1900 (arte)

10.12., 21.50-03.00, arte

Diskussion

Der am 26. November verstorbene Bernardo Bertolucci hatte als Regisseur viele Gesichter (zum Nachruf) und entwickelte sich vom Filmemacher im selbsternannten Dienst an der sozialistischen Sache zum Skandalfilmer und von da zum versierten Gestalter formal glänzender Kino-Epen. Sein aufwändigstes Projekt war das zweiteilige, über fünf Stunden umfassende Geschichtsgemälde „1900“, das mit monumentalem Gestus vom frühen 20. Jahrhundert in Italien erzählt. Die beiden Jugendfreunde Olmo (Gérard Depardieu) und Alfredo (Robert De Niro) werden zu Stellvertreter-Figuren für die politischen Kämpfe der Zeit. Olmo wächst als Sohn von Landarbeitern auf dem Landgut auf, das Alfredos Familie gehört, als Erwachsene bilden sie sich zwangsläufig zu Vertretern ihres Standes heran, die im Klassenkampf auf unterschiedlichen Seiten stehen. Die Sympathie von Bertolucci ist dabei eindeutig auf Seiten des Proletariats, doch kann vor allem der 1. Teil „Gewalt, Macht, Leidenschaft“ mit durchaus ausgewogener Darstellung punkten. Der 2. Teil „Kampf, Liebe, Hoffnung“, der die faschistischen 1930er-Jahre und die neue Aufbruchsstimmung nach Italiens Niederlage im Zweiten Weltkrieg beschreibt, greift vordergründig die Dekadenz der Besitzenden und den Terror der Faschisten noch stärker an, findet aber dann zu einer unerwarteten Schlusswendung.

Foto: 1996-98 AccuSoft Inc.

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