Zum Tode von Nicolas Roeg (1928-2018)

Sonntag, 25.11.2018

Ein Nachruf auf den britischen Regisseur und Kameramann

Diskussion

Rätsel, Vexierspiele, Mosaiken, Labyrinthe. Begriffe wie diese wurden auf die Regiearbeiten des Briten Nicolas Roeg weit öfter angewandt als gewöhnliche Genre-Bezeichnungen – der Ausdruck einer Verlegenheit angesichts von Werken, die in ihren zersplitterten Erzähl- und Bilderfolgen irritierten, wenn sie nicht den Betrachter ohnehin völlig vor den Kopf stießen. Nicht zufällig erlebten Roegs Filme in den 1970er- und 1980er-Jahren immer wieder ein ähnliches Muster der Ablehnung: Von den eigenen Produzenten diskreditiert – „Ein kranker Film von kranken Menschen für kranke Menschen“ befand beispielsweise die Rank Organisation über „Blackout“ (1979) –, vom Publikum links liegen gelassen, von der Kritik bei der Erstaufführung zerrissen – wobei zumindest letztere mit zunehmendem Abstand ihr Urteil oft revidierte.

Diesen Abstand brauchte es vielleicht auch, weil Nicolas Roeg tatsächlich keine Rücksicht auf Empfindlichkeiten nahm. Ein nachhaltiger Schock, der dem Zuschauer jeden Gedanken an einen sicheren Ausgang raubte, lauerte mitunter schon am Anfang von Roegs filmischen Irrgärten: Etwa in „Walkabout“ (1971), in dem ein Vater seine zwei Kinder angeblich für ein Picknick in die australische Wüste hinausfährt, um unversehens Schüsse auf sie abzufeuern und sich dann selbst zu töten. Oder auch in der Einstiegssequenz in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973), bei der zahlreiche in sich harmlose Bild- und Tonsignale durch die Montage auf den kommenden Schrecken einstimmen, der

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