Werner Herzog

Montag, 26.11.2018

Ein Gespräch mit dem umtriebigen Filmemacher

Diskussion

Der Bewunderer „ekstatischer Wahrheiten“ wird nicht müde. 76 Jahre zählt Werner Herzog inzwischen, doch sein Elan und seine Neugier sind ungebrochen. Eben feierte sein Dokumentarfilm „Meeting Gorbachev“ beim Dokfestival in Leipzig Europa-Premiere; ein weiterer Spielfilm ist abgedreht, ebenso ein BBC-Feature über Bruce Chatwin, und demnächst starten die Dreharbeiten für seine erste Serie. Ein Gespräch über filmische Innovationen, das nahende Ende des Kinos und die Frage, was auf seinem Grabstein stehen soll.


Anfang November haben Sie im Filmmuseum München den nach Ihnen benannten „Werner Herzog Filmpreis“ verliehen. In den von Ihnen verfassten Stiftungskriterien heißt es, dass der Preis für eine innovative Leistung im Weltkino verliehen wird. Was macht für Sie filmische Innovation aus? Und wohin entwickelt sich gegenwärtig die Sprache des Films?

Werner Herzog: Der Preisträger muss nicht nur innovativ sein, sondern auch visionär und mutig! Darum geht es mir persönlich bei der Preisvergabe. Dafür suchen wir Kandidaten aus der ganzen Welt, und grundsätzlich auch aus verschiedenen Bereichen. Das kann ein Schauspieler sein oder eine Kamerafrau, ein Musiker oder ein Dokumentarfilmregisseur. Da sind wir ganz offen. Für den Werner Herzog Filmpreis kann man sich deshalb nicht bewerben. Wir vergeben ihn nach dem Motto „We will find you!“ In den ersten beiden Jahren haben wir ja zwei sehr innovative Preisträger gefunden: den Dokumentarfilmer Hubert Sauper und die junge Spielfilmregisseurin Chloé Zhao. Für seinen Wahnsinnsfilm „We Come as Friends“ ist Hubert Sauper mit einem selbst gebauten Miniflugzeug bis ins Kriegsgebiet im Südsudan geflogen! Oder denken Sie an Chloé Zhao, die wir 2017 ausgezeichnet haben. Sie hat mit „The Rider“ einen extrem ungewöhnlichen Spielfilm gedreht, in dem das eherne Filmgesetz aufgebrochen wird, dass die männliche Hauptfigur in einem US-amerikanischen Film ihren Traum aufgibt. Das hatte Mut und Klasse und wurde sensationell mit einem kleinen Team gedreht. Das hat man so noch nie gesehen! Das war wirklich unerhört.

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Die diesjährigen Preisträgerinnen Liliana Diaz Castillo und Estephania Bonnett Alonso wurden „für ihr außergewöhnliches kreatives Engagement“ ausgezeichnet. Beide Frauen organisieren Workshops für junge Filmemacher und Filmemacherinnen aus allen Erdteilen. Dabei realisieren sie unter Anleitung renommierter Regisseure innerhalb von neun Tagen und ohne vorherige Projektidee einen Kurzfilm an einem entlegenen Ort der Welt. Worin bestand hier die außergewöhnliche Innovation? Welche neuen Regiehandschriften haben Sie in der Begleitung dieser jungen FilmemacherInnen entdeckt?

Herzog: Mit Liliana Diaz Castillo und Estephania Bonn

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