuple et

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