Herbert Achternbusch

Freitag, 23.11.2018

Eine Würdigung des bayerischen Regie-Anarchisten zum 80. Geburtstag

Diskussion

Als Dramatiker, Romancier und Maler, vor allem aber als Regisseur von rund 30 Filmen hat Herbert Achternbusch der deutschen Kinolandschaft seinen höchst eigenen Stempel aufgedrückt. Immer wieder hat er sich auf polemische, aber auch poetisch-versponnene Art an Bayern, der Politik, der Kirche, der Geschichte und der Gegenwart abgearbeitet und künstlerische Kontroversen ausgelöst. Das störrische Gesamtwerk des Mannes, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, fasziniert gerade in seinen Widersprüchen noch immer.


„Da sitzen die beiden jetzt in ihren kleinen Häusern, auf Teneriffa der eine, im Waldviertel in Österreich der andere. Und sind vergessen. Weg, fort aus der Welt. Kennt kein Mensch mehr. Eine dunkle Erinnerung aus einer Zeit, als noch Wut in der Welt war und in Deutschland. Verzweiflung auf den Bühnen. Skandale. Wut und Wirklichkeit. Herbert Achternbusch und Franz Xaver Kroetz. Vergessener kann man nicht sein.“ So schreibt Volker Weidermann in seiner lesenswerten, entschieden meinungsfreudigen Literaturgeschichte „Lichtjahre“ (2006). Und fährt fort, klammheimliche Schadenfreude nicht verhehlend: „Heute sitzt er (Achterbusch) in seinem blauen Haus im Waldviertel und kann die Miete nicht bezahlen. Die Stadt München könnte ihm doch mal ein Bild abkaufen, sagt er, der immer alle beschimpft hat. Achternbusch ist Maler, Dramatiker, Romancier und Filmemacher. Aber eigentlich wollte er immer nur genug Geld haben für seine Filme. Dreißig Filme hat er gedreht in seinem Leben, fünfzig Bücher geschrieben und zwanzig Theaterstücke. Es sind alles Werke direkt aus dem Leben. Ohne großen Umweg über die Kunst. Das ist herausgeschrien. Herausgejubelt. Gegen diese verzwungene Wirklichkeit. Für eine große, große Freiheit.“

Herbert Achternbusch in Andi Niessners Porträtfilm "Achternbusch"
Herbert Achternbusch in Andi Niessners Porträtfilm "Achternbusch"

„In Bayern möchte ich nicht einmal gestorben sein!“, heißt es gleich zu Beginn von Achternbuschs Film „Servus Bayern“ (1977). Und man glaubt es kaum: Es gab einmal eine Zeit, als solche Sätze für einen Skandal sorgten, als Politiker vom Schlage eines Gerold Tandler dieses poetische Manifest von Heimatekel für „schlicht und ergreifend eine Sauerei“ hielten und die Fernsehausstrahlung des Films in Bayern verhinderten – und damit selbstredend Achternbuschs vergänglichen Ruhm als anarchistischer Querulant vermehrten. Ein paar Jahre später dann, 1982/83, stilisierte der Skandal um die Verweigerung der Auszahlung der letzten Rate des Bundesfilmpreises für „Das letzte Loch“ Achternbusch geradezu zum Symbol der erklärten geistig-moralischen Wende der Kohl-Ära. Anlass war

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