Bilanz des 66. Filmfestivals in San Sebastián

Montag, 01.10.2018

Ein Rückblick auf einen bewegten Jahrgang, in dem das Festival in San Sebastián viel Mut zu Neuerungen bewies

Diskussion

„Uns interessiert die Vielfalt. In diesem Jahr hatten wir sehr viele Genrefilme im Wettbewerb, Action, Horror und Science-Fiction“, brachte Festivalchef José Luis Rebordinos die große Spannbreite des 66. Festivals in San Sebastián auf den Punkt. „Wir schätzen Filme, die soziale Fragen aufwerfen, aber wir lieben auch das Unterhaltungskino.“ Ein Rückblick auf einen bewegten Jahrgang.


Das 66. Filmfestival in San Sebastián endete mit einer einhelligen Juryentscheidung. Die „Goldene Muschel“ ging in „voller Einstimmigkeit“, so Jurypräsident Alexander Payne, an den spanischen Film „Entre dos Aguas“ von Isaki Lacuesta. Vor zwölf Jahren drehte Lacuesta mit „La Leyenda del Tiempo“ (2006) schon einmal einen Film mit jungen Gitanos (spanische Roma) aus den Vorstädten der Stadt Cadíz. Jetzt ist der spanische Regisseur nach Cadíz zurückgekehrt, um mit den gleichen Protagonisten eine andere Geschichte zu erzählen. Darin kommt ein junger Gitano aus dem Gefängnis und findet sich nicht mehr zurecht. Er freut sich auf seine drei Töchter, doch seine Frau lässt ihn nicht ins Haus, solange er keine Arbeit gefunden hat. Jobs sind rar, weshalb er mit dem Gedanken spielt, wieder Drogen zu verkaufen.

Fast dokumentarisch und mit bewegter Kamera seziert Lacuesta einen agilen Mikrokosmos zwischen Perspektivlosigkeit und tiefer Lebensfreude. Die im Schwemmland zwischen Fluss und Meer angesiedelte Geschichte vom Leben und Überleben ist eine poetisch-realistische Betrachtung über das Vergehen der Zeit und besticht durch ihre authentische Atmosphäre, die gelungene Inszenierung eines Ensembles voller Laiendarsteller und dem Umgang mit Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Lacuesta gewann damit schon zum zweiten Mal den höchsten Preis in San Sebastián, 2011 wurde sein Film „Los pasos dobles“ mit der „Concha de oro“ ausgezeichnet.

Der zweite große Gewinner des Festivals ist das argentinische Drama „Rojo“ (vgl.

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