Kirchenkritik: Polnischer Skandal-Film in deutschen Kinos

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Ein kritischer Film über die katholische Kirche in Polen, der in seiner Heimat heftige Debatten ausgelöst hat, kommt in deutsche Kinos.


Seit seinem Kinostart am 28.9. hat der Film „Kler“ („Klerus“) von Wojciech Smarzowski hohe mediale Wellen geschlagen: Der Film, der sich äußerst kritisch mit der katholischen Kirche und ihrem Einfluss in Polens Politik und Gesellschaft auseinandersetzt und nicht zuletzt auch das Reizthema Missbrauch durch katholische Priester anspricht, hat heftige Gegenreaktionen provoziert, aber auch Scharen von polnischen Kinobesuchern angelockt. Derzeit führt der Film mit über 2,5 Millionen Zuschauern als erfolgreichster Film 2018 die polnischen Kinocharts an – vor US-Blockbustern wie „Avengers – Infinity War“ oder „Die Unglaublichen 2“. Am kommenden Sonntag, 21.10., ist der Film als polnisches Original mit englischen Untertiteln nun auch in zahlreichen deutschen Kinos der Cinemaxx-Gruppe zu sehen.



Der Spielfilm „Kler“ macht seine Beobachtungen zu kirchlichen Missständen an drei unterschiedlichen Priester-Figuren fest: da ist ein vor allem auf seine Karriere bedachter Funktionär (Jacek Braciak) am Hof des Erzbischofs, der es gerne in den Vatikan schaffen würde; da ist ein Dorfpriester (Robert Więckiewicz), der mit Alkoholproblemen kämpft und trotz Zölibats eine Frau geschwängert hat, und da ist schließlich ein Kleinstadt-Priester mit pädophilen Neigungen (Arkadiusz Jakubik). Ein zutiefst deprimierendes Szenario wahrlich unchristlicher Zustände, mit dem sich Regisseur Wojciech Smarzowski, wie er in einem Interview sagte, ausdrücklich an die Katholiken in seiner Heimat wendet: „Ich hoffe, dass sie nach dem Verlassen des Kinos bemerken, dass sie mitverantwortlich für das sind, was man auf der Leinwand sieht.“ Bei einem von Polens wichtigsten Filmfestivals, dem Polnischen Filmfestival in Gdynia (17. bis 22.9.), gab es dafür einen Spezialpreis („für den Mut, ein Thema zu untersuchen, das von besonderer Relevanz für die Öffentlichkeit ist“). Zugleich regte sich in Polen harsche Kritik von polnischen Kirchenvertretern und Politikern der regierenden nationalpopulistischen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS); der katholische Journalistenverband Polens rief zum Boykott des Films auf – ohne freilich das enorme Zuschauerinteresse stoppen zu können, das andeutet, wie dringlich die in „Kler“ angeschnittenen Themen empfunden werden. In Deutschland läuft der Film nun als Event am 21. Oktober deutschlandweit in zahlreichen Multiplex-Kinos.

Informationen zu den teilnehmenden Kinos finden Sie hier:

„Kler“ bei Cinemaxx

„Kler“ bei UCI Kinowelt

„Kler“ bei CineStar


Fotos: © Bartek Mrozowski

Eine ausführliche Kritik zum Film publizieren wir in Kürze.

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