Die Anziehung des Verrückten

Montag, 24.09.2018

Ein Interview mit Terry Gilliam zu „The Man Who Killed Don Quixote“

Diskussion

Terry Gilliam hat es geschafft! Seit Anfang der 1990er laboriert er am „Don Quixote“-Stoff; ein erster Versuch einer Verfilmung mit Jean Rochefort und Johnny Depp musste im Jahr 2000 abgebrochen werden, unter anderem wegen Unwettern, die das Set wegspülten, und einem Bandscheibenvorfall von Rochefort, durch den er nicht mehr reiten konnte. Der Dokumentarfilm „Lost in La Mancha, ursprünglich als Making of geplant, gibt beredt Auskunft über dieses Scheitern. Nach vielen rechtlichen Problemen und vergeblichen Versuchen, ein Budget zusammenzubekommen, kommt „The Man Who Killed Don Quixote“ am 27. September endlich in die Kinos: Die Geschichte von Toby (Adam Driver), einem zynischen Werbefilmer, der über seinen alten Studentenfilm von vor zehn Jahren stolpert – und über seinen damaligen Hauptdarsteller (Jonathan Pryce), der sich seitdem für Don Quixote hält…


Da Sie nun fertig sind: Ist es der Film, den Sie sich vorgestellt haben, als Sie gestartet haben?

Terry Gilliam: Gottseidank ist es nicht der Film, der er hätte werden sollen. Es ist ein viel besserer Film! Er ist ein Ergebnis all seiner Entstehungszeit. Wir haben immer versucht, ihn frisch zu halten, haben immer wieder umgeschrieben. Ganz ehrlich, irgendwann wird mir ein Drehbuch langweilig, und ich bemühe mich dann um neue, andere Ideen. Und einige der Ideen sind auch nur dazu da, um es billiger zu machen… Lassen wir also die Toby-Figur nicht zurückreisen ins 17. Jahrhundert, machen wir es zeitgenössisch, da können dann Telefonleitungen und Satellitenschüsseln im Bild sein – damit kann man eine Menge Geld sparen.


Haben Sie also, wenn Sie mit Tony Grisoni oder wem auch immer ein Drehbuch schreiben, eine Stimme im Kopf: Oh, das ist eine großartige Idee, aber zu teuer, wir müssen es runterschrauben?

Gilliam: Immer, immer. An einem bestimmten Punkt in deinem Leben bemerkst du, dass der „Marktplatz“ wirklich ein merkwürdiges Konzept ist. Die Geldseite beim Filmemachen: Da sind so viele Menschen abergläubisch. Da heißt es dann „Der Fluch von Quixote“, bumm, oder „Eine alte Idee, Fisch von letzter Woche, der stinkt“ – und viele Produzenten, die ich wirklich mag, vermieden Quixote: „Hak’s ab!“ Und an solchen Punkten habe ich dann aufgegeben und einen anderen Film gemacht. Wenn der dann gedreht war, hat im Hintergrund Don Quixote immer gewartet.


Wie fühlt sich das jetzt an für Sie?

Gilliam: Ich bin hocherfreut! Es ist ein wirklich guter Film! Viel besser als der, den wir damals gemacht hätten! Er hat mehr Idee, mehr Ebenen, und ich finde die Darsteller so gut! Die Besetzung ist brillant! Und ich selbst hab’s nicht zu schlimm verkackt…


Was ich meine: Wenn Sie 25 Jahre an dem Film sitzen, wird er sooo groß, immer mehr, mehr als Sie ursprünglich geplant haben. Vor 25 Jahren war es vielleicht nur eine Idee, und dann wird es das Größte auf der Welt…

Gilliam: So funktioniert das bei mir nicht. Was mir Angst gemacht hat, war nicht, ob ich einen Film mache, der so viele Lebensjahre wert ist. Was mir Angst gemacht hat, waren die Erwartungen der Zuschauer. Es ging nicht um mich, sondern darum, ob ich all diese Menschen enttäusche. Vor allem in den ersten Wochen des Drehs hat Nicola Pecorini, mein Kameramann, gefragt: „Was ist los mit dir? Du benimmst dich nicht wie sonst!“ Ich habe mir solche Gedanken gemacht, dass ich etwas mache, das nicht interessant

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