Thema Spezial: Friedensnobelpreis 2018

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Mit zwei Dokumentarfilmen würdigt arte am heutigen Tag die beiden Gewinner des diesjährigen Friedensnobelpreis, der ihnen am 10. Dezember in Oslo verliehen wird. Die 1993 geborene Jesidin Nadia Murad, die dem Völkermord an ihrer religiösen Gruppierung und der sexuellen Versklavung durch den IS entkam und seitdem weltweit als Aktivistin unterwegs ist, wird in einem Dokumentarfilm von der Amerikanerin Alexandria Bombach porträtiert, die dafür beim Sundance Film Festival 2018 den Regie-Preis bekam. Der Originaltitel „On Her Shoulders“ bringt auf den Punkt, was „Nadia Murad“ (22.20-23.55) auszeichnet: Nicht nur vom Mut und der Ausdauer Nadia Murads zu erzählen, der es ihr möglich macht, immer wieder öffentlich über ihr Martyrium und die Verbrechen an den Jesiden zu sprechen, sondern auch den übermenschlichen Druck sichtbar zu machen, der beständig auf der jungen Frau lastet. Zudem wird auch die Rollen der Medien beleuchtend, deren Vertreter zwar wohlwollend und einfühlsam auftreten, für die Nadia Murad letztlich aber nur eine Nachricht von vielen ist. Vor der 25-Jährigen, deren Familie fast komplett ausgelöscht wurde und die wie ihre ganze Volksgruppe keine Heimat mehr hat, liegt dagegen auch noch eine Zukunft, in der sie weiterhin als „Stimme“ der Jesiden wird auftreten müssen. Auch Momente, in denen sich Nadia Murad abseits der öffentlichen Podien an frühere Träume, etwa von einem eigenen Schönheitssalon, erinnert, gehören zu Bombachs eindringlichem Film dazu.

Der zweite Friedensnobelpreisträger dieses Jahr, der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege, war 2018 auch im Dokumentarfilm „City of Joy“ bei seinem Einsatz für Frauen, die im Bürgerkrieg Opfer von brutalen Vergewaltigungen wurden, zu erleben. War er darin einer von mehreren Protagonisten, widmete ihm der Franzose Thierry Michel bereits 2015 ein Einzel-Porträt, das arte in gekürzter Fassung unter dem Titel „Dr. Mukwege: Der Mann, der Frauen repariert“ (23.55-00.55) zeigt. Der Film setzt anders als „Nadia Murad“ darauf, dem Charisma von Denis Mukwege mindestens ebenso viel Raum zu geben wie seinem jahrzehntelangen Kampf, den systematischen Einsatz von sexueller Gewalt anzuprangern. Die Wichtigkeit seines Kampfes und die Richtigkeit der Nobelpreisentscheidung vermitteln sich allerdings ohne Zweifel. – Ab 16.

Zu „Nadia Murad“ in der arte-Mediathek (bis 8.3. 2019)

Zu „Dr. Mukwege: Der Mann, der Frauen repariert“ in der arte-Mediathek (bis 6.2.2019)


Foto aus „Nadia Murad“: RYOT Films

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