Unsere Täter, unsere Opfer

Montag, 01.10.2018

Christoph Hübner und Gabriele Voss spüren in „Nachlass“ dem Fortwirken der nationalsozialistischen Verbrechen nach. Ein Essay über das vergiftete Erbe in den Seelen der Nachkommen von Opfern und Tätern.

Diskussion

Für die einen ist es angeblich nur noch ein „Vogelschiss der Geschichte“, für andere eine schwere Last, die ihnen niemand von den Schultern nehmen kann. In dem Film „Nachlass“ (Kinostart: 27. September) spüren Christoph Hübner und Gabriele Voss den späten Folgen der NS-Verbrechen nach. Auf Opfer- wie auf Täterseite.


Am 5. Juli diesen Jahres starb mit Claude Lanzmann der wichtigste Chronist der Shoah. Viele der Zeitzeugen, Täter wie Opfer, die in seinen Filmen ihre Erinnerungen preisgegeben haben, sind bereits vor ihm verstorben. 73 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz leben nur noch wenige, die am eigenen Leib die Gräuel erlebt haben. Die letzten Prozesse gegen KZ-Wärter liefen gegen 90-Jährige im Rollstuhl. Bald wird dieses dunkle Kapitel des 20. Jahrhunderts geschlossen sein. Die wachsende Fremdenfeindlichkeit und die steigenden Zahlen antisemitischer Übergriffe in Deutschland zeigen, wer das als die echte Befreiung vom Nationalsozialismus empfindet und wohin das führt.

Schon im Historikerstreit 1986 gab es Versuche, durch Relativierungen und Vergleiche das singuläre Geschehen der Vernichtung des europäischen Judentums kleinzureden. Der Historiker Martin Broszat hat damals angemerkt, dass das relative Schweigen der Nachkriegszeit, das Auf-sich-beruhen-lassen vieler Verbrechen nicht etwa als Beweis dafür gewertet werden könne, dass die „Entnazifizierung“ erfolgreich gewesen sei. Karl Jaspers und Hannah Arendt sprachen schon direkt nach Ende des Krieges von einer

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